Aktuelles Film

Wie gewinnt man den 99Fire-Films Award?

Zuletzt aktualisiert am 31. Januar 2018 um 6:01

Von Donnerstag bis Montag steigt wieder die eine Fünf-Tage-Woche des Jahres, die sich nicht wie alle anderen anfühlt. Die 99Fire-Films Award Woche. Wenn der Startschuss fällt – eher ein Pling! im Posteingang – dann laufen die 99 Stunden. An deren Ende steht ein fertiger Film, soweit geschliffen, wie die Zeit es zuließ. Fühlt sich gut an, als hätte man was geschafft. Mehr jedenfalls, als nach vielen anderen Fünf-Tage-Wochen. Warum ist das so?

Kreativität in Grenzen

Kreativität kennt keine Grenzen. Das klingt schön, ist aber Quatsch. Kreativität braucht Grenzen, um sich beweisen zu können. Denn eine Kreation ist etwas Eigenes, auch eigenartig aus den Umständen heraus entstanden. Wenn mir alle Mittel und Zeit der Welt zur Verfügung stehen, baue ich den Eiffelturm nach, Schraube für Schraube, kein Ding. Erst, wenn mir eines von beidem rationiert wird, Mittel oder Zeit, dann werde ich kreativ, schraube am Material, an der Größe, der Bauweise. Vermutlich wird es nicht mehr eins zu eins der Eiffelturm, was dabei rumkommt, dafür etwas Eigenes. Darin liegt die eigentliche Herausforderung. Nicht im noch so gigantischen Abklatsch.

James Cameron hat das verstanden. Der Regisseur, der mit „Titanic“ im Jahr 1997 den erfolgreichsten Film aller Zeiten schuf, konnte sich viel Zeit lassen, um nachzulegen. Diesem Mann scheinen alle Mittel der Welt zur Verfügung zu stehen. Wo bleibt da die Spannung? Also kreiert Cameron eine andere Welt, eine eigene, entwickelt die Filmtechnik gar weiter, um seine Visionen zu ermöglichen. Mit „Avatar“ muss er 12 Jahre nach seinem Welterfolg erst höchstselbst wieder um die Ecke kommen, um „Titanic“ in Sachen Kassenschlager zu toppen.

Man muss kein Cameron sein

Kreativität kennt also Grenzen. Konventionelle Grenzen – ein Tag hat nur so und so viele Stunden, ein Jahr nur so und so viele Tage, wir alle leben in solchen Grenzen – solche werden von den ganz großen Kreativen gesprengt. Sie setzen sich ihre eigenen Grenzen, wollen selbst über die Grenzen ihrer eigenen Lebensspanne hinaus noch wirken.

Hier geht es weder um die ganz großen Kreativen, noch um konventionelle Grenzen. Der 99Fire-Films Award steckt eine unkonventionelle Grenze von 99 Stunden, in denen ein Film von 99 Sekunden Spieldauer gedreht werden soll. Um innerhalb dieser Grenze etwas in Bewegung zu setzen, ist der Preis mit 9.999 Euro dotiert – das motiviert so manche. Die ersten 99 Stunden nach der Abgabe machen schon einen interessanten Eindruck von den 99 Stunden davor. Erste Filme werden prompt hochgeladen und diskutiert, Chancen werden abgewogen und die große Frage ist natürlich:

Mann mit Brille schreit

Wie gewinnt man den 99Fire-Films Award?

Es gibt kein Rezept dafür, natürlich. Selbst die vermeintliche 99Fire-Films Gewinner-Formel „Herz schlägt Humor“ gibt nur zwei wichtige Zutaten vor, sagt nichts über Zubereitung und Mengenverhältnis. Bei aller Kritik handelt es sich immer noch um einen Wettbewerb, bei  dem irgendwas zwischen 200 und über 7000 Teilnehmer ihre Filme einreichen (die Informationen über Teilnehmerzahlen rangieren von widersprüchlich bis unglaubwürdig, aber YouTube-Uploads sprechen für sich). Dabei kommen vielfältige Ergebnisse herum, die auf eine alljährlich neu zusammengewürfelte Jury treffen, mit ein bisschen Promi-Faktor. Wer da wie viel zu sehen kriegt und zu sagen hat, das bleibt im Dunkeln.

Nachfolgend also ein paar Tipps, wie man es wenigstens bis in die Top 99 schafft. In aller Kürze: Bereite dich gut vor. Das 99Fire-Films Thema wird am Donnerstag um 13 Uhr veröffentlicht. Doch wer von dem Punkt an bei Null beginnt, erstmal eine Geschichte ausknobelt, ein Team sucht, einen Drehort auskundschaften, eine Kamera kauft… bei der Formel 1 geht’s an der Startlinie los, nicht in der Box.

#startthefire früh genug

Technik. Alles andere ist egal, wenn du keine Technik hast. Dabei geht’s nicht um den neusten Shit, 4K, 360 Grad, Drohnen, gar nicht mehr so neu, im Gegenteil, man sieht den Film vor lauter Style nicht mehr. Am Ende kommt’s auf die Technik nicht an – nur ganz ohne geht’s nicht. Also leg dir was zurecht. Ob filmfähige DSLR oder ein modernes Handy, gute Bilder zu erzeugen ist die kleinere Herausforderung. Nicht zu unterschätzen: Sorge für ein Stativ oder ein Schulterrig oder irgendeine Vorrichtung, um halbwegs ruhige Bilder zu erzeugen. Aber das wichtigste: Guter Ton.

