Diverses

Die kleine Emmy möchte im Amiland abgeholt werden.

Zuletzt aktualisiert am 2. Dezember 2018 um 19:01

Emmy ist die kleine Schwester vom Oscar, dem Award. Einmal so vermenschlicht, klingt es irgendwie falsch, sie zu »verleihen«. Aber zum Glück gibts ja jede Menge Emmys und alle, die eine bekommen, passen gut auf sie auf. Sicher besser, als zwei Vollblut-Nazis auf ein Mädchen namens Lara, das zur Hälfte gute Deutsche ist und zur etwas sichtbareren Hälfte aus Afrika stammt (»oder anderes Ausland«, natürlich). Als wäre das nicht genug, haben die Nazi-Jungs jetzt doch noch ne Emmy dazu bekommen.

Der Emmy Award ist die wichtige Auszeichnung für TV-Formate, verliehen im wichtigsten TV-Land: den GREATEST STATES of ‚MURICA #first! Damals, irgendwo zwischen Hitler und Hulu, verstand man unter Fernsehen noch das lineare Programm aus der Bildröhre, dem Emmy ihren Namen zu verdanken hat (Bildröhre, auf englisch: image orthicon, kurz: immy, cooler: Emmy). Was heute Fernsehen ist, da bin ich leider fachfremd (meine letzte TV-Erfahrung war Böhmermanns Inception). Abends teilt sich die Familie auf in jene Grauköpfe, die vor dem »Linearen« versacken und die Jungspunde, die auf ihren »Portables« binge-watchen. Mit knapp 30 und ein paar grauen Strähnen hängt man irgendwo dazwischen, schaut YouTube am Rechner und denkt sich, ach, in Zeiten, da Hulu und Netflix ne Emmy gewinnen können, da muss ich nicht mehr lernen, was man jetzt genau unter Fernsehen versteht, was nicht. Das wächst sich raus.

Award? Check. Chance? Vercheckt.

Aber jetzt ist die jüngste Verleihung (das war am Montag in New York) ein guter Anlass, um mal zu checken, wie sehr sich die Formate Fernsehen und Web einander angenähert haben. Denn the Emmy for the Beste Serie – Kurzformat goes to: Familie Braun. Ja! Die aus Berlin, die zwei Nazi-Jungs ausm Plattenbau, die letztes Jahr im ZDF liefen und seither in der Mediathek, hier gehts zur kompletten Serie.

 

Der Produzent Uwe Ubras wird in der Pressemappe zitiert: »Die Idee zu ‚Familie Braun‘ (…) hat uns von Anfang an fasziniert. Uns war sofort klar, das müssen wir erzählen. Im Netz. Als Webserie.« Ja, das gewählte Genre Webserie springt der Zuschauerin alle paar Sekunden überdeutlich entgegen. Allein die Episodendauer von vier Minuten, dazu YouTube-Gaststars, die sich die Klinke in die Hand geben (LeFloid, Doktor Froid, Space Frogs…) – und nicht zuletzt der prominent in der Serie beworbene Channel kai-sehr-reich. Nun kommt es, dass ich tatsächlich ZUERST in der Mediathek die Serie gesehen habe. DANN las ich darüber bei Wikipedia und wo sonst noch so schlaue Sachen stehen und DANACH ERST dachte ich, jetzt checkste mal diesen kai-sehr-reich-Channel ab, der ist bestimmt spektakul- …oh.

Webserie, so oder so

Acht Videos (sieben Folgen, ein Trailer, entsprechend der Playlist vom ZDF-Channel), alle vor einem Jahr hochgeladen. 1400 Abonnenten. Und schon der Channel-Banner sagt: »Hier hatte jemand keinen Bock, was zu gestalten.« Nun gut, seitens des ZDF hat man wohl seine Pflicht erfüllt: die Serie wurde als web first produziert und publiziert und ist damit per definitionem eine Webserie. So wie der Trabbi ein Auto ist. Ein bisschen liebevoller hätte man den dazugehörigen Kanal gestalten könnte. Wozu ihn sonst so fett in der ersten Folge platzieren, mit Subscribe-Button auf Papptafel? Der Gag verpufft in dem Moment, da man merkt: nix dahinter. Keine schönen Tutorials über Jutebeutel mit GutedeutscheKartoffeln-Druck. So ein kleines bisschen Bonuscontent, den hätte man doch raushauen können, aber hey. Kein Bock ist auch okay. Gute Serie, halbgar serviert.

Schlussnotiz: Wie man Webserien besser bringt, zeigen etwa die Macher von vivi&denny und Wishlist (die zweite Staffel kommt! Sie kommt! Sie kommt!!! Nächsten Monat.)

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