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PARKED – GESTRANDET mit Colm Meaney | Film 2012 | Kritik, Review

Zuletzt aktualisiert am 31. Juli 2018 um 20:02

»Verwirrung ist nicht notwendigerweise eine unehrenhafte Bedingung.« Eine Notiz zwischen Herbstblättern und Seemöwen. Damit wird der Film Parked – Gestrandet eröffnet, obwohl die Geschichte da schon erzählt ist. Der vom Leben gebeutelte Brillenträger Fred ist vom Fahrersitz auf die Parkbank gewichen und schaut zu, wie sein Mazda vom Greifarm des Abschleppwagens gepackt wird.

Ohne Dach und doppelten Boden

Was wir in der folgenden Rückblende über Fred erfahren, ist wenig: Seit er aus England zurück ist, wohnt er in dem an der irischen Küste geparkten Wagen. Ohne jede Hoffnung, dass seine Situation sich bessern könnte. Weil das für eine Story nicht reicht, tritt schon nach 10 Minuten des kurzweiligen Dramas der 21-jährige Cathal auf und rechtfertigt die mögliche Logline: »Mann, der in seinem Auto wohnt, freundet sich mit Junkie an.« Cathal wird Freds »Nachbar«, der mit ihm heitere und harte Momente teilt.

Dieser Beitrag erschien zuvor im Filmmagazin Schnitt.

Parked – Gestrandet ist ein 2011 in Irland erschienenes Drama, geschrieben von Ciaran Creagh. Regie führte Darragh Byrne. Es handelt von Obdachlosigkeit, Freundschaft und dem Willen, Widrigkeiten zu überstehen, ohne das Selbstvertrauen einzubüßen. Mehr über die kritische Rezeption des Films findet sich auf der englischen Wikipedia-Seite. In Deutschland lief der Film am 29. November 2012 in den Kinos an.

Schauspieler Colm Meaney am Schwimmbeckenrand, Standbild aus: Parked – Gestrandet | Bild: Dualfilm

Ein unbeschriebenes Blatt

Darragh Byrne ist ein ähnlich unbeschriebenes Blatt wie das Herbstlaub in Detailaufnahme zu Beginn seines Debütfilms. Abgesehen von ein paar TV-Serien und Einsätzen als Cutter ist seine IMDb-Bio noch schlank. Bei Google stolpert man zuerst über die Homepage von Darragh Byrne, dem Videografen für Hochzeitsvideos. Man kann nicht ausschließen, daß es sich bei dem Videographen und dem Parked-Regisseur um dieselbe Person handelt. Das macht – denn Online-Recherche ist das Maß aller Dinge – Byrne zu einem neuen Licht am Kinohorizont. Erst einmal genießen die Zuschauer*innen aber die Freiheit, Parked – Gestrandet ohne großen cinematografischen Kontext zu betrachten.

Behutsame Charakterstudie

Auch die Parallelen zum ebenfalls irischen A Film With Me In It (2008) hinsichtlich Soundtrack, Farbe und Humor zerschlagen sich: Darragh Byrne und Ciaran Creagh gelingt eine Charakterstudie, die ihre Hauptfigur beobachtet, statt sie zu sezieren. Wer ist dieser Mann, der sich nicht traut, vom Einmeterbrett zu springen, der ganz plötzlich brutal sein kann, sich wie ein Vater kümmert und aus der Göttlichen Komödie zitiert?

Daß der Fokus zuweilen von der Hauptfigur abrückt auf Cathal, liegt an Colin Morgans eindrucksvoller Performance eines Junkies mit starkem Akzent und schlechten Zähnen. Kritiker*innen behaupten, er spiele Colm Meany in den Schatten, doch damit werden sie dem Film nicht gerecht. Die Figuren bedingen einander, die Geschichte lebt von der Interaktion. Ohne Fred wäre Cathal nur ein hoffnungsloser Suchti, und ohne Cathal, der Fred aus seiner Muschel lockt, würden wir über den Einsiedlerkrebs gar nichts erfahren.

Fazit zu Parked – Gestrandet

Es gibt Leseratten, die sich der Filmkunst mit dem Argument verweigern, das bewegte Bild lasse keinen Platz für Fantasie. Bei diesen aussichtslosen Diskussionen kommt eine Filmperle wie Parked gerade recht. Was gibt es Schöneres als nach einer spannenden Geschichte mit dem Gefühl zurückgelassen zu werden, bloß eine Ahnung davon zu haben, in wessen Leben man da hinein lünkern durfte? Im Kopf habe ich die Ahnung längst zu einer konkreten Idee ausgebaut… aber die Unsicherheit bleibt.

»Verwirrung ist nicht notwendigerweise eine unehrenhafte Bedingung.« – hat Derrida das gesagt?

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