Aktuelles Erfahrungsbericht

VeggieWorld und Paracelsus 2018

Während ich nach wie vor im Lernmarathon stecke und meinen geliebten Blog grob vernachlässige, um mir stattdessen Kants Moralphilosophie und rhetorische Stilfiguren einzuhämmern, hat Sonia am Wochenende eine neue Welt erkundet – die VeggieWorld. Veganismus ist ja, aus moralphilosophischer Sicht, ne ziemliche fortschrittliche Angelegenheit. Deswegen unterlasse ich hier mal ein ödes Update aus der Lernstube und überlasse meiner Partnerin die Bühne für ein paar erleuchtende Messeeindrücke, Sonia M. Kansy, here you go:

Morgenstund hat was im Mund?

Samstagmorgen, 6:50 Uhr, im Regionalzug nach Köln. Als furchtbarer Morgenmuffel mit aktuell leerem Magen horche ich nach dem Applaus, es bis hierhin geschafft zu haben. Jetzt und hier im Blazer zu sitzen. Auf dem Weg nach Wallau-Hofheim. Doch statt des Applauses vernehme ich ein Grummeln in meiner Magengegend. Gerade öffne ich die Lippen, um in mein frisches Körnerbaguette vom Bäcker zu beißen, da erstarre ich. Anstelle des erhofften bunten Körnerbrötchens blickt mir ein stinknormales Weizenbaguette entgegen. Da war wohl noch jemand nicht ganz wach. Na und, denkt ihr vielleicht? Eigentlich spricht man bekanntlich ja nicht über den Glauben, aber damit ihr mich versteht: Das Frühstück ist für mich die wichtigste Mahlzeit am Tag. So wie das Frühstück, so der Tag (achja, als Polin bin ich etwas abergläubisch…). Jedenfalls höre ich auf meine Vernunftstimme und ärgere mich nicht über die weniger gesunde Alternative. Nachher werde ich auf der VeggieWorld bestimmt entschädigt. Mampf.

Ein Aufsteller und Publikum auf der VeggieWorld

In Wiesbaden angekommen, wartet schon ein Shuttlebus auf die Messebesucher. Der Bus ist voll, obwohl es gerade 9:30 Uhr ist. Vor und hinter mir sitzt ein recht homogenes Publikum, vor allem Frauen zwischen 30 bis 50. Ein Gespräch über eine Hundevergiftung im Rücken, tuckere ich mit den Frauen und einer Handvoll Männer Richtung Messecenter Rhein-Main.

Wieso Paracelsus und Veggieworld?

Wieso bin ich hier? Grund, weshalb ich mich in aller Herrgotts-Früh nach Wallau-Hofheim mache, ist meine Recherche nach aktuellen Produkten, Dienstleistungen und Unternehmen im Bereich gesunde Ernährung und Stressprävention. Es geht mir darum, ein Gefühl für die Branche zu entwickeln, neue Kontakte zu knüpfen und Inspiration für Produktideen zu sammeln. Da passt es gut, dass die älteste Gesundheitsmesse Deutschlands, die Paracelsus, sowie die VeggieWorld in einer Messehalle stattfinden. Ich denke an meine Begleitlektüre Kopf schlägt Kapital und trete wachsamen Geistes durch den Eingang.

Meine erste Station ist der Vortrag „Burnout und chronische Erschöpfung“ von der Heilpraktikerin Tatjana Kling. Der Titel klingt vielversprechend. Ich erhoffe mir Hintergrundwissen zum Krankheitsbild und vor allen Dingen zur Prävention. Mehr zu dem Thema gibt’s im letzten Blogbeitrag über das Phänomen Burn-out. Doch meine Erwartungen werden nur gestreift. Stattdessen bekommen ich und knapp 30 andere Menschen eine Werbepräsentation für ihre Klinik und ihre nichtlineare Systemanalyse. Mit dem Diagnoseinstrument ist es anscheinend möglich, exakt die Problemzellen und Krankheitsursachen festzustellen. Allerdings ist dieses „sehr, sehr genaue“ und „absolut zuverlässige“ Instrument nicht wissenschaftlich fundiert. Das einzige, was ich aus dem etwas wirren Vortrag mitnehme, ist, dass physische Mangelzustände Burnout und chronische Erschöpfung bedingen.

