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MURDER PARTY von Jeremy Saulnier | Film 2007 | Kritik

Zuletzt aktualisiert am 4. Februar 2019 um 22:21

Der amerikanische Regisseur Jeremy Saulnier hat sich inzwischen mit harten, düsteren Thrillern einen Namen gemacht – wirklich: Genrefilme vom Feinsten. Doch sein Regie-Debüt war noch ein wunderbar unperfekter Rohdiamant namens Murder Party, weniger Thriller als Slasher-Komödie. Beim Slamdance Film Festival in Park City, Utah gewann dieses Erstlingswerk im Jahr 2007 den Publikumspreis.

Opfer und Täter in dem Film »Murder Party«

Zufällig zur »Murder Party«

Zum Inhalt von Murder Party: Christopher ist einsamer Mann, den nicht einmal seine Katze ernst nimmt. An Halloween wird ihm auf dem Heimweg zufällig ein Zettel vor die Füße geweht. Es handelt sich um eine Einladung zu einer »Murder Party«, »Komm allein!«, heißt es darauf. Kurzerhand bastelt sich Christopher ein Ritterkostüm aus Pappe und erscheint zur verabredeten Zeit am verabredeten Ort – einer abgelegenen Lagerhalle in Brooklyn. Dort findet er auf schmerzhafte Weise heraus, dass »Murder Party« ernst gemeint war: Eine Bande verrückter Kunststudent*innen überwältigen den ahnungslosen Gast. Bald findet sich Christopher gefesselt auf einem Stuhl wieder, während in offener Runde diskutiert wird, wie er sterben soll.

Besetzung · Cast

Christopher S. HawleyChris Sharp
AlexanderSandy Barnett
MaconMacon Blair
PaulPaul Goldblatt
BillWilliam Lacey
LexiStacy Rock
SkySkei Saulnier

Studentin Lexi ist als Replikant aus Blade Runner (1982) verkleidet, der wortkarge Bill als ein Baseball Fury aus The Warriors (1979). Auf dem Weg zur Party kommen Christopher eine »Droogs« entgegen, wie man sie aus Uhrwerk Orange (1971) kennt. Und dann ist da noch die Rede von »this Scorsese film with the guy«, welcher auch immer gemeint sein mag. Murder Party ist ein mit Referenzen gespicktes Werk von Filmfans für Filmfans, voller Herzblut (und Kunstblut). Die Vorspann-Titel wirken schrecklich trashig, fast amateurhaft – und auch im weiteren Verlauf bleibt der Produktionsaufwand spürbar niedrig. Jeremy Saulnier hat den Film nicht nur geschrieben und inszeniert, sondern auch als Kameramann fungiert – ebenso übrigens bei seinem schon deutlich ambitionierteren Folgewerk, dem Rache-Thriller Blue Ruin (2013). Ich hätte mir zuvor gerne noch den Kurzfilm Crabwalk (2004) von Saulnier angesehen, doch der war online nicht zu finden. Warum eigentlich?

Unsere Kurzfilme werden verfügbar sein, sobald wir unsere Website online haben – also irgendwann in den nächsten 20 Jahren.

Jeremy Saulnier im Interview mit Monster Fresh (2008)

Sympathisch. Und so ist auch Murder Party: ein sympathischer, weil leidenschaftlicher Film – da hatten ein paar Kreative spürbar Lust, sich auszutoben. Das Ergebnis ist, trotz einem etwas lahmen Mittelteil, nichts für schwache Nerven und legt besonders gen Ende einiges an Tempo und Blutzoll zu, mit ein paar sehr explizit dargestellten Gewalt-Momenten. Ach, und abschließend eine Randnotiz: Die Figuren sprechen von »dem Internet« noch wie von einem putzigen Tierchen und spielen mit Klapphandys rum – Murder Party ist ein Film der 00er Jahre, eine Zeit, die schon erschreckend weit zurückzuliegen scheint. Mein Lieblingszitat aus dem Film:

Lexi (über das Opfer): Ein weißer Mann, perfekt, bist du Republikaner?
Paul (einer der Studenten/Täter): Mach es nicht politisch, hier geht’s um Kunst!
Lexi: Es gibt nichts politischeres als Kunst.

Autor

David Johann Lensing, geboren in Bocholt (1989), gelernt in Köln (Medienkaufmann), gearbeitet als Videoproduktioner, Kameramann und Redakteur. Seit jeher begeisterter Schreiber, Filmer, Fotograf – und als solcher habe ich mich schließlich selbständig gemacht. Außerdem blogge, lese, zeichne ich gern und studiere an der FernUni Hagen: Philosophie, Geschichte, Literaturwissenschaft.

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