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WAS IST SELBSTERKENNTNIS? · einfach erklärt | Philosophie

Erkenne dich selbst. Diese Formel zur Selbsterkenntnis zierte den Apollotempel von Delphi. Das ist ein Ort in Griechenland, den man in der Antike für die Mitte der Welt hielt. In diesem Tempel lag ein besonderer Stein, der »Omphallos«, der als der »Nabel der Welt« ihren genauen Mittelpunkt markierte. Wenn das antike Griechenland als Wiege der abendländischen Philosophie die Selbsterkenntnis sozusagen zur heiligen Hausordnung erhob, dann darf man wohl behaupten, daß Selbsterkenntnis zweifelsohne »das höchste Ziel philosophischen Fragens«, wie Ernst Cassirer schreibt. Heute möchten wir mal schauen, welche Antworten die letzten rund 2.500 Jahre seither so hervorgebracht haben.

Auf der Suche nach dem Selbst

Dieser Beitrag entstand auf Grundlage des Kapitels Die Krise der Selbsterkenntnis aus Ernst Cassirers Versuch über den Menschen (1944).

Das Gemälde »The Creation of Adam«, dazu die Frage: Was ist Selbsterkenntnis?
Die Erschaffung Adams von Michelangelo Buonarroti.

Der Philosoph Ernst Cassirer (1874-1945) bezeichnete die Selbsterkenntnis im Sinne eines Ziels aller Philosophie in seinem Versuch über den Menschen als den »archimedischen Punkt« unseres Denkens. Gemeint ist damit jener von dem Mathematiker Archimedes entdeckte Dreh- und Angelpunkt, durch den ein mechanischer Hebel funktioniert.

Gebt mir einen festen Punkt, und ich hebe die Welt aus den Angeln

Archimedes

Ob sich mit der Selbsterkenntnis gleichermaßen die Welt in ihren Grundfesten erschüttern lässt? Und wo überhaupt nach Selbsterkenntnis suchen? Draußen in der Welt oder drinnen in uns?

Innen und Außen

Einerseits ist die Introspektion (also der Blick nach innen) elementar, um Emotionen und Gedanken und andere Phänomene unseres Bewusstseins überhaupt erleben zu können. Ohne Introspektion scheint Selbsterkenntnis unmöglich.

Andererseits beschränkt sich der Blick nach innen nur auf ein Individuum, ein einzelnes Persönchen – oder mit Cassirer – »ein ärmliches, bruchstückhaftes Abbild«, ein bloßer »Torso von der Natur des Menschen«. Die Mischung macht’s. Aspekte beider Blickrichtungen tragen bei zur Antwort auf die Frage: Was ist Selbsterkenntnis? Und wie gelingt Selbsterkenntnis?

Inwendig lernt kein Mensch sein Innerstes
erkennen. Denn er mißt nach eignem Maß
sich bald zu klein und leider oft zu groß.
Der Mensch erkennt sich nur im Menschen, nur
das Leben lehret jeden was er sei.

Johann Wolfgang von Goethe, in: Torquato Tasso (1790)

Höhlenmenschen

Biologisch betrachtet scheint der Ursprung aller menschlichen Selbsterkenntnis in der Außenwelt zu liegen. Homo sapiens ging hervor aus an Land gekrochenen Lebensformen. Diese entwickelten sich stetig weiter und wandelten durch von der Außenwelt beeinflusste Mutationen über Jahrmillionen und Generationen vielfach und facettenreich ihre Gestalt.

