Aktuelles Erfahrungsbericht Poetry Slam

SpokenWordClub mit Filmemacher Tobias Schmutzler

Das vierte Mal im Club Bahnhof Ehrenfeld – und das letzte Mal vor dem Staffel-Finale, um es im Serienjargon zu sagen. Der SpokenWordClub rollt auf die Sommerpause zu! Diese traurige Tatsache wurde gestern Abend geschickt mit einem Comedy-Special überspielt. Das Motto der Show: »Wünsche«. Dafür hätte kein besserer Talkgast gefunden werden können: Zwischen lauter lustigen Künstlern stellte Filmemacher Tobias Schmutzler das Ausnahme-Projekt Robin – Watch for wishes vor.

Bunteste Show im buntesten Club

Erstmal ein Update zum Upgrade: Der Backstage-Bereich des Club Bahnhof Ehrenfeld mausert sich zu einem wirklich hübsches Plätzchen! Anfang des Jahres war’s noch ein trostloses Loch mit schwach glimmender Funzel, deren bisschen Licht von den schwarzen Wänden wie von Todessern absorbiert wurde. Schon nach der April-Ausgabe des SpokenWordClubs konnte ich die krassen News von der neuen Glühbirne verbreiten, die dort jemand angebracht hat. Seitdem sah man auch die beiden Sessel in der Ecke, schön, schön.

Atemberaubend, zum Glück

Doch JETZT stieg die bunteste Show Deutschlands (als welche der SpokenWordClub weit über Kölns Grenzen hinaus inzwischen bekannt ist) im buntesten Club Deutschlands – zumindest hinter den Kulissen. Denn die Wände dort haben einen neuen Anstrich bekommen, vom Künstlerkollektiv GuapoSapo. Wohin man sieht, sagenhaft abstruse Gestalten und Messages, alles nach dem Motto »kindness is gangster«. Sehr nice! Rund um die Bühne unterm Brückenbogen geht es kontrastreich los mit weißer Kunst auf schwarzem Grund. Im Backstagebereich hingegen sind die Farbtöpfe explodiert! Und hach, was so Farbe doch ausmacht! Es war immer noch stickig wie im Pumakäfig, die Luft zu dick zum Schneiden, aber umgeben von so großartiger Malerei war man eh seines Atems beraubt.

Schauspieler Jesse Albert und Filmemacher Tobias Schmutzler beim SpokenWordClub

Der Club Bahnhof Ehrenfeld feiert 2018 übrigens schon sein achtjähriges Bestehen! Gli-Gla-Glückwunsch, du geiler Schuppen!

Die Minuten vor der Show waren wie immer eine Show für sich. Beim letzten Mal verzauberte Moderator Jesse Albert die Künstler hinter der Bühne noch mit seinen Kartentricks. Gestern wurde Jesse selbst ein ums andere Mal verblüfft. Er lernte das »Jugendwort« binge-watchen (und dass man es mit Filmen nicht macht!) und was Delfine, Affen und Geparden mit seinem Wesen zu tun haben. Letzteres war ein Psycho-Trick, den uns der SpokenWordClub-Stammrapper und Best Opener of All Times Dan O’Clock näher gebracht hat. In Schritt 1 soll man sein Lieblingstier, sein Zweit- und dann sein Drittlieblingstier nennen. Schritt 2 möchte ich an dieser Stelle nicht verraten; nur, dass es bei mir Laubfrosch, Baumfrosch und Erdkröte waren. Weiter im Text:

Comedy-Special – mit Comedy!

Den Auftakt zum Comedy-Special machte jemand Lustiges! Und zwar jemand, der in fünf Monaten zurückkehren wird, in den Club Bahnhof Ehrenfeld: Jan van Weyde! In seinem Auftritt gestern Abend hat uns der Stand-up Comedian, Synchronsprecher und Familienvater einen kleinen Vorgeschmack auf sein Soloprogramm gegeben, das am 28. Oktober auf derselben Bühne zu sehen sein wird. Immer wieder herrlich, wenn junge Väter ihre Lebenserfahrungen pointenreich aufbereiten.

Doch noch witziger als van Weydes Töchterchen-Death-Metal-Stories waren seine Beobachtungen zum deutschen Synchron-Sprech, einer Sprache für sich. Ich hab mich schlappgelacht und werde nie wieder Jamie Oliver auf Deutsch sehen können (was klappen dürfte, da ich dem Koch nicht mal auf Englisch zuschaue, weil, na ja, frei nach J.K. Simmons in Whiplash: »not quite my topic«).

