Cinemathek

HER mit Amy Adams, Scarlett Johansson | Film 2013 | Kritik

Zuletzt aktualisiert am 27. Dezember 2018 um 20:16

Ein Zukunftsszenario, das um die Ecke liegt: In dem von Spike Jonze geschriebenen und inszenierten Sciene-Fiction-Film Her geht es um die Beziehung von uns Menschen – repräsentiert durch Joaquin Phoenix – zu unserer lieben Technik.

Amy Adams und Joaquin Phoenix in dem Film »Her« | Bild: Warner Bros.

Ok, Samantha

Zum Inhalt: Theodore Twombly (Joaquin Phoenix) arbeitet in einer Art Schreibwerkstatt für persönliche Briefe, die professionelle Autor*innen in Auftrag für die Menschen schreiben, denen das Ausdrücken ihrer Gefühle abhanden gekommen ist. Ein empathischer Mann also, dieser Theodore, der Anderen seine einfühlsame Ader leiht. Doch privat ist er einsam und traurig – frisch getrennt von seiner Jugendliebe Catherine (Rooney Mara). Als er sich ein neues Betriebssystem installiert, wundert er sich bald über die ausgeklügelte Sprachassistentin Samantha (Scarlett Johansson), die für ihn weit mehr wird, als nur ein verbales Werkzeug…

In der Romanze zwischen Theodore und Samantha gibt es […] keine spöttische Distanzierung und wenn sie das erste Mal Sex haben, wird die in mehr als einer Hinsicht delikate Szene in Jonzes Händen zu einem kleinen Wunderwerk purer Emotion. Spätestens hier ist die auf den ersten Blick so absurd klingende Geschichte ungemein herzerwärmend – und das wiederum liegt nicht zuletzt auch an den Schauspielern.

Björn Becher (Filmstarts)

Mensch, Maschine, Möglichkeiten

Ich habe den Film Her vor wenigen Stunden erst gesehen. Keine Action, viele Worte, eine romantische Liebe zwischen Mensch und Maschine. Die neue Jonzette ist eine einerseits schöne, andererseits beängstigende Geschichte, weil sie ob ihrer tollen, schrägen Lovestory immer wieder vergessen macht: So intelligent und eigenständig dieses Operating System namens Samantha zu sein scheint – so verbirgt sich dahinter doch nur eine völlig maßlose, zugespitzte Art der Datensammel-Wut und Kundenbindung großer Konzerne (passend zum Thema: Der Google-Film Prakti.com aus demselben Jahr).

Ich untertreibe. Der Film Her macht mir richtig Angst, denn er spielt in einer Zukunft, die ich erleben werde. Und die mir näher erscheint, als mir lieb ist. Wie es Jonze und seinem großartigen Ensemble an Schauspieler*innen gelingt, die Vereinsamung der Figuren höchst glaubwürdig zu schildern, macht mich fertig. Das könnte ich sein. Irgendwann.

Randnotiz: Scarlett Johanssons Stimme sollte viel öfter eingesetzt werden – in der Bahn, im Wartezimmer, Wetterbericht, am Flughafen, Anrufbeantworter… sooo schön (auch zu hören in dem Antimations Isle of Dogs, übrigens). Ebenfalls schön ist die musikalische Untermalung in Her, von der Band Arcade Fire, für die Spike Jonze bereits zwei Musikvideos inszeniert hat (The Suburbs, Afterlife).

Hier gibt’s einen Clip, der wundervoll auf den Film Her einstimmt und zugleich einen Blick hinter die Kulissen gewährt:

Fazit zu Her

Kurz: 8/10 Punkte, kleiner Abzug für das bescheidene Ende von Her. Da hätte ich mir etwas mehr Pessimismus und Dramatik gewünscht. Wenn ihr schon so ein tolles Szenario ausbreitet, dann spinnt die Geschichte doch bitte weiter!

Nachtrag: Inzwischen – im Winter 2018 – sehe ich der Zukunft entspannter entgegen. Es ärgert mich sogar ein bisschen, dass der Fortschritt nicht schneller kommt. Wenn ich jetzt »Ok, Google« sage, horcht mein Handy neben mir zwar auf, kriegt aber noch nicht viel mehr auf die Kette, als mich ans Wäsche-Raufholen zu erinnern oder wen anzurufen. Auf die geistreichen Konversationen warte ich noch – vorfreudig. Denn ehrlich gesagt, steckt in dem massiven Ansammeln und Nutzen von Big Data nicht viel mehr Potential als bloße Gefahr?

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