Cinemathek

PHOTOKINA 2018 mit Laura Zalenga, Shawn Bu & Co.

Zuletzt aktualisiert am 17. Dezember 2018 um 11:53

Die Revolution begann genau hier. Das hat der britische Filmemacher und Digital-Video-Trainer Philip Bloom vergessen zu erwähnen, als er die Frage ans Publikum richtete: Wann kam die erste video-fähige DSLR-Kamera heraus und brachte die DSLR-Revolution ins Rollen? Gemeint war die Nikon D90, eine klassische Spiegelreflex-Kamera mit der Funktion, Filme zu drehen. Ganze 10 Jahre ist es her, dass dieser Komet einschlug. Vorgestellt wurde die Nikon D90 der Öffentlichkeit 2008 eben dort, wo Bloom am Freitag, 28. September sprach. Auf der photokina 2018 in Köln, der internationalen Leitmesse für Fotografie – hier ein paar Eindrücke.

Mensch, Technik!

Ein paar Eindrücke wohlgemerkt, die ich aus der Not heraus mit dem Smartphone festgehalten habe… apropos:

Eine andere Revolution war es rückblickend, gegen den jener Komet im Jahr 2008 wie ein Hagelkorn wirkt. Pünktlich zur Jahrtausendwende kam das erste Handy mit integrierter Kamera auf den Markt. Diese Innovation entfaltet ihre volle Wucht erst seit einigen Jahren – nicht nur unter Menschen mit Film und Fotografie als Hobby, sondern sämtliche Smartphone-Nutzer*innen betreffend (= ziemlich viele). Das hat einen massiven Rückgang im Verkauf digitaler Kameras zur Folge und sorgt für Druck auf die Herstellerfirmen. Sie müssen abliefern, beeindrucken, Aufmerksamkeit heischen. 2018 soll vorerst das letzte Mal gewesen sein, in dem die photokina im 2-Jahres-Turnus die Fachwelt auf einem Fleck versammelt. Denn schon 2019 findet sie wieder statt – und fortan jährlich, so der Plan.

Models und Fotograf*innen auf der photokina 2018 in Köln
Models und Fotograf*innen auf der photokina 2018 in Köln

Totale: Die photokina im Zusammenhang

Historischer Kontext

In der Anfangszeit wurde die photokina noch unregelmäßig abgehalten – zum ersten Mal im Jahr 1950. Ursprünglich initiiert von Bruno Uhl, dem Präsidenten des Fotoverbandes, im Rahmen der »Bilderschauen«. So der Titel einer Foto-Ausstellung, die der Sammler und Publizist Leo Fritz Gruber viele Jahre lang kuratierte.

Neben den technischen Innovationen der Photoindustrie wurden in den Bilderschauen die kulturellen und gesellschaftlichen Leistungen des Bildmediums herausgestellt.

Deutsche Gesellschaft für Photographie e.V., in: Photokina – The Early Years 1950-1956

Diese Bilderschau erreichte zwischenzeitlich Rekordgröße, oder vielmehr: Rekordlänge. Vom Messegelände aus erstreckte sich die Bilderschau im Jahr 1988 über 1.300 Meter bis hin zum Museum Ludwig in Köln. Das reichte fürs Guinness-Buch der Rekorde. Um die Kölner Bevölkerung dann 20 Jahre später fotografisch verstärkt zu mobilisieren, ließ sich die Stadt Köln einiges einfallen.

Im September 2008 waren alle Besucher der Stadt eingeladen, sich mit dem Thema Bild zu beschäftigen oder selbst fotografisch aktiv zu werden. Der Erfolg gab den Veranstaltern recht: Nahezu alle in Kooperation mit Kölner Unternehmen und Institutionen durchgeführten Workshops, Foto-Shootings, Foto-Stadtführungen waren ausgebucht, die vielen Fotoausstellungen sehr gut besucht.

Photoindustrie-Verband, via Prophoto: 175 Jahre Fotografie – Geschichte der photokina

Hinweis: Eine ausführliche Chronik zur photokina in Köln findet sich auf der Website der Prophoto GmbH. 

Persönlicher Kontext

2008 war zufällig auch das Jahr, seit dem ich erstmals zur Kölner Bevölkerung zählte. In den ersten Monaten meines Köln-Kapitels schrieb ich eine Kolumne für die Tageszeitung meiner Heimatstadt, nach dem Motto »Landei trifft Großstadt«. Im Rahmen dieser Kolumne besuchte ich 2008 zum ersten Mal die photokina.

