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Blog vom Bleiben Beiträge

Rehe im Schilf

Die Autofahrt vom Süden her zum Schwedtsee hin führt durch idyllische Alleen, eine Auf- und Abwärtsfahrt durch bewaldetes Land. Vom Nordufer des Sees dann sieht man zur Linken den Ort Ravensbrück, ein Kirchturm sticht hervor, und am rechten Ufer eine hohe Mauer. Wer näher herangeht, sieht den Stacheldraht. Noch ein bisschen näher ran und man liest Ländernamen, die in metallenen Buchstaben an der Wand prangen: Albanien, Belgien, Deutschland, Frankreich, Polen und mehr. Am Rande der Mauer, wo selbige zwischen Bäumen verschwindet, hängen Gedenktafeln für einzelne Personen und ganze Personengruppen. Es ist kein Friedhof, denn friedlich ruhen sie hier nicht, die…

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Kurzfilmtipp: „Rat Pack Rat“

In meinem Regal steht eine Doppel-CD vom „Rat Pack“. Vor langer Zeit aus einem Grabbeltisch gebuddelt. Für wenig Geld mit nach Hause genommen. Lege ich um die Weihnachtszeit herum ein, weil der Sound so kratzig klingt, so altmodisch, so weihnachtlich (Christi Geburt ist ja auch schon sehr lange her, das passt halt). Jedenfalls würde ich mich nicht als großen Fan bezeichnen. Sammy Davis, Frank Sinatra und… guck, ich krieg nicht mal den dritten Mann auf die Kette. Peinlich. Mit großem P. Ein großer Fan ist jedenfalls der Held dieses Films, obwohl… ist er überhaupt der Held? Ist er nicht bloß Protagonist…

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Spazierleser

Unlängst lag ich am Ufer eines Flusses, der so langsam fließt, dass man sich fragt: in welche Richtung eigentlich?, und las ein Buch über „Speedreading“. Tempoclash. Als würde man bei 180 Sachen auf der Autobahn im Fahrzeughandbuch wegen der defekten Bremsen nachschlagen. Nur etwas weniger gefährlich, die Flussvariante. Obwohl ich von Brennnesseln umgeben war – doch noch so zugeknöpft und langärmelig, an einem dieser raren Sonnentage im noch kühlen April, dass mir keine Nessel auf die Pelle rückte. Speedreading also. Speed. Reading. So soll man nicht lesen. Wort für Wort. Sondern fünf Wörter auf einmal, oder mehr. Heißt es in dem Buch. Eine…

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DEUTSCH – disappointed

„Moment, da sind Sie im Bereich des Justiziablen…“, unterbrach Böhmermann seinen Gast Jörg Kachelmann. Zuvor hatte der ehemalige ARD-Wetterfrosch die Journalistin Alice Schwarzer als Depp bezeichnet. Ob man das dürfe? Müsste gerade noch gehen. Gerade noch. „Sie wissen das sehr genau, ne?“, fragt Jan Böhmermann. Dann möchte er Sachen ausprobieren, die man sagen könne, für die man verklagt werde… Das war im Januar, erste Folge von „Schulz & Böhmermann“, der Sendung mit dem Insert für die potenziell justiziablen Momente. Rund zwei Monate später sitzt Bloggerin Ronja von Rönne neben Jan von Böhm, dieses Mal im „Neo Magazin Royale“, der Sendung ohne Insert. Ronja sagt: „Du kennst ja…

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Ergo: Dann gegen alles

Gestern schlenderte ich spätabends – auf der Suche nach Essen – an einem eingeschalteten Fernseher vorbei. Fasziniert blieb ich stehen, hatte ich doch just den Moment erwischt, da William Cohn in gewohnter Disstrack-Manier das Neo Magazin Royale ankündigte. Es ließ mich meinen Hunger vergessen. Jan Böhmermann im Hauptprogramm, das muss man sich doch auch mal geben. Und so sank ich mit einer gewissen musealen Faszination für dieses lineare Programm in den Sessel, um – Premiere für mich – Böhmi im TV zu sehen. Randnotiz: Es vergehen Jahre, in denen ich kein Fernsehen schaue. 2016 ist keines davon, hat doch bereits am Karfreitag das TV-Programm…