Einige dieser Gestalten, die aus dem Prozess hervorgingen, waren haarige Wesen auf zwei Beinen, die sich infolge äußerer Bedingungen in Höhlen verkrochen. Irgendwann im Laufe der letzten Kaltzeit – die vor rund 110.000 Jahren begann und vor etwa 10.000 Jahren endete – muss jene evolutionäre Mutation stattgefunden haben, die zu einer winzigen Verschiebung im Hirn dieser Höhlenbewohner*innen führte. Der Historiker Yuval Noah Harari nennt es die »kognitive Revolution« – nicht zu verwechseln mit der kognitiven Wende (cognitive revolution) im 20. Jahrhundert – und datiert sie auf etwa 70.000 Jahre vor unserer unserer Zeit. Durch diese winzige Verschiebung ist Selbsterkenntnis, wie sie der Mensch heute kennt, überhaupt erst möglich geworden. Die Veranlagung war nach Millionen von Jahren endlich vorhanden.

Seine ersten Schritte zu einem geistigen und kulturellen Dasein könnte man als Handlungen bezeichnen, in denen gleichsam eine mentale Anpassung an die unmittelbare Umwelt vollzogen wird.

Ernst Cassirer, in: Versuch über den Menschen, S. 18

Diese ersten Schritte zu einem geistigen und kulturellen Dasein könnte man auch als Handlungen inszenieren, die von A wie Aasfressen bis Z wie Zerstörung die kognitive Revolution in einer Szene zusammenfassen. Das ist Stanley Kubrick in 2001: Odyssee im Weltraum (1968) gelungen. Hier ist die berühmte Szene:

The Dawn of Man

Der Blick nach innen

Die nach außen gerichtete Lebensbetrachtung wird mit dem Aufkommen des Bewusstseins ergänzt durch den Blick nach innen. Anfangs ganz ahnungslos und unbeholfen. Doch diese neue Blickrichtung gewinnt an mehr und mehr Bedeutung, je weiter die geistige und kulturelle Entwicklung des Menschen voranschreitet. »Die natürliche Neugier« ändere allmählich ihren Fokus, so Cassirer mit Verweis auf frühe Kulturen.

In den frühen mythologischen Erklärungen des Universums finden wir stets eine urtümliche Anthropologie [Lehre vom Menschen] unmittelbar neben einer urtümlichen Kosmologie [Lehre von der Welt]. Die Frage nach dem Ursprung der Welt ist hier unauflösbar verwoben mit der Frage nach dem Ursprung des Menschen.

ernst cassirer, in: versuch über den menschen, s. 19

Frühe Philosophen

Zu diesen frühen Kulturen zählt die griechische Antike, in der sich schließlich ein entscheidender gedanklicher Wandel vollzog.

Vorsokratische Philosophie

Anfangs galt alle Aufmerksamkeit der antiken Philosophie in Griechenland dem Kosmos, also der Frage: Was ist die Welt? Wie lässt sich sie erklären, verstehen, ordnen? Dabei brachten verschiedene Denkschulen ganz eigene Konzepte hervor, von der logischen und der mathematischen Philosophie bis hin zur Naturphilosophie. Man ordnet diese Denkschulen der »vorsokratischen Philosophie« zu, wie sie noch vor Sokrates betrieben wurde. An der Grenze zwischen dem kosmologischen und dem anthropologischen Denken (also dem Grübeln über den Menschen) sieht Cassirer den vorsokratischen Philosophen Heraklit mit seiner Überzeugung, die Rätsel der Natur seien nicht zu lösen, ohne die Geheimnisse des Menschen offenzulegen. Von Heraklit stammt der Ausspruch:

Ich durchforsche mich selbst | ἐδιζησάμην ἐμεωυτόν

Doch diesen Gedanken brachte besagter Sokrates erst »zu voller Reife« (Cassirer) und machte ihn zur Methode. Mit Sokrates verlagerte sich der Fokus der Philosophie also vom Kosmos und der Natur ringsum auf den Menschen und sein Wesen.

Sokrates: Was ist Selbsterkenntnis?

