Aktuelles Erfahrungsbericht

SpokenWordClub im Club Bahnhof Ehrenfeld #1

Als der Club Bahnhof Ehrenfeld (CBE) 2010 in den Bahnhofsbögen direkt unter dem Ehrenfelder S-Bahnhof eröffnete, wohnte ich bereits zwei Jahre in Köln. Die Location muss also noch jung gewesen sein, als ich erstmals dort aufkreuzte und immer wieder einkehrte. Sei es zum Unlimited Filmfestival (heute: Kurzfilmfestival Köln), zu Partys oder dem berüchtigten Ehrenfelder Veedelbingo aka Bingolinchen (am 23. Februar zu Gast in der Live Music Hall, wtf!?). Trotz seines jungen Alters hatte ich den CBE von Anfang an (vom Gründungsjahr 2010 las ich eben erst) als urigen Laden mit Kultstatus im Kopf. Fühlte sich eben immer so an. So etabliert. Klar war stets: Was dort steigt, lohnt sich. Jetzt hat der SpokenWordClub seinen Saisonauftakt 2018 erstmals in eben diesem Club Bahnhof Ehrenfeld gefeiert. Nun, wie lohnenswert war die Sause?

Nachdem ich den SpokenWordClub erstmals bei einem „Auswärtsspiel“ erlebt habe – on Tour in Aachen (hier geht’s zum Erlebnisbericht) – muss ich doch echt meinen Hut ziehen. Schon in der Aachener Couvenhalle haben die Veranstalter mit David Grashoff (Poetry Slam), Chantal Trüdinger (Comedy), Lucie Licht (Musik), Dominic Mazucco (Poetry Slam) und Pu (Comedy) ein Line-Up aufgefahren, das die Zuschauer zu begeistern wusste. Aber es war doch ein vergleichsweise kleines Publikum in einer eher schnuckeligen Location, weshalb ich der „buntesten Revue Show Deutschlands“ (als welche sie oft gerühmt wird) etwas voreilig ihren Superlativ in Abrede stellen wollte. Ich nehme alles zurück.

Knacki Deuser, Jesse Albert und Norman Soltan, dazu der Schriftzug: SpokenWordClub im Club Bahnhof Ehrenfeld

Heimspiel für den SpokenWordClub

Gestern Abend hatte der SpokenWordClub – in Köln „geboren“, in Köln groß geworden – ein Heimspiel. Der CBE im Kölner Kulturviertel Ehrenfeld war rappelvoll, als der Musiker Dan O’Clock die Bühne betrat, um dem Publikum einzuheizen – mit seiner Gitarre und einer Ballade über Super Mario. Wieder als Kameramann am Start, trieb ich mich rechts und links der Bühne herum. Meine zweite Kamera war hinten im Club auf sich allein gestellt, auf ihrem Stativ. Viel zu voll war es in dem Laden, als dass ich zwischendurch mal eben nach dem Rechten hätte sehen können.

Aber Backstage, dort kam ich gut hin. Einmal „hinter die Kulissen“ des CBE sehen, dass schien in meinen Kölnjahren noch wie ein Ausflug nach Narnia. Unmöglich, aber sicher großartig. Diese Illusion hat gestern Abend ein bisschen gelitten. In dem Raum, in dem sich die Künstler breitmachen durften, beleuchtete eine einsame schummrige Glühbirne das spartanische Interieur, das Chaos ringsum und ein Catering, das Charlie aus der Schokoladenfabrik gestellt zu haben schien. Chips, Schaum-Mäuse und Kaubonbons. Wer noch nicht zu Abend gegessen hatte, konnte sich da seinen Zuckerschock holen.