Das heißt meistens externer Ton, der nicht von der Kamera eingefangen wird, sondern von einem Mikrofon. Für kleines Geld kaufen, für ein paar nette Worte leihen und testen, wie es funktioniert, wie es sich anhört, das gesprochene Wort vor deiner Kamera. Wenn du keine Lösung für guten Ton findest, gibt es immer noch einen Kompromiss: Verzichte auf das gesprochene Wort. Eine ganze Filmepoche ist ohne Ton klargekommen, du schaffst das auch. Aber vergiss die Kamera nicht.

Team. Film ist Teamwork. Ausnahmen gibt es, keine Frage, auch beim 99Fire-Films Award, tolle Animationsfilme und One-Man/Woman-Shows aus einer Hand – aber mit einem kleinen Trüppchen treuer Freunde erhöhst du deine Chancen gewaltig. Bevor also der Startschuss fällt, finde ein kleines Team. Wer hilft hinter der Kamera mit? Bestenfalls sogar: Wer möchte vor der Kamera agieren? Via Facebookgruppen ist es heute nicht mehr schwer, Gleichgesinnte zu finden, Filmfreunde und Schauspieler. Falls dein eigener Kreis keinen Cast hergibt, trau dich, Schauspieler/innen anzuschreiben und zu fragen: Habt ihr an diesem Wochenende schon was vor? Schlimmstenfalls fängst du dir eine Absage ein. Bestenfalls ist das „der Beginn einer wunderbaren Freundschaft“…

99Fragen: Womit? Wer? Wo? Was? …

Drehort. Schön und gut, wenn ihr mit Team und Technik am Tisch sitzt und auf das Thema wartet. Noch besser, wenn dieser Tisch bereits in einer Location steht, die etwas cooler ist, als deine Küche. Natürlich müsst ihr nicht schon dort sitzen – aber du könntest dich vor dem Startschuss umhören: Welche Drehorte stehen im Umkreis von x Kilometern zur Verfügung? Heißt: Wo darf/kann man drehen? Ein Drehort kann alles sein, deshalb suche nach etwas Ausgefallenem. Eine tolle Kulisse. Das ist Kreativitätsförderung durch Eingrenzung: Wenn du schon weißt, mit welcher Technik und mit welchen Leuten du an welchem Ort drehst, dann hast du mehr Energie, dir im Rahmen dieser Grenzen eine großartige Story zu überlegen. Denn darauf kommt es an. Die Idee. Damit gewinnt man noch am ehesten – Aufmerksamkeit, die Herzen des Zuschauer, den 99Fire-Films Award… dies und das.

Story. Wenn die Idee also so wichtig ist, warum nicht auch die schon vorbereiten? Weil das Thema doch erst um 10 Uhr am Donnerstag veröffentlicht wird. Ja, stimmt. Aber das 99Fire-Films Award Thema lautet meist nicht „Die Auswirkungen der Panama Papers auf das deutsche Finanzwesen im Jahr 2016“, sondern eher „Geld“. Put a Schein in your pocket. Hauptsache, ihr habt Bares. Wir zahlen’s einfach. Irgendwie sowas.

Die Wahrscheinlichkeit, dass du eine wirklich tolle Idee einem Thema „überstülpen“ kannst, ist hoch. Kann natürlich grandios schiefgehen. 2016 wollte ich unbedingt etwas mit einer Schulklasse zum Überthema „Flüchtlingskrise“ machen und habe das Awardthema – „Hauptsache, ihr habt Spaß“ – ziemlich bescheiden da rein gehämmert. So nicht. Aber wenn du ein, zwei, drei Ideen schon vor dir liegen hast, bist du vor der totalen Kreativblockade gefeit, die beim Faktor Zeit immer eine reale Gefahr sind.

Chancen und Gift

Finaler Tipp. Wenn man irgendeine allgemeingültige Aussage zum 99Fire-Films Award treffen kann, dann vielleicht diese hier: Der Film sollte dem Hauptsponsor zumindest nicht missfallen, wenn er gewinnen will. Im 10-Jahres-Rückblick „Die Magie des 99Fire-Films“ werden die Gewinnerfilme in den Kontext mit den jeweiligen Hauptsponsoren der verschiedenen Jahre gestellt. Da lässt sich sowas wie ein Muster erkennen. Heißt aber nur: Wenn das Thema – wie im Jahr 2017 – „Da gibt’s doch was…“ lautet, und man damit sofort einen gewissen Pharma-Hersteller assoziiert, dann sollte man vielleicht keinen Film über einen Gifttod drehen, wie wir es gemacht haben. Keine Ahnung, wer in diesem Jahr der Hauptsponsor des Festivals ist. Vielleicht findet ihr es bis zum Drehstart heraus. Und dann behaltet einfach im Hinterkopf: Der Film sollte die Unternehmensphilosophie oder -message dieses Sponsors bestenfalls unterstreichen, aber wenigstens nicht katapultieren.

Wichtiger aber: Der Film sollte zu deiner eigenen Philosophie oder Message passen. Wenn das geschaffene Werk auch über die 99 Stunden und den ganzen Award-Zirkus hinaus etwas ist, auf das du stolz bist, dann hat es sich gelohnt. Du kannst den Film immer noch online präsentieren oder bei anderen Filmfestivals einreichen, also #startthefire.

Ein Video zum Blogbeitrag gibt’s hier:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.