Cinemathek

THE DISTURBANCE – RUHESTÖRUNG von David Sarno | Kurzfilm 2010

Zuletzt aktualisiert am 2. Dezember 2018 um 16:59

Heute möchte ich einen jungen deutschen Filmemacher und eines seiner frühen Werke vorstellen, das mich sehr beeindruckt hat – entdeckt beim Strolchen durch Vimeo. Es geht um den Kurzfilm The Disturbance – Ruhestörung.

Der Schauspieler Beat Wittwer im Kurzfilm The Disturbance – Ruhestörung

So wie der erste Eindruck über einen Menschen meist bei dessen Anblick nach nur wenigen Sekunden fällt (passend zum Thema: Der Chatroulette-Kurzfilm Noah), so spielt beim ersten Eindruck über ein Webvideos eine tragende Rolle… das Thumbnail. Irgendein Frame aus dem Gesamtwerk, das die flüchtig Stöbernden innehalten lässt. Mein Interesse hat dieses Standbild gewonnen:

Kurzfilm #1: Schreibtischtäter

Vater, Tochter, Tatendrang

Was hat sie da im Mund? Zu wem schaut sie hoch? Erste Assoziationen rufen eine Rollenspiel- oder Kidnapping-Situation hervor… und beide liegen gar nicht falsch. Dieses Standbild stammt aus dem Kurzfilm Schreibtischtäter (8 Minuten, 2012), den ich mir vor kurzem angeschaut habe. Die verrückte Geschichte eines Vaters, der sehr seltsame Sachen mit seiner Tochter anstellt. Ein schräger, selbstbewusst inszenierter Film – wer steckt dahinter? Drehbuch, Regie, Schnitt und Musik stammen von David Sarno.

Nachtrag: Inzwischen hat dieser Filmemacher eine Homepage, auf der man ein bisschen was über seinen Hintergrund erfährt – etwa, dass er 1982 in Offenbach am Main geboren wurde. An der dortigen Hochschule für Gestaltung absolvierte er ein Studium der visuellen Kommunikation (Fachbereich Film und audiovisuelle Medien). Inzwischen – 2018 – arbeitet er als freischaffender Autor, Regisseur und Filmemacher. Mehr über David Sarno gibt’s auf dessen Portfolio.

Über das Vimeo-Profil von David Sarno stieß ich schließlich auf dessen 12-minütigen Kurzfilm The Disturbance – Ruhestörung. Hier zu sehen:

Kurzfilm #2: The Disturbance – Ruhestörung

Auf Socken durchs Schauerhotel

Hinterm Steuer weicht ein Mann (Axel Hartwig) in den Schlaf ab. Wir sehen ihn nur alle paar Sekunden im Scheinwerferlicht entgegenkommender Fahrzeuge. Dann versinkt er wieder im Schwarz. Opernmusik begleitet diesen Einstieg und beschwört die mystische Stimmung herauf.

Der müde Reisender kehrt in einem schlossartigen Hotel ein, um doch noch etwas Schlaf zu tanken. Zahlreiche Gäste sitzen im Foyer. Niemand von ihnen macht einen Mux. Hotelangestellte schleichen auf Socken daher. Als der Reisende das Foyer betritt, schallt jeder seiner Schritte durch das halligen Raum. Seine Stimme durchbricht das Schweigen: Er möchte ein Zimmer für eine Nacht. Der Hotelier begegnet ihm in aller gegebenen Freundlichkeit – und damit beginnt der Irrsinn… Aus der Reihe schräger gestalten sticht dieser Hotelier wirklich hervor. Gespielt wird er von dem Schweizer Schauspieler Beat Wittwer.

Fazit zu The Disturbance – Ruhestörung 

Wittwers eindringlicher Blick, seine zerbrechliche Stimme, seine enorme Präsenz sind für mich das Highlights des Films, dessen Look den Charme eines Edgar-Wallace-Streifens aus den 60ern versprüht. Hier stimmt alles: Kamera, Ausstattung, Sounddesign (dieser Sarno scheint eine Vorliebe und ein Talent fürs Spiel mit auditiven Elementen zu haben) muten stimmig und professionell an. Technisch einwandfrei geht das Werk vor allem mit einer sehr markanten Handschrift daher.

Natürlich liegen Gedanken an David Lynch nahe, doch ich könnte mir vorstellen, David Sarno würde ganz andere Einflüsse und Vorbilder nennen – wenn überhaupt. Ich bin gespannt, was dieser spannende Storyteller uns in Zukunft noch für Geschichten beschert!

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