Doch ich will nicht ablästern. Ich kenne die kleine Crew hinter dieser Show – und dass diese wenigen Menschen, viele davon in ihrer Freizeit, aus purer Unternehmenslust, so etwas Spektakuläres wie den SpokenWordClub auf die Bühne bringen, ist schier beeindruckend. Hätte ich gestern als unbedarfter Zuschauer im Publikum gesessen, ich hätte einen riesiges Team hinter dem vermutet, was on stage abgerockt wurde, mit fetter booking agency und haste nicht gesehen. Aber vielleicht bin ich da auch zu blauäugig? Wie auch immer, das Line-Up des Abends:

Line-Up zum Saisonauftakt

Den Auftakt machte – nach dem Vorheizer Dan O’Clock (der übrigens auch bloggt, schauste hier) der Comedian Kevin Ray, gab ein paar derbe Schoten zum Besten, über Lügen bezüglich seines Vornamens und Ketten-WhatsApp-Nachrichten über seine Qualitäten als Liebhaber. Heiter ging’s weiter mit Christiane Olivier, Schauspielerin und Komikerin, die mit ihren 40 Jahren nach eigenen Angaben als „Großmutter“ in entsprechenden Großmutter-Pornos mitspielen könnte (Nummer 1 auf YouPorn, dieser Fetisch, wieder was gelernt…) – doch statt vor der Kamera hält sie sich in der Porno-Industrie lieber hinterm Mikro auf und synchronisiert die Streifen. Darüber und über die Attraktivität von Sprachen erzählte sie dem Publikum im CBE einen bunten Anekdotenreigen.

Nach diesem komödiantischen Start zeigte sich der SpokenWordClub in seinem ganzen Facettenreichtum. Denn weiter ging es zunächst musikalisch, mit der großartigen Band Juri und einem überraschenden Gast-Auftritt von Lucie Licht, die schon beim SpokenWordClub in Aachen mit von der Partie war – dieses Mal jedoch ohne Band. Stattdessen war es die Frontfrau Lucie Klichta in Personalunion, die Moderator Norman Soltan beim Einlösen seiner „Wettschulden“ unterstützte.

Denn weil er bei der letzten SWC-Challenge gegen seinen Moderationskollegen, den Schauspieler Jesse Albert, verloren hat, durfte Norman vor versammeltem Publikum im CBE sein Gesangstalent unter Beweis stellen. Zusammen mit Lucie im Duett (sie sangen: „Zucker“) funktionierte das ganz fantastisch! Normans Niederlage in der Challenge kann man sich hier nochmal anschauen:

Talk mit Knacki Deuser

Nach Comedy und Musik wartete der SpokenWordClub mit einem neuen Show-Element auf, dem „Talk“ (ja, für diese Sparte hätte man einen spannenderen Titel finden können, aber man kann das Kind halt auch einfach beim Namen nennen). Als erster Talk-Partner zu Gast war zum Saisonauftakt Klaus-Jürgen „Knacki“ Deuser, Comedy-Koryphäe, ehemaliger NightWash-Moderator und noch so vieles mehr. Im Gespräch mit Jesse Albert ging es um deutschen Humor, Senioren-Sport und das Motto des Abends, „Großzügigkeit“.

In der zweiten Showhälfte slammte sich zunächst Florian Stein in die Herzen (oder eher Lachmuskeln) der Zuschauerinnen und Zuschauer. Der preisgekrönte Poetry-Slammer lieferte gehörig ab, vor allem seine „Sportberichterstattung“ mit dem schönen Titel „Lebenslauf“ wurde vom Publikum gefeiert. Wieder hatte ich mit dem Problem zu kämpfen, die verdammte Kamera in meinem Schulterrig still zu halten. Meinen ursprünglicher Plan, mir irgend etwas (Schaumzuckermäuse?) in die Ohren zu stopfen, um das Filmmaterial nicht zu verlachwackeln, hatte ich vergessen umzusetzen.

Whatever, zu guter Letzt gab’s noch ein Stelldichein mit Khalid Bounouar von Rebell Comedy. Kannte ihn noch nicht, hab mich wieder weggelacht, ganz egal – ein perfekter Abschluss für einen Kracher-Abend! Bin gespannt auf die nächste Auflage vom SpokenWordClub. Das Konzept, verschiedenste Künstler in einer bunten Show zu vereinen, geht voll auf.

Ein Video vom Saisonauftakt 2018 folgt in Kürze.

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