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Bemerkungen eines Bandbattlebesuchers

Unlängst hat es mich auf eine „Toys2Masters“-Show verschlagen. Sagt man das so? Oder „Toys2Masters“-Bandbattle? „Toys2Masters“-Contest? Ein Abend, an dem sechs junge Rockbands es krachen lassen und am Ende hoffen, vom Publikum die meisten Stimmen zu bekommen. Sowas. Stattgefunden in der Klangstation am Bahnhof von Bad Godesberg. Auf dem Weg dorthin in einem unterirdisch idiotischen Tunnelsystem verfahren, deshalb den Auftakt vom „Fighting Buddha“-Gig verpasst. Wenn das ein Wettbewerb um den besten Bandnamen gewesen wäre, hier meine Top 5: Blow Of Fate (das wäre auch ein schöner Pornotitel), Bescheuat (ich habe einen einfachen Humor), The Dining Fish (einen sehr einfachen Humor), Gina…

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All der Fragen rote Faden

Vor knapp zwei Jahren, im Mai 2014, habe ich „Shoah“ erstmals gesehen. „Ich bin der festen Überzeugung, dass >Shoah< jeden Zuschauer verändert. Man wird gewissermaßen von >Shoah< markiert“, sagt Regisseur Claude Lanzmann über diesen seinen Film und in meinem Fall kann ich ihm zustimmen: Für mich gibt es ein Davor und Danach, ein Immer-wieder-daran-denken, ein Nicht-mehr-loslassen. Damals schrieb ich: Wie kann ich – 25 Jahre alt und in Deutschland aufgewachsen – nicht längst von diesem Film gehört haben? Wie kann es sein, dass ich ihn bis vor wenigen Tagen noch nicht gesehen habe? Und wie kann es sein, dass “Shoah” weder in…

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Innen und außen

19Am ersten und zweiten Tag dieses Jahres habe ich „Frank“ und „Room“ gesehen. Zwei Abrahamson-Filme. Von beiden kannte ich weder Trailer noch Handlung noch sonstwas. Dass Michael Fassbender und Brie Larson dabei sind, das erzählte man mir. Fassbender spielt einen Band-Frontsänger, der niemals seine überdimensionale Pappmaschee-Maske absetzt. Weder beim Auftritt, noch bei den Proben, noch beim monatelangen Album-Recording. Noch beim Duschen (mutig, für diese Rolle Herrn Fassbender anzufragen). Larson spielt eine Mutter, deren Leben mit ihrem fünfjährigen Sohn sich in einem winzigen Raum abspielt – bis zu einer „Todesszene“, die mir noch lange im Gedächtnis bleiben wird. Der Eine will…

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Von Waffen und Worten

Vor vier Tagen schrieb ich noch über die Angst und gedachte der Attentate von Paris. Zitierte there is no terror in the bang. Schon am nächsten Morgen detonierte erneut eine Bombe in Istanbul. Heute dann hat der Terror Brüssel getroffen – und eine Freundin schreibt mir: „Du hast mich letztens nach dem Sinn des Lebens gefragt. Jetzt frag ich Dich: Wie gehst Du mit all den Anschlägen rund um Deutschland um? Hast du Angst? Ein mulmiges Gefühl? Oder denkst Du nicht drüber nach, wenn du zum Beispiel einen Trip nach Berlin machst? Meidest Du Metropolen und sagst Dir >gut, dass ich…

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Angst vor allen Anderen

„There is no terror in the bang, only in the anticipation of it.“ Das hat Hitchcock gesagt. Bei Terror denke ich an Sprengstoffwesten. Maschinengewehre in zivilem Umfeld. Hitchcock sprach von Schrecken. Von extreme fear. Die Angst, die nicht vom Knall selbst herrührt, sondern von der Erwartung desselben . Die Angst, die man nach den Paris Attacks gespürt hat. Die Angst, die unser master of suspense, De Maiziere, so öffentlichkeitswirksam gestreut hat, dass der schwarzhumorige Hitchcock applaudiert hätte. Eigentlich wollte ich diesen Beitrag (seit Monaten schlummert der Entwurf im Backend) anlässlich der Attentate veröffentlichen. Dann erschien es mir banal und blöd…

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