Zu der Zeit war ich schon angefixt in Sachen Filmemachen und besonders beeindruckt von den fetten DV-Camcordern, die Canon und Co vorstellten. High Definition Video war da gerade im Kommen, 4K noch ganz fern (möchte sagen: unscharf) am Horizont. Von besagter Revolution, der ersten video-fähigen DSLR-Kamera Nikon D90, bekam ich leider nix mit. Stattdessen knipste ich noch fröhlich mit meiner Nikon D50 herum und probierte erstmals eine Hasselblad aus dem H-System aus.

Impression von der photokina 2008:

Close-up: Die photokina 2018 im Fokus

Erster Eindruck 

Nach einem morgendlichen Filmemacher-Plausch im Kaffeesapiens marschierte ich am Freitag also bis Oberkante Unterlippe voll mit Koffein vom Charles-de-Gaulle-Platz rüber zum Haupteingang des Kölner Messegeländes. Lange nicht mehr dort gewesen, war mein erster Eindruck: Köln, ey, geht’s noch? Von dem gigantischen Bauprojekt MesseCity hatte ich bis dato nichts mitgekriegt. Soll mal richtig schön werden. Irgendwann. Gegenwärtig schlängelt man sich an einem Bauzaun entlang aufs Messegelände.

Auf Einladung von Canon überhaupt zur photokina 2018 gekommen, steuerte ich erst einmal pflichtbewusst deren Stand an – und landete mitten im Vortrag von Nicolai Brix, der seinen Weg von der Fotografie zur Filmerei schilderte. Damit sprach der Kameramann quasi zur direkten Zielgruppe, die Canon für sein neues spiegelloses Vollformat-System begeistern möchte, Canon EOS R. Auf der photokina konnte man die neue Kamera erstmals unter die Lupe nehmen. Doch in mir pumpt zu wenig Early-Adopter-Blut, als dass ich da hinterher war. Interessanter schien mir die Ausstellung zur abgerockten Canon-Ausrüstung gestandener Fotograf*innen in verschiedensten Gefilden. Von Vogelfotografie in der tiefsten Wildnis bis zur Sportfotografie am Spielfeldrand.

Shawn Bu behind the Scenes

Einziger fester »Termin« der photokina 2018 war für mich der Vortrag von Shawn Bu auf der Motion Stage. Den wollte ich gezielt sehen. Gerichtet an »die nächste Generation von Filmemachern«, tatsächlich aber vor einem erstaunlich grauhaarigen Publikum. (Und ja, ich hab selbst erste graue Härchen, aber ich zählte trotzdem zu den Jüngeren dort.) Shawn gab Einblicke in den Produktionsprozess einiger Projekte, die er in vergangenen Jahren mit verschiedenen Teams so umgesetzt hat. Am bekanntesten ist davon wohl Darth Maul: Apprentice (2016), mit inzwischen über 17,5 Millionen Views auf YouTube.

Während ich immer gerne predige, man solle sich Grenzen abstecken und innerhalb dieser (finanziellen oder sonstigen) Grenzen die eigene Kreativität austoben, war Shawns erste Ansage:

Setzt euch keine Grenzen.

ShAwn Bu

Massiv inspiriert vom George-Lucas-Universum hat der 32-jährige Filmemacher den eigentlichen Reiz am Medium voll verinnerlicht: Man kann eben alles möglich machen. Mit mehr oder weniger Aufwand. Genau wie die kreativen Köpfe hinter der Webserie Wishlist (2016-2018) ist Shawn durch die »Autodidakten-Schule« gegangen und hat das DVD-Bonusmaterial unzähliger Filme studiert.

Gut vorbereitet an die Arbeit

Wichtigste Lektion an sein Publikum auf der photokina 2018: Vorbereitung ist alles. Er zeigte Moodboards und Planskizzen aus verschiedenen Vorproduktions-Stufen seiner Projekte und pochte auf reaktionsfreudige Gemüter. »Filmemachen besteht zu 90 Prozent aus dem Lösen von Problemen«, so Shawn. Sympathisch. Hier geht’s zur Website seiner neuen Produktionsfirma RAW MIND Pictures.

