Cinemathek

99Fire-Films Award 2018 – die Top 9

Zuletzt aktualisiert am 1. Dezember 2018 um 18:03

Auch im Jubiläumsjahr nicht anders als sonst: Vergangene Woche wurden die Top 99 des 99Fire-Films Award 2018 veröffentlicht. Also die 99 besten Filme aus insgesamt 3121 Einreichungen. Zumindest wurde eben so vielen 99Fire-Films Teilnehmern gedankt – vielleicht haben die Veranstalter auch Gesichter gezählt, die in den eingereichten Filmen zu erkennen waren. Diese Top 99 jedenfalls boten einen bunten Bilderreigen durch alle Genres und Spielarten des Films. Mit dabei: Angenehm viele Beiträge, die sich kritisch mit dem Hauptsponsor auseinandergesetzt haben. Von Montag bis zum heutigen Mittwoch wurden schließlich die Nominierten bekannt gegeben, die Top 9.

Für besagten Sponsoren ist die Rechnung wohl aufgegangen. Das verbindende Element der meisten 99Fire-Filme in diesem Jahr ist (meist wenig dezentes) Product oder Trademark Placement. Ein bisschen schade ist das schon, weil dieser Kaffeebecher/Burgertüten-Müll so manch wirklich schönen Film verschandelt. Passt einfach äußerst selten gut ins Setting, sowas. Persönlich kann ich mich kein Stück vom Sponsoren-Bauchpinseln freisprechen, im Gegenteil, in unserem Beitrag „Wer zuletzt lutscht“ (hier ein Blogbeitrag über den Film mit der Schauspielerin Anke Sabrina Beermann und dem Bocholter Nachtwächter Florian Sauret) ist die entsprechende Marke durchaus aufdringlich eingebunden. Aber HOLY MOLY OMG – wir sind wieder unter den Top 9! Nominiert für die Kategorie „Bester Film“! Scheiß die Wand an is‘ dat schön.

Schauspielerin Anke Sabrina Beermann und Schauspieler Florian Sauret, dazu der Schriftzug: 99Fire-Films Award 2018 Top 9

Aller guten Dinge

Heute Nachmittag wurden die letzten drei Nominierten bekannt gegeben. Ich freue mich natürlich gigantisch, dass unser Beitrag „Wer zuletzt lutscht“ mitmischt im Rennen um den Award. Zum dritten Mal sind wir damit nun in den Top 9 und fahren nach Berlin, Berlin! Schön die Sohlen über ’n roten Teppich schrubben, während wir in den Admiralspalast einziehen, in Nerz gehüllt, das Ego supersized, Erwartungen himmelüberberlinhoch, das Niveau gerade so niedrig, dass man sich entspannt selbst beweihräuchern kann, eine Nacht lang. Alle guten Dinge sind schließlich drei, right? Zum dritten Mal Top 9, muss doch klappen diesmal, oder?

Am Arsch, die Statistik sagt: Die Chancen auf einen Win sind genau so klein/groß wie beim letzten Mal, da wir unserem Stil treu geblieben sind, wohl eher: so klein. Aber die Hoffnung verhungert zuletzt. Während der Rest der Stadt also Filmkunst feiert, im Rahmen der Berlinale, bejubeln wir die Kommerzialisierung des Kurzfilmformats. Bevor die 99Haters in dieses altbekannte Horn blasen, um den 99Werbe-Films Award seine bloße Existenz vorzuwerfen, möchte ich kurz darauf hinweisen, dass der Kommerz längst auf der Hauptbühne angekommen ist.

„Zwischen Politik, Kunst und Kommerz“,
Deutschlandfunk über die Berlinale 2009

„Zwischen Kunst und Kommerz“,
Deutschlandfunk Kultur über die Berlinale 2011

„Kino, Kunst und Kommerz“,
Frankfurter Rundschau über die Berlinale 2013

„Kunst vs. Kommerz“,
3sat über die Berlinale 2014

Ich könnte noch weitergoogeln, okay, zum letzten Mal, Deutschlandfunk über die Berline 2018: „Man wünschte sich einen künstlerischen Blick auf die Filmauswahl – und weniger Kommerz“. Kommerzialisierung, da kann der Deutschlandfunk jammern so viel er möchte, ist im 21. Jahrhundert allgegenwärtig – und auch ein internationales Filmfestival ist letztlich nur eine große Industriemesse. Du findest das abscheulich? Klar, Captain Obvious, ich bin ganz bei dir. Nächste Woche stehen wir wieder Seite an Seite im Kampf für die Kunstfreiheit im Konsumzeitalter. Aber diese Woche geht halt nicht, wie gesagt,

Berlin, Berlin!

