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A FILM WITH ME IN IT mit Mark Doherty, Dylan Moran | Film 2008 | Kritik, Review

Zuletzt aktualisiert am 31. Juli 2018 um 17:26

Zum Abschluss des heutigen Videoabends gab’s (mal wieder) die irische Parade tödlicher Zufälle zu sehen: A Film With Me In It von Ian Fitzgibbon. Nach mittlerweile 4 Sichtungen dieses Films fallen mir zunehmend – trotz seiner kurzen Laufzeit – seine Längen auf. Trotzdem liebe ich den Humor. Aus gegebenem Anlass also eine Rezension zu dem Werk, die ich vor Jahren für das Filmmagazin Schnitt geschrieben habe.

Forensik ist für ’n Arsch

Schauspieler Dylan Moran in einem Standbild aus A Film With Me In It

Ab dem Midpoint gibt es kein Zurück mehr, predigt Robert McKee in seinem STORY-Seminar. Angehende Drehbuchautor*innen lernen, die Mitte des zweiten Aktes mit einem dramatischen Ereignis für ihre Protagonist*innen auszuschmücken. Der oder die Held*in ist am persönlichen Tiefpunkt angelangt und merkt, dass die eigene Taktik geändert werden, beziehungsweise (in diesem Falle) überhaupt reagiert werden muss. Mark Doherty – Drehbuchautor und Hauptdarsteller von Ian Fitzgibbons A Film With Me In It – hat seine Hausaufgaben gemacht. Exakt die Mitte des Films ist erreicht, als seine Figur Mark zum Lexikon greift und das Wort »Unfall« nachschlägt: Ein unbeabsichtigter Vorfall, bei dem Sachen oder Menschen zu Schaden kommen. Oder Tiere. Die zweite Hälfte der haarsträubenden Geschichte verbringt Mark mit dem Versuch, die unglaubwürdige Reihe von Unfällen, die sich bis dahin ereignet hat, wie eine glaubwürdige Reihe von Unfällen aussehen zu lassen – und er scheitert grandios.

Hilflos im Chaos

In seinen Gesprächen mit François Truffaut sprach Alfred Hitchcock gern über seine Freunde, »die Wahrscheinlichkeitskrämer« und meinte damit jene Kritiker*innen, die seine Thriller nach logischen Aspekten aufdröselten. Eben diese Kritiker*innen würden A Film With Me In It bei aller Selbstironie in der Luft zerreißen, denn hier spielt der (dumme) Zufall eine bemerkenswert große Rolle. Doch dahinter steckt keine Einfallslosigkeit, sondern der Clou der Films. Man erinnere sich an einen Sketch aus Monty Python’s Flying Circus: Da wird ein Mann gebeten, in einem Zimmer kurz auf den Gastgeber zu warten und binnen weniger Minuten ist die Einrichtung zerstört und ein Zimmermädchen tot – ohne, dass besagter Mann einen Finger gerührt hat.

Dessen Hilflosigkeit gegenüber der Situation, darin liegen der Witz der Szene und die Schwierigkeit, diese Idee auf Spielfilmlänge abzufeiern. Denn über anderthalb Stunden bietet eine derart unbeteiligte Hauptfigur (so überzeugend der Schauspieler Doherty den lethargischen Mark auch zum Besten gibt) nicht genügend Antrieb, um das Publikum bei Laune zu halten. Dessen war sich der Autor Doherty allerdings bewusst: Ein*e aktive*r Gegenspieler*in muss her.

Erhöhtes Loser-Potential

Auftritt Pierce. Dem Stereotyp eines erfolglosen Drehbuchautors – versoffen, vercheckt und natürlich voller Ideen – wird von Darsteller Dylan Moran eine markante Note hinzugefügt. Bereits in Shaun Of The Dead (2004) stellte er sein Loser-Potential unter Beweis. Als Nachbar und späterer Komplize von Mark entwickelt er sich zusehends zum Katalysator für die Geschichte. Dieser droht allzu oft die Luft auszugehen. Gerade gen Ende wird die Logik mit Einverständnis der Zuschauer*innen – die sich am kongenialen Spiel des Darstellerduos ergötzen dürfen – komplett über Bord geworfen. Leider hat die deutsche Synchronisation Dylan Moran seines nervösen Stotterns über weite Strecken beraubt. Dennoch sorgen seine Sprüche und Einfälle als Katastrophenmanager für die meisten Lacher in dieser schwarzhumorigen Komödie.

Fazit zu A Film With Me In It

Obwohl sich die düstere Atmosphäre schon aus dem Zusammenspiel der beiden Frontmänner in ihrer dummen Situation ergibt, wird sie auditiv (von einem zuweilen aufdringlichen Score) und visuell von Kameramann Seamus Deasy wenig subtil unterstrichen: Er hat dem Film mit seinen kontrastreichen, in schwarz versinkenden Bildern und einer Kamera deren Schräglage sich nach den schrägen Wendungen richtet, einen eigensinnigen Look verpasst. Doch nichtsdestotrotz oder gerade deshalb: Auch wenn man dem Kammerspiel-artigen Debütfilm des irischen TV-Regisseurs Ian Fitzgibbon sein geringes Budget ansieht, ist er diesen Blick für Freund*innen des derben Humors auf jeden Fall wert. Kurz: 7/10 – hat trotz seiner Kürze seine Längen, aber die Stellen dazwischen sind echt lustig! Sofern dein Humor schwarz genug ist…


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