Fernstudium Tagebuch

Lernmarathon, der Tag danach

Zähe Tage liegen hinter mir, in denen ich allerlei Inhalte meiner aktuellen Studienfächer (Literaturwissenschaft, Philosophie) gelernt habe – vor allem aber, wie ich mein Gehirn dazu kriege, überhaupt mehr Zeug aufzunehmen. Egal was. Hauptsache rein damit, um es zur gegeben Zeit aufs gegebene Blatt wieder ausspucken zu können. Pünktlich zur Prüfung. Und apropos Spucken: Heute, am Tag danach, geht’s mir nicht so gut. Statt mit einem gehaltvollen Blogbeitrag (was ja sonst IMMER der Fall ist), melde ich mich zurück mit dem neusten Blubb aus meinem rauchenden Hirn. Rückblick zum Lernmarathon.

Skizzen von Männern mit kantigen Schädeln, dazu der Schriftzug: Lernmarathon, der Tag danach

Gestern Abend haben wir zur Feier des Tages, an dem die letzte Klausur endlich rum war – „Türkisch für Anfänger“ und zu tief ins Weinglas geschaut. Diese rhetorische Figur aus dem vorausgehenden Satz nennt man ein Zeugma. Anders Beispiel: Ich heiße David und dich herzlich willkommen. Erkennste? Zeugma also. Musste ich gerade nachschauen, hat mich in der Prüfung am Dienstag nämlich 0,5 Punkte gekostet. Mein Zeugma-Unwissen. Erstmals habe ich als Klausurort übrigens die Uni Köln ausprobiert.

Uni Köln vs. Uni Bochum

Bei einem Studium an der Fernuniversität Hagen ist es so, dass man sich einen Klausurort aus einer langen Liste von Präsenz-Universitäten aussuchen kann (also alle „normalen“, zu denen man regelmäßig hingeht, als Student, und dort präsent ist). Nach meinem Wohnortswechsel war Köln die nächstbeste Uni, also bin ich in dieser Woche zweimal dort gewesen. Muss sagen: Ich war positiv überrascht. Richtig geflasht, ehrlich gesagt – und kam mir deshalb dämlich vor, als ich merkte, dass mich schon so Sachen wie eine gut sichtbare Ausschilderung zu „Aula 2“ und „Herren WC“ begeistern. Muss hinzufügen: Zuvor habe ich in der Uni Bochum geschrieben, einem architektonischen Monstrum, in dem ich nach den Klausuren stets ne halbe Stunde damit verbracht habe, den Ausgang und mein Auto zu finden. Ey Mann.

Uni Köln also schön. Am Dienstag schrieb ich Literaturwissenschaft (Modul L1) in Aula 2, an dem Tisch, auf den jemand „Caro stinkt“ gekritzelt hat. Am Donnerstag saß ich dann für Philosophie (Modul P2) in Aula 1 an einem Tisch mit der Aufschrift „Proletentum ist eine Tugend“. Irgendwie eine Literaturgattung für sich, diese Tisch-Inschriften. Da werden Archäologen in x-tausend Jahren bestimmt ihren Spaß dran haben. In der Philosophie-Klausur galt es, sich aus sechs Fragen drei auszusuchen und in je einem zusammenhängenden Text zu beantworten. Leider nicht Fragen à la „Wer war dieser Immanuel Kant und was hat der Gute so gemacht?“, sondern eher: „Erläutern Sie die Notwendigkeit von Kants Rechtsidee anhand seiner Schrift Zum ewigen Frieden.“ Abstrakter Shit also.

Abstrakter Shit mit Methode

So war’s schon in der Klausur zu P1, im Lernmarathon vor einem halben Jahr – in der Lernphase damals habe ich gemerkt, dass ich schlichtweg keine Granate darin bin, einen zusammenhängenden Tag über abstrakten Shit in einem Zeitfenster von 80 Minuten frei zu verfassen. Geschweige denn drei davon in vier Stunden. Noch dazu in der Sauklaue eines Linkshänders, der Zeit seines Lebens beim Schreiben unterbrochen wurde durch das Kommentar „Oh, du schreibst mit links!“ (so KANN man ja keine flüssige Handschrift ausarbeiten).

Was ich wohl kann, hab ich damals also gemerkt, ist: einen zusammenhängenden Text über abstrakten Shit in besagtem Zeitfenster wiedergeben. Das heißt: möglichst wortgetreu auswendiglernen und dann auf Knopfdruck niederschreiben. Das ist natürlich nicht Sinn der Sache. Aber den „Sinn der Sache“ sehe ich bei der Prüfungsform Klausur, die so oder so darauf abzielt, zu einem konkreten Termin ein Maximum an Wissen abzufragen, das danach wieder verdampft wie heißes Wasser aus dem brodelnden Topfe, ohnehin nur bedingt gegeben.

Seit meiner Rückkehr aus Berlin vorletzte Woche habe ich also jeden öden Tag damit verbracht, mustergültige Texte über hirnverrenkende Themen so zu überarbeiten, dass die Sätze möglichst kurz sind. Kürzer als hier. Lächerlich kurz. Babysprachen-kurz. Das wichtigste Hauptwort immer gelb hinterlegt. Damit man sie sich besser einprägen kann, im Lernmarathon. Wort für Wort. Die Texte.

Lernmarathon ist rum, wat nu?

So weit, so langweilig. Das ist jetzt durch. Was bleibt, sind Kopfschmerzen vom Wein danach. Nun steht ein spannender Monat bevor. Ich darf am Set einer Webserie über Preußen herumstrolchen, zu der ich Anfang des Jahres das Drehbuch geschrieben habe. Danach geht’s eine Woche in die Jury-Sitzung des Deutschen Jugendfilmpreises. Aber vorher steht erst einmal wieder der SpokenWordClub im Club Bahnhof Ehrenfeld an, heute Abend, jetzt gleich. Moderator und Schauspieler Jesse Albert sitzt gerade neben mir und arbeitet an seinen Moderationskarten. Morgen berichte ich dann davon, ob der Junge seinen Job gut gemacht hat. Bis denne!

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