War bis dato die Philosophie vor allem ein Monolog einzelner Köpfe und ihrer Gedankengänge, bevorzugte Sokrates gemeinsame Spaziergänge – und den Dialog. Einmal führte ihn einer dieser Spaziergänge, mit seinem Schüler Phaidros, raus vor die Stadttore Athens. Doch mochte die Landschaft dort draußen noch so schön sein, Sokrates stellte fest:

Ich bin eben lernlustig. Die Felder und die Bäume nun wollen mich nichts lehren, wohl aber die Menschen in der Stadt.

Sokrates, in: Phaidros [414]

Nur im Gespräch mit dem Menschen lässt sich etwas erfahren über den Menschen. Auf diesem Grundsatz beruht die dialogische Philosophie von Sokrates. In ihm entpuppt sich der Mensch als ein Geschöpf, das immerzu seine eigene Existenz hinterfragt. Noch in einem seiner »letzten Atemzüge« sozusagen, während der Verteidigungsrede kurz dem Todesurteil gegen ihn, erklärt Sokrates:

Ein Leben ohne Selbsterforschung verdient es gar nicht gelebt zu werden.

Sokrates, in: Des Sokrates Verteidigung [30]

Platon und Aristoteles

Viele Dialoge von Sokrates und auch seine Apologie (die Verteidigungsrede) sind uns durch seinen Schüler Platon überliefert, dessen umfangreiches schriftliches Werk der Nachwelt zu einem großen Teil erhalten geblieben ist. Platon entwickelte die Philosophie weiter und verlagerte alle Möglichkeit zur Erkenntnis ins Transzendentale (lat. transcendere = überschreiten). Das heißt, an einen Ort, der nicht durch unsere Sinne zu erschließen ist, sondern nur durch unseren Geist. Dieser Ort ist das »Reich der Ideen«. (Hier geht’s zu einem Beitrag über Platons Ideenlehre – zum Verständnis hilft auch Platons Höhlengleichnis.) Auf Platon folgte Aristoteles.

Auch Aristoteles ist davon überzeugt, daß wissenschaftliche Erkenntnis durch den Akt der Wahrnehmung allein nicht möglich ist.

ernst cassirer, in: versuch über den menschen, s. 17

Dennoch verwirft dieser die Trennung zwischen Sinnes- und Ideenwelt seines Lehrers Platons. Als Biologie ist Aristoteles versucht, die Erkenntnis nach der Funktionsweise der Natur zu begreifen. In der Natur entwickeln sich, nach dem Verständnis von Aristoteles, alle höheren Lebensformen aus den niederen – und so verhalte es sich auch mit der Erkenntnis. Fähigkeiten wie Sinneswahrnehmungen und Gedächtnisleistung, Vorstellungskraft und Vernunft sind »verschiedene Ausdrucksformen ein und derselben Grundtätigkeit, die zwar beim Menschen ihre vollkommene Ausbildung erreicht, an der aber in gewisser Weise auch die Tiere und alle anderen Formen organischen Lebens Anteil haben« (Cassirer).

[Angesicht dessen, wie beschränkt der Mensch nach wie vor ist, sei die »Vollkommenheit« unserer Vernunft mal dahingestellt. Vielleicht ist die Frage »Was ist Selbsterkenntnis?« ja noch nichts für Menschen, sondern für höhere Formen des (an)organischen Lebens der Zukunft.]

Die letzte Ursache

Aristoteles ging vom teleologischen Prinzip aus (Teleologie ist die Lehre vom zweckorientierten Leben) und betrachtete als die Ursache oder das Wesen jedes Dinges dessen ihm innewohnenden Zweck. Er baldowerte verschiedene Ursachen-Arten aus, deren Zusammenspiel sich auch in biologischen Abläufen widerspiegelte – zumindest, wie sie Aristoteles‘ antiker Vorstellung nach funktionierten.

So soll ein Lebewesen aus dem Samen des Männchens geprägt werden, während das Weibchen – selbst keinen Samen beisteuernd – dieses Lebewesen austrägt. Im ersten Buch von De generatione animalium schreibt Aristoteles dem Samen eine immateriell formende Kraft zu. Dieser stellt somit die causa finalis (letzte Ursache) dar. Die Frau trägt dagegen nur den Stoff bei.