Aus Rückfragen aus dem Publikum, wie er sein Team und die Drehgenehmigungen bei vergleichsweise kleinem Budget zusammenbekomme, war die Antwort bestechend simpel: Einfach fragen, schlimmstenfalls ein »Nein« kassieren und woanders nochmals fragen. Es helfe ungemein, schon Visuelles zum Projekt vorzeigen zu können – und seien es nur erste Skizzen. Shawn nutzte dazu Kontakte zu künstlerisch begabten Kommilitoninnen aus seinem Kommunikationsdesign-Studium an der FH Aachen.

Bleibender Eindruck

Überraschendes Highlight war für mich ein Vortrag des eingangs erwähnten Philip Bloom, dem Digital-Video-Trainer, den wohl jede*r Vimeo-User*in mit ein wenig filmischen Ambitionen kennen dürfte – von den Philip Bloom Reviews & Tutorials. Gerade noch hatte ich auf dem Messestand der Fotografin Laura Zalenga bei der Arbeit zugesehen (hier geht’s zu ihrem beeindruckenden Portfolio), dann wurde der Filmemacher Philip Bloom plötzlich angekündigt.

Die Fotografin Laura Zalenga mit dem Model Nadine.
Die Fotografin Laura Zalenga mit dem Model Nadine.
Kameramann Philip Bloom auf der photokina 2018
Kameramann Philip Bloom auf der photokina 2018

Die Umbaupause zu seinem Vortrag überbrückte eine Schwertkampf-Choreographie mit dem Samurai-Künstler Tetsuro Shimaguchi (bekannt als »Miki« aus Quentin Tarantinos Kill Bill: Volume 1). Philip Bloom ließ schließlich die digitale Revolution in Sachen Video-DSLR seit 2008 Revue passieren und schilderte seine Arbeitsweise, stets mit konkretem Equipment-Bezug. So dankbar ich Canon für den kostenlosen Eintritt zur photokina 2018 bin – am Ende hat mich der Messestand von Sony doch am meisten beeindruckt. Seit 5 Jahren bin ich zufrieden mit meinen Canon-Kameras unterwegs, überwiegend im Filmbereich. Nach diesem Messebesuch allerdings möchte ich jedoch gerne mal ein wenig Erfahrung mit Sonys Alpha-Reihe sammeln.

Menschen und Momente

Aber was soll der Nerdkram hier? Technik ist schließlich nur das Mittel zum Zweck. Was vor der Linse steht, das zählt. Zwischen den Messehallen landete ich in einer Ausstellung zu dem Projekt Atlas of Humanity – eine Reihe von Porträts aus aller Welt, die mich ziemlich gefesselt haben. Wie wundersam Gesichter doch sind, dachte ich mal wieder, und wie sehr so ein fremdes Augenpaar einen in seinen Bann ziehen kann.

Atlas of Humanity auf der photokina 2018

Am Abend und zum Ausklang meines Besuchs der photokina 2018 wohnte ich noch der Preisverleihung des Deutschen Jugendfotopreis bei – veranstaltet vom Deutsches Kinder- und Jugendfilmzentrum, als Pendant zum Deutschen Jugendfilmpreis, der dieses Jahr in Hildesheim verliehen wurde. Hier geht’s zu den Preisträger*innen des Jugendfotopreises samt ihrer Arbeiten, die auf der photokina ausgezeichnet wurden. Vorweg betonte die Staatssekretärin Juliane Seifert in ihrer Ansprache die Begabung, die darin liege, besondere Blickwinkel einzunehmen oder Momente einzufangen. Ein schönes Schlusswort, eigentlich, für diese bildgewaltige Messe.

Staatssekretärin Juliane Seifert bei der Verleihung des Deutschen Jugendfotopreises
Staatssekretärin Juliane Seifert bei der Verleihung des Deutschen Jugendfotopreises
Cosplayerin auf der photokina 2018
Wir wundersamen Menschenwesen – hier eine Cosplayerin auf der photokina 2018

Fazit zur photokina 2018

Auf der photokina verschmelzen Mensch und Technik miteinander. Es ist faszinierend, wie urtümlichste Gesichter dieselben staunenden Blicke auf sich ziehen, wie der modernste Kamerakram. Natur und Kultur in perfekter Symbiose. Wie schade wäre es um all die Schönheit, ließe sie sich nicht festhalten, wie schauerhaft der Schrecken, wenn er völlig im Dunkeln läge? Bilder sind wichtig. Die photokina 2018 hat einmal mehr neue Möglichkeiten aufgezeigt, solche Bilder aufzuzeichnen – von kleinsten Action-Cams bis hin zu wuchtigen Kinokameras.

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