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MIT EINER KATZE NACH PARIS von Angelika Glitz | Kinderbuch 2017 | Kritik

Zuletzt aktualisiert am 21. August 2018 um 10:08

Ein kleiner Mäuserich wird von einer Miezedame nach Paris verschleppt. Damit die Katze bloß nicht hungrig wird, gilt es ihr das Maul mit Leckereien zu stopfen. Doch irgendwie scheint ihr Hunger nach dieser süßen Maus nicht abzuklingen. Über das Bilderbuch Mit einer Katze nach Paris von Angelika Glitz und Illustratorin Joëlle Tourlonias.

Was sich liebt, das frisst sich

Meine Eltern haben seit Kurzem Katzenbabys. Für mich ein triftiger Grund, sie mal wieder zu besuchen. Gedacht, geschehen, geflasht. Diese kleinen flauschigen Knutschkugeln hätte ich fressen können. Ein sonderbares, obsessives Gefühl, das eine gewisse Katzendame dazu verleitet, ihr Objekt der Begierde (in diesem Fall eine Maus) nach Paris zu entführen.

Bloggerin Sonia Lensing mit dem Kinderbuch Mit einer Katze nach Paris

Die Liebe ist niemals satt

Zum Inhalt: »Baguette kaufen geht pupsieinfach«, denkt der kleine Mäuserich Ronald. Doch dazu kommt er erst gar nicht. Denn die Dame Miezekatze hat andere Pläne mit dem Mäusezahn. Um sie von ihrem Hunger nach Mauseschmaus abzulenken, kauft Ronald ihr eine Ladung saftiger Sauerkirschen. Das müsste den Katzenmagen erstmal stopfen.

Doch zu früh gefreut. Miezekatze Rosalie verspürt einen unbändigen Löwenhunger nach Delikatessen und süßer Mäuseliebe. Ehe sich Ronald versieht und seine Schwestern alarmieren kann, entführt sie den Kleinen in die Stadt der Liebe, Paris. Kein glücklicher Zustand für Ronald. Doch als sich ihm eine Möglichkeit bietet, der hungrigen Katze zu entkommen, entscheidet er sich anders und überrascht damit nicht nur seine Schwestern. Über Ronalds Reise zwischen Bangen und Hoffen und dem Auskosten der Liebe.

Zur Wirkung des Buchs

Ohne Konflikt kein Drama, kein spannendes Storytelling, kein Spaß. Und Kinder lieben, ja brauchen Spaß. Syd Fields Konflikt-Regel, die wir uns im Fachseminar Drehbuchschreiben für Kinder- und Jugendfilme hinter die Ohren schreiben durften, befolgt auch Angelika Glitz in ihrem neuen Bilderbuch Mit einer Katze nach Paris. Denn was könnte die Luft mehr zum Brutzeln bringen, als die Figuren Katz und Maus, das Traumpaar für Gegensätze. Tom und Jerry ist nicht ohne Grund die meist-ausgezeichnete Trickfilmserie weltweit. Somit gelingt es der Autorin, bereits durch das Buchcover die Kinder neugierig aufs Lesen zu machen. Der erste Schritt zur Leseförderung.

Geschwisterliebe

Ob Geschwister oder dominante Freund*innen, jedes Kind kommt einmal in die Situation, sich behaupten zu müssen. Hätte ich als Kind nicht so einen lieben und verständnisvollen Bruder gehabt, hätte ich jetzt vermutlich auch ein dickeres Fell. (Dafür haben wir jetzt einen Psychologen in der Familie – mit Elefantenhaut.) Dass sich Ronald in Mit einer Katze nach Paris gegenüber seinen älteren Mäuse-Schwestern beweisen will, indem er sich ohne dämliche Warn-Tröte zum Bäcker aufmacht, passt zur kindlichen Lebenswelt. Jüngere Geschwister möchten ernst genommen werden, nicht unter den Scheffel gestellt. So bietet die Eröffnungsszene Identifikationspotential für all jene Kinder, die mit (älteren) Geschwistern aufwachsen.