An apple a day keeps the burnout away?

Den Zusammenhang zwischen Biochemie und psychischem Wohlbefinden hat schon Harari gut dargestellt. Natürlich fühle ich mich müde, wenn mir Eisen oder Vitamine fehlen. Aber, dass Burnout in erster Linie von physischen Faktoren abhängt und eben nicht von der Psyche, das kommt mir etwas zu engstirnig vor. Müsste es dann nicht heißen, dass kerngesunde Menschen auch stressresistenter sind? Was ist mit den Bloggern, die sich beruflich wie privat der gesunden Ernährung widmen und sich burnout-geoutet haben? Wie bspw. die Bloggerinnen von Mehralsgrünzeug oder Waldsinnig. Meinen großen Respekt dafür übrigens. Jedenfalls bezweifle ich, dass Burnout in erster Linie physiologisch ist, verzeihen Sie, Frau Kling.

Shiatsu für Seele und Körper

Meine nächste Station führt mich zu Brainlight. Bevor es ins Gespräch mit der Mitarbeiterin geht, werde ich in einen Massagesessel gesetzt. Seine weichen Polstern schmiegen sich an meinen Körper. Die Dame setzt mir eine Art Sonnenbrille auf, die meinen geschlossenen Augen Lichtimpulse sendet. Dazu bekomme ich Kopfhörer. Von ca. 90 Programmen höre ich „positive Affirmationen für den Tag“ und sinke für zehn Minuten in einen tranceartigen Zustand. Für die ersten Sekunden etwas befremdlich, aber alles in allem sehr angenehm. Eine ruhige Frauenstimme lullt mich mit positiven Bildern ein: Ich bin ein Königreich und mein Herz ein Thron voller Mut. Das gefällt mir. Doch das Beste: die Fußmassage. Diese Massagesessel sollen im Zukunftszug der Deutschen Bahn im Wellnessbereich eingesetzt werden, um es den Pendlern so angenehm wie möglich zu machen. So später nach Hause zu fahren, wäre wirklich toll.

Für jedes Wehwechen ein Teechen

Nach der Massage trinke ich erst mal Tee. Die heimelige Herbathek vom Gründer und Biologen Jens Jakob bietet für nahezu alle Belange das passende Teekraut. Jens erklärt mir, dass sein heilender Tee aus ganz Europa kommt. In Aachen würde ich mir so eine Herbathek wünschen. Doch seine Filiale in Berlin bleibt vorerst die einzige, da qualifiziertes Fachpersonal rar ist. Den schmackhaften Tee gibt es auf seinem Online-Shop. Ich nehme den Säuren-Basen-Tee direkt mit.

Ab ins obere Stockwerk zur VeggieWorld, der Messe für den veganen Lebensstil. Das Publikum ist hier wesentlich jünger, zwischen 16 und 27, schätze ich. Sie tümmeln sich vor allem bei IceDate. Das Münchener Unternehmen produziert Eis mit Dattelmus gesüßt. Ich probiere und bin begeistert. So stelle ich mir gesundes Naschen vor. Erhältlich auch in vielen basic-bio-Supermärkten. Auch Pumpin Panda steigt auf diesen Zug auf und verkauft gesunde mit Kokosblütenzucker und Proteinen angereicherte Schokolade. Es schmeckt cremig und nicht zu süß.

Ein Konzept, das mich besonders anspricht, ist das von Foodist. In einer monatlichen Überraschungsbox werden Produkte aus europäischen Manufakturen ins Haus geliefert. Die Begleitzeitschrift stellt die kleinen Unternehmen vor. Ein großartiges Konzept.

Wenn ihr neugierig seid, wer noch auf der VeggieWorld und Paracelsus anzutreffen war: auf der Messeseite erhaltet ihr mehr Infos.

Fazit

Eine vielseitige und inspirierende Messekombination, die genauso facettenreich wie der Lebensmittelmarkt an sich ist. Für alle, die sich für das Thema Food, Gesundheit und vegane Ernährung interessieren, ist die Messe einen Besuch wert. Verkostungen gibt es gratis dazu.

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