Premiumquatsch in Buchform

Auf Jan van Weyde folgte Friedemann Weise. Der poetische Klang des vorausgegangenen Satzes ist vermutlich der Grund für die Reihenfolge im Line-up. Friedemann jedenfalls, ebenfalls Comedian, mutete dem Publikum eine Lesung zu. Mit dabei hatte er sein neues Buch Die Welt von Sicht aus schräg hinten: Premiumquatsch, das sein Lektor liebevoll das »Prädikat: Klolektüre« gab. Carolin Kebekus nennt es: »Todeslustig!« Tatsächlich waren die literarischen Schnipsel von Friedemann Weise ziemlicher lustiger Tobak. Manche Pointe war ein bisschen zu tiefsinnig für mich, aber das ist kein Maßstab. Nebst Lesung gab Weise noch Musik zum Besten, skurril und voller Energie, ein perfekter Übergang –

– zu noch mehr Musik. Den Special-Edition hin oder her, der SpokenWordClub wäre nicht die bunteste Show Deutschlands, wenn’s keine Abwechslung gäbe. So gehörte die Bühne nach den beiden Comedians erst einmal Darius Zander aka DARI. Genau, eben den Kölner Musiker, der es auf die Titelseite des Express geschafft hat, als Songwriter des neuen WM-Hits von Adel Tawil. Vor kurzem war Darius Zander noch mit Mo-Torres on stage, dem Kölner Rapper, der im März den SpokenWordClub als Talkgast beehrte.

10 Millionen Dollar vs. 10 Cent

Apropos Talk: Dazu wurde dieses Mal die große Leinwand heruntergefahren. Moderator Jesse Albert interviewte den Filmemacher Tobias Schmutzler, der einen bildgewaltigen Trailer zu seinem neuen Projekt mitgebracht hat. Es geht um den Spielfilm Robin – Watch for Wishes , der nach Hollywood-Maßstäben ein Budget von 10 Millionen Dollar gefressen hätte. Tobias und sein Bruder Kevin Schmutzler waren extra in Los Angeles, um sich das vorrechnen zu lassen. Obwohl sie so viel Kohle nicht hatten, hielten sie an ihrem Traum fest und produzierten in Südafrika und Deutschland den Film, der jetzt frei verfügbar auf YouTube zu sehen ist, noch bis zum 19. Mai.

Kevin und Tobias Schmutzler – zwei Brüder, ein krasses Projekt

Der Clou: Zahlreiche Beteiligte haben für Kevin und Tobias Schmutzler auf ihre Gage verzichtet und die Auswertung dient einem guten Zweck. Wer sich den Film mit Schauspieler Aiden Flowers (bekannt aus The Big Short) in der Hauptrolle anschaut, sorgt dafür, dass Sponsorengelder in Spendentöpfe fließen. Jeder View bringt 10 Cent für die DKMS, die McDonalds Kinderhilfe und das SOS Kinderdorf. Weitere Infos zu dem außergewöhnlichen Projekt – einem »social impact Film« – findet sich auf Wikipedia. Einen Eindruck vom Trailer sowie die anderen Highlights des Abends findet ihr im…

Video zum SpokenWordClub im Mai:

Schluss mit lustig

Weiter ging’s mit Comedy. Micha Marx erzählte aus seiner Kindheit und von seinem Werdegang als Künstler, sehr unaufgeregt und sachlich – und doch ziemlich unterhaltsam, auch dank der Leinwand schräg hinter ihm. Darauf visualisierte Marx seine Anekdoten mit kleinen Kunstwerken aus eigener Hand. Wer sich einen Eindruck von seinem markant-verschrobenen Stil machen möchte, ist auf seiner Facebook-Seite gut aufgehoben.

Und es geht kein SpokenWordClub über die Bühne ohne einen Besuch der Herren von RebellComedy (sind doch alle eine große Familie, die lustigen Kleinkünstler aus Köln und Umgebung). Dieses Mal mit dabei: Benaissa und, als Überraschungsgast, Khalid Bonouar. Perfekter Abschluss für ein Comedy-Special.

Aus Köln, mit Liebe

Die nächste Ausgabe des SpokenWordClub findet am 8. Juni 2018 statt. Das ist vor der Sommerpause die letzte Gelegenheit, sich diese Perle der Kleinkunst-Programme zu geben, also behaltet die SWC-Website im Blick! Da gibt’s Infos, Tickets, Fotos, Filmchen, Hashtags, Buttons, Impressum, alles, einfach ALLES. Made with ♥ in Cologne, Germany.

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