So geht kindgerechtes Storytelling

Neben dieser lebensnahen Einleitung punktet das Kinderbuch Mit einer Katze nach Paris durch schnelles und kindgerechtes Storytelling. Obwohl das Werk in der Autor*innen-Zeitschrift Federwelt (August 2018) als »Bilderbuch mit viel Text« beschrieben wird, schreibt Angelika Glitz nicht um den heißen Brei herum, ohne langweiliges Blah oder schwierige Wortakrobatik. Stattdessen inszeniert sie den ehrfürchtigen Auftritt der Katzendame direkt auf den Anfangsseiten und treibt beide Figuren zur Aktion an. Ronald muss handeln, sonst könnte Rosalie noch auf die Idee kommen, ihn womöglich zu verspeisen.

Drum lässt die Autorin die beiden Fellwesen in Mit einer Katze nach Paris gemeinsam Kirschen essen, eine Spritztour machen und Paris mit seiner Mona Lisa, dem Eiffelturm und Käse erkunden. Und zwischen den Zeilen hämmert das kleine Mäuseherz, denn Rosalie hat Ronald immer noch zum Fressen gern. So spielen die Emotionen in dem Kinderbuch zwischen Fürchten und Freude ebenfalls das Katz- und Mausspiel. Ein Storytelling und einfacher Sprachstil, bei dem Kinder ihre Lesefreude haben.

Zur Visualität von Mit einer Katze nach Paris

Die Illustrationen von Joëlle Tourlonias sind für mich wahre Buchöffner. Der Blick aufs Cover und ihr Name haben mich in der Bücherei dazu gebracht, noch ein 9. Kinderbuch auf den schon schweren Stapel zu legen. Und habe ich es bereut? Pustekuchen. Joëlle Tourlonias überzeugt auf ganzer Buntstiftlinie. Etwas Anderes hätte ich auch nicht erwartet. Ihr bekannter, niedlicher und sanfter Zeichenstil ist für Kinderherzen wie geschaffen. Und wenn man genau hinsieht, entzückt sie mit solch einer Präzision wie etwa die feinen Katzenhaare, dass sich das Können dieser Künstlerin zweifellos nicht auf Kinderbücher beschränken lässt.

Auch der Stilmix zwischen liebreizenden Tierzeichnungen und detailreichen Architekturen lässt Groß und Klein staunen. Das Einzige, das den Glanz der Panoramabilder etwas schmälert, ist die Text-Bild-Integration. Nach meinem ästhetischen Empfinden wäre ein visuell harmonischerer Text-Bild-Übergang in Form eines verspielteren Schriftsatzes wünschenswert gewesen. Aber das ist sicher eine Geschmacksfrage und wird als Extrawurst verbucht.

Fazit zu Mit einer Katze nach Paris

Mit ihrem neuesten Kinderbuch hat Angelika Glitz eine unterhaltsame und spannende Liebesgeschichte zwischen Katz und Maus erschaffen, die den Kindern kindgemäß nahelegt, Vorurteile über Bord zu werfen und erst einmal mit jemanden Kirschen zu essen. Mit wunderbaren Illustrationen von Joëlle Tourlonias erzählt die Autorin von der Angst vor dem Fremden, die besser klein und klug wie eine Maus sein, und die Chance auf Freundschaft und Liebe offenhalten sollte. Für so eine runde Kindergeschichte, die sich auch gut zum Vorlesen eignet, vergebe ich 9 Sterne.

TitelMit einer Katze nach Paris
Erscheinungsjahr2017
Autor*in, Illustrator*inAngelika Glitz (Autorin)
Joëlle Tourlonias (Illustratorin)
VerlagS. Fischer Verlag
Umfang32 Seiten
Altersempfehlungab 4 Jahren
ThemaFreundschaft, Liebe, andere Länder

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