Bernd Friedrich, in: Naturwissenschaftliche Erklärungen und teleologisches Denken, S. 621

Lesetipp: Für einen etwas aktuelleren Forschungsstand zum Thema Fortpflanzung (von 1949 immerhin) empfehle ich den Blogbeitrag: Das schwache Geschlecht: Schicksal oder Mythos? | Bio mit Beauvoir.

Die Philosophie von Aristoteles – mit den höheren Lebensformen, die aus niederen hervorgehen – erinnert jedenfalls stark an die Theorie eines anderen Denkers, der erst über 2.000 Jahre später auf den Plan trat: Mr. Charles Darwin. Seine Lehre lädt ein zu einer neuen Betrachtung der alten Frage: Was ist Selbsterkenntnis?

Zwischen Affen und A.I.

Wagen wir den Zeitsprung. Charles Darwin brach im 19. Jahrhundert zu seinen Reisen auf. Während Aristoteles sich auf ausgeklügelte Interpretationen stützte, setzte Darwin auf materielle Zeugnisse – und die sind ja in Form von Lebewesen ringsum und Fossilien im Erdboden zuhauf vorhanden.

Eines der wichtigsten Ziele von Darwins Werk war es, das moderne Denken von der Illusion der letzten Ursache zu befreien. Wir müssen versuchen, den Aufbau der organischen Natur allein aus materiellen Ursachen zu verstehen, andernfalls können wir gar nichts verstehen.

ernst cassirer, in: versuch über den menschen, s. 40

Das heißt auch, den Zufall als eigentlichen »Architekten« anzuerkennen. Dieser wirkt ganz ohne Masterplan, sondern durch Mutationen und viele Millionen von Jahren. Doch ist gleichsam zur Natur auch die Kultur des Menschen aus einem Prozeß hervorgegangen, der im Tiere begann? Soll etwa all unser kulturelles Schaffen ebenso bloß ein zweckfreies Zufallsprodukt sein? Um darüber Kenntnisse zu gewinnen, müssten unsere »Triebkräfte klassifiziert und systematisiert werden« (Cassirer). Nun glaubten viele, diesen Triebkräften bereits auf die Spur gekommen zu sein: Es sei die Machtgier (Nietzsche), der Sexualtrieb (Freud), der wirtschaftliche Wille zur Bereicherung (Marx). Allein, ein gemeinsamer Nenner bleibt aus. Ebenso eine klare Antwort auf die Frage: Was ist Selbsterkenntnis?

Den Ariadnefaden finden

Cassirer bezeichnet die »Unversöhnlichkeit der Ideen« als eine »innere Bedrohung für unser ethisches und kulturelles Leben insgesamt«. Er verweist auf den Mitbegründer der philosophischen Anthropologie des 20. Jahrhunderts, Max Scheler (Die Stellung des Menschen im Kosmos) und dessen berühmten Ausspruch vom Menschen, der sich noch nie »so problematisch geworden [ward] wie in der Gegenwart.« Scheler schrieb dies in den 1920er Jahren, Cassirer seinen Versuch über den Menschen in den 1940er Jahren.

Nie zuvor war, was die Quellen unseres Wissens vom Menschen angeht, ein Zeitalter in einer günstigeren Position als das unsere. […] Unsere technischen Hilfsmittel zu Beobachtung und Experiment sind unendlich verbessert worden, und unsere Analysen sind präziser und schärfer als früher. Gleichwohl hat es den Anschein, als hätten wir noch keine Methode gefunden, dieses Material zu meistern zu zu organisieren.