Also rein in den VW Polo und einmal quer durchs Land brettern, um für eine Nacht „Berlinale light“ zu erleben. Boomshakkalakka!

Persönliche Probleme

Kleines Problem, so ungern ich genderstereotype Floskeln raushaue: Ich hab nichts zum Anziehen. Natürlich hab ich WAS zum Anziehen, jede Menge tolle T-Shirts, auf einem steht „bore me more“, auf einem anderen prangt eine riesengroße Ananas, die eine Melone trägt (you know, den Hut) – also für jeden Anlass ausgerüstet, sollte man meinen. Aber nein, die 99Fire-Films Awards (99FFA) Preisverleihung schreibt den Dresscode „Smart Chic“ vor, für den Gang über den roten Teppich. Bei der ersten 99FFA-Preisverleihung vor x Jahren tat’s noch der Abiball-Anzug, bei den darauffolgenden Ausflügen auf die glamouröse Nebenbühne der Berlinale war’s dann der zweite Anzug meines Lebens, der mich begleitete. Und er wäre mir auch in dieser Woche treu geblieben, hätte ich ihn nicht hängen lassen. Daheim, in der Heimat, von der ich weit, weit (zwei Autostunden weit, also zu weit) weggezogen bin. Shit.

Was ist überhaupt „Smart Chic“!? Wenn man einen Dresscode nicht mal googeln kann, ohne eine klare Antwort zu bekommen, dann gibt es ihn nicht. Und ich werde einen Teufel tun, mir anlässlich dieser Sause was Passendes zu kaufen. Ich werde nicht nochmal in Vorkasse gehen, um dann mein „Ihr habt’s wirklich verdient“-Klatschen zu üben und zweitplatziert heimzufahren (eigentlich werden keine Zweit- und Drittplatzierten genannt, ich denke, das heißt, man darf sich selbst im Ranking einsortieren).

Bisher bin ich dreimal für den 99Fire-Films Award nach Berlin gefahren. Dabei wurde ich zweimal in Bielefeld geblitzt (ob es den Ort wirklich gibt, keine Ahnung, die Blitze dort ist jedenfalls real). Einmal tat’s richtig weh. Eigentlich beide Male, das erste Mal finanziell, das zweite Mal wegen dem ersten Mal – wie vercheckt muss man denn sein, Junge!? Worauf ich hinaus will: Die Konkurrenz ist stark, auf Erfolg kann ich nicht kalkulieren, deshalb will ich es sparsam angehen. Keine neue Garderobe für heute Abend.

Top 9 und 10 Cent

Dasjenige Outfit, das im Kleiderschrank meiner neuen Wohnung abhing und noch am ehesten dm Fantasie-Dresscode wie „Smart Chic“ entspricht, hat nur zufällig seinen Weg in mein neues Heim gefunden. In der Requisitenkiste vom letzten Kurzfilmdreh. Eben dem 99Fire-Films Dreh. Genau, es ist die schimmerblaue Antiquarsweste mit der roten Krawatte, die mein Kumpel Manuel vor der Kamera anhatte. Gestatten, dieser heiße Stoff:

Standbild | Wer zuletzt lutscht

Mit ein paar anderen langweiligen Hemden hab ich die Klamotte mal mit in den Kofferraum gepfeffert, heute morgen. Inzwischen bin ich auf der Piste Richtung Berlin, Berlin – und gleich werfe ich ne Münze, ob es vielleicht die dämliche Weste wird, die ich für „Smart Chic“ erkläre. Die Tage gibt’s dann einen Bericht von der diesjährigen Preisverleihung. Bis dahin, hier die Top 9:

Nominiert für „Beste Idee“

 

Nominiert für „Beste Kamera“

 

Außerdem der eindruckvolles Beitrag 1555 | Love Tapes, der auf „nicht gelistet“ eingestellt ist, aber in dieser Playlist angesehen werden kann.

Nominiert für „Bester Film“

Wie gesagt, ich bin on the road already. Ein Nachtrag der Nominierten für „Bester Film“ folgt später. So viel sei verraten: Es ist ein perfekter Werbeclip, eine perfekte Satire und wir dummeln irgendwo dazwischen. Tschööö!

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