Cinemathek

STEREO · Psycho-Thriller mit Petra Schmidt-Schaller | Film 2014 | Kritik

Zuletzt aktualisiert am 27. Dezember 2018 um 20:24

Gleich nach dem Film fragte mich meine Kinobegleitung, warum dieser Psychothriller denn nun Stereo geheißen habe? Denn ja, für den Titel ist der Streifen erstaunlich eindimensional: Es gibt keinen Subplot, es geht ausschließlich um Jürgen Vogels seelisch belasteten Charakter – und dessen Freundin, dessen Begleiter, dessen Erzfeind, aber im Wesentlichen nur um die Hauptfigur und ihr Problem. Eben dieses Problem erklärt auch den Filmtitel Stereo, doch das würde an dieser Stelle zu viel verraten…

Petra Schmidt-Schaller und Jürgen Vogel in dem Film »Stereo«

Zum Inhalt: Erik (Jürgen Vogel) betreibt eine Motorrad-Werkstatt auf dem Land. Dort tüftelt er in aller Abgeschiedenheit, wenn er nicht gerade bei seiner Freundin Julia (Petra Schmidt-Schaller) und ihrer gemeinsamen Tochter ist. Eines sonnigen Tages jedoch taucht ein mysteriöser Fremder (Moritz Bleibtreu) in Eriks Werkstatt auf. Er heißt Henry und erweist sich als ziemlich lästig – oder vielleicht doch eher hilfreich? Als sich Erik von ein paar Gangstern in die Ecke gedrängt sieht, wird sich diese Frage klären…

An dieser Stelle sei es verraten, eben weil es in diesem Film eh kein großes Geheimnis ist: Der von Moritz Bleibtreu (Abgeschnitten, Lola rennt) gespielte Fremde ist gar nicht real, sondern existiert nur als eine – zweite – Stimme in Eriks Kopf. Deshalb der Titel Stereo. So viel ahnt man schon nach dem Trailer zum Film, siehe hier:

Dieser wilde Zusammenschnitt actionreicher Szenen erinnern ästhetisch schon an mögliche Vorbilder wie Fight Club (1999) oder Oldboy (2003). Im Vergleich zu diesen Genre-Perlen wirkt Stereo dann doch etwas zu glatt gebügelt: Der erste Akt sieht aus wie ein Fernsehfilm, so hell und sauber, dass der ölverschmierte Jürgen Vogel wie ein Fremdkörper darin wirkt – was vielleicht der gewünschte Effekt war. Oder auch nicht.

Viele Sachen kann man […] nicht vorbereiten – das fertige Szenenbild sieht man ja meist erst kurz vor dem Drehen. Da muss man ohnehin flexibel bleiben. Ich finde es auch wichtig, offen zu bleiben für Ideen, die am Set im Moment entstehen. Aber es ist ein gutes Gefühl, mit einem Plan in den Tag zu starten, den man umwerfen oder verändern kann, wenn man merkt, das die Szene etwas anderes verlangt.

Maximilian Erlenwein im Gespräch mit Frank Arnold (epd Film)

Für meinen Geschmack hätten die Szenen etwas mehr atmosphärische Dichte verlangt, um ihre Wirkung voll zu entfalten. Doch das ist ein schwer zu greifender Vorwurf. Das Ensemble jedenfalls – großartig: Georg Friedrich (Asphaltgorillas) als Gangster-Boss – sorgt für kraftvolle Momente. Und der Look des Films, auch wenn er mir auf den ersten Blick ein wenig »abgeguckt« vorkommt, findet durchaus begeisterte Fürsprecher:

Regisseur Erlenwein und sein Kameramann Ngo The Chau spielen virtuos mit Licht und Schatten, mit ausgedünnten Farben und harten Kontrasten. Sie machen „Stereo“ zu einem Augenschmaus in Neo-Noir-Optik, der definitiv auf der großen Kinoleinwand am besten zur Geltung kommt.

Carsten Baumgardt (Filmstarts)

Fazit zu Stereo

Kurz: 7/10 Punkte, sind doch Genre-Filme wie dieser immer noch ein rares Gut und gern gesehen in der deutschen Kino-Landschaft. Mit einer Laufzeit von 93 Minuten ist Stereo kurzweilig und durchaus unterhaltsam, hätte zwar etwas rasanter und »atmosphärisch dichter« (damit meine ich vielleicht: anders geschrieben?) sein können, aber hey: Geschmackssache. Regisseur Maximilian Erlenwein (ein Absolvent der dffb) hat das Drehbuch zu seinem starbesten Kinofilm – und seinem zweiten Spielfilm überhaupt – höchst selbst geschrieben. Solche Autorenfilmer-Werke sind Deutschland ziemlich selten und allein dafür schon sehenswert.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.