ernst cassirer, in: versuch über den menschen, s. 45
Verloren im Datenmeer

Diese Gedanken Ernst Cassirers lesen sich in den späten 2010er Jahren mit einem stummen Kopfnicken. In den Zeiten von Algorithmen und Big Data haben wir mehr Zahlen und Zeugnisse denn je und doch noch keine Ahnung vom Wesen des Menschen. Denn »Tatsachenreichtum erzeugt nicht notwendigerweise Ideenreichtum«, wie Cassirer in weiser Voraussicht schreibt. Sein Appell, einen Ariadnefaden zu finden, der uns durch die »Masse unverbundener, zusammenhangloser Daten« führt, ist ein faszinierender Bogenschlag von der griechischen Antike in die Gegenwart.

Der Ariadnefaden

In der griechischen Mythologie war Ariadne eine kretische Königstochter. Sie gab dem Helden Theseus, als dieser sich in das Labyrinth des Minotaurus begab, einen Faden mit auf den Weg – damit der junge Mann wieder hinausfinde. Heute wird diese Methode noch von Höhlentaucher*innen und Feuerwehrleuten angewandt. Auch in der Umgangssprache ist der Ariadnefaden der Idee nach als »der rote Faden« erhalten geblieben, den wir uns in Geschichten wünschen oder in Gesprächen zuweilen verlieren. (Der literarischen Herkunft nach wird die Redewendung oft auf Goethes Wahlverwandtschaften zurückgeführt.)

Einen »roten Faden« brauchen wir also, damit wir uns in der Datenmasse nicht verlieren. Mit diesem Gedanken schließt Ernst Cassirer das erste Kapitel seines Versuch über den Menschen von 1944 ab. Nun ist aus der von ihm beschworenen Datenmasse heute ein schier gigantisches Meer geworden.

Was ist Selbsterkenntnis?

Manche Menschen (mich eingeschlossen) ärgern sich manchmal darüber, wenn Andere vorgeben, eine Antwort auf die großen Fragen des Lebens zu haben. Einfache Antworten, wie sie Religionen geben – Geschichten. Umso erschrockener mag man reagieren, wenn ein Philosoph vom Kaliber eines Ernst Cassirer verkündet:

Der Mensch besitzt kein »Wesen« – kein einfaches, in sich geschlossenes Sein; er ist eine seltsame Mischung aus Sein und Nicht-Sein. Sein Platz ist zwischen diesen beiden einander entgegengesetzten Polen. Deshalb gibt es nur einen Zugang zu seinem Geheimnis: die Religion.

ernst cassirer, in: versuch über den menschen, s. 30

Die Religion behaupte niemals, das Geheimnis des Menschen zu klären; sie bekräftige und vertiefe es vielmehr, so Cassirer. Die Religion sei keine »Theorie« über Gott, den Menschen und ihre Wechselbeziehung; die Religion gebe lediglich die Antwort: der Wille Gottes – und somit der Wahrheit über unser Wesen – sei es, sich zu verbergen.

Was glaubst du?

Und so lädt eine Religion dazu ein, die Geschichte vom »verborgenen Gott« zu glauben – so wie eine ambitionierte TV-Serie wie Westworld dazu einlädt, die Geschichte vom »werdenden Gott« zu glauben. Jenes Gemälde, das diesen Blogtext als Beitragsbild ziert, Die Erschaffung Adams, kommt auch in Westworld vor. Darin wird auf das interessante Detail hingewiesen, dass der rechte Bildbereich, aus dem heraus Gott, umgeben von etwaigen Engeln und Musen, seinen Arm Richtung Adam ausstreckt – dass eben dieser Bildbereich doch sehr dem menschlichen Gehirn und Schädel ähnele, in seiner Form. Wollte Michelangelo andeuten, dass die Schöpfungsgeschichte nicht auf Gott zurückgeht, sondern die menschliche Vorstellungskraft? Oder das Gott uns selbst innewohnt? Ein spannender Gedanke. Abschlussbemerkungen:

In seiner Schrift Politeia sagt Platon, die Wahrheit in die Seele eines Menschen zu pflanzen, das sei genauso unmöglich, wie einem blinden Menschen die Sehkraft zu geben. Nun, in Letzterem macht die Forschung beeindruckende Fortschritte.

In der ersten Staffel von Westworld wird – für mein Empfinden – ziemlich glaubwürdig, sorgfältig und kunstvoll darstellt, wie eine Maschine (gespielt von Evan Rachel Wood) durch das Ansammeln und Zusammenbringen von Erinnerungen zu Selbstbewusstsein gelangt. Vielleicht doch kein menschliches Alleinstellungsmerkmal mehr, wenn die Erschaffung von A.I. weiter fortschreitet.

Zitate zum Thema Selbsterkenntnis

Du warst gar nicht auf der Suche nach einem end- und ergebnisloser Blogbeitrag über Selbsterkenntnis, sondern einfach nach ein paar netten Zitaten zum Thema? 🙃 Bitteschön.

Aha-Erlebnisse
sind kleine Meilensteine
auf der Entdeckungsreise des eigenen Selbst.

Helga Schäferling, Sozialpädagogin · Quelle

Willst du dich selber erkennen, so sieh, wie die Andern es treiben. Willst du die Andern verstehn, blick‘ in dein eigenes Herz.

Friedrich Schiller, in: Tabulae Votivae (1797)

Mit sich selbst ist man nicht immer in der vornehmsten Gesellschaft.

Wilhelm Busch · Quelle

Wer sich selbst in die Augen sieht, findet vielleicht einen Menschen darin.

Anke Maggauer-Kirsche, Aphoristikerin · Quelle

Bei einem gewissen Stande der Selbsterkenntnis und bei sonstigen für die Beobachtung günstigen Begleitumständen wird es regelmäßig geschehen müssen, daß man sich abscheulich findet.

Franz Kafka, in: Tagebücher (1915) · Quelle, die auch über Kafkas Frauenbild informiert

Man muß sich selbst erkennen. Wenn das nicht helfen sollte, das Wahre zu finden, so hilft es wenigstens dabei, sein Leben einzurichten, und es gibt nichts Richtigeres.

Blaise Pascal, in: Blaise Pascal: Biographie eines Genies (2006), S. 422

Verwirrungen
Verirrungen
vielleicht ist es
der Weg zu dir selbst.

Irina Rauthmann, Aphoristikerin · Quelle

Alle Menschen streben von Natur nach Wissen; dies beweist die Freude an den Sinneswahrnehmungen, denn diese erfreuen an sich, auch abgesehen von dem Nutzen, und vor allen anderen die Wahrnehmungen mittels der Augen. Denn nicht nur zu praktischen Zwecken, sondern auch wenn wir keine Handlung beabsichtigen, ziehen wir das Sehen so gut wie allem andern vor, und dies deshalb, weil dieser Sinn uns am meisten Erkenntnis gibt und viele Unterschiede offenbart.

Aristoteles, in: Metaphysik [980a21]

Fußnoten

  1. Friedrich, Bernd: Naturwissenschaftliche Erklärungen und teleologisches Denken. Eine Analyse des Verhältnisses zwischen evolutionsbiologischen Deutungsmustern und dem aristotelischen Konzept des Naturprozesses. In: Über Darwin hinaus?! Die unabgeschlossene Geschichte des naturwissenschaftlichen Fortschritts. Bonn 2010.

Autor

David Johann Lensing, geboren in Bocholt (1989), gelernt in Köln (Medienkaufmann), gearbeitet als Videoproduktioner, Kameramann und Redakteur. Seit jeher begeisterter Schreiber, Filmer, Fotograf – und als solcher habe ich mich schließlich selbständig gemacht. Außerdem blogge, lese, zeichne ich gern und studiere an der FernUni Hagen: Philosophie, Geschichte, Literaturwissenschaft.

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