Bücher Existenzgründung

Hirn hilft, oder: Kopf schlägt Kapital

Wie gründet man ein Unternehmen, mehr noch, wie gründet man ein innovatives Unternehmen? Und was muss man dafür eigentlich mitbringen? Über diese Fragen zerbreche ich mir seit einiger Zeit den Kopf. Denn aus dem Stehgreif und ohne Vorkenntnisse solch ein Vorhaben durchzuführen, das ist eine heikle Herausforderung. Umso glücklicher war ich, als mir David das Buch Kopf schlägt Kapital von Günter Faltin in die Hand drückte. Der orangefarbige Delphin auf dem Cover war mir schonmal sympathisch. Ob ich am Ende des Buches auch Luftsprünge machen würde?

Die Schatzinsel in unseren Gehirnwänden

Vorweg: Das Buch Kopf schlägt Kapital macht Mut. Mut, mit den Konventionen zu brechen und sich von den BWLern, Gründungsberatern und zahlreichen Bürokraten unter uns nicht auf die falsche Fährte locken zu lassen. Denn der Zeitaufwand, einen detaillierten Businessplan zu schreiben inklusive Drei-Jahres-Prognose, der lässt sich wahrlich besser nutzen. Und zwar mit der Kreation eines sorgfältig ausgetüftelten Unternehmenskonzepts.

Dieses Konzept, das in erster Linie zu unserem Wesen passen, uns himmelhochjauchzend begeistern und gleichzeitig ökonomisch sinnvoll sowie von Kunden akzeptiert werden soll, ist die goldene Basis für unseren Erfolg. Das Schöne daran ist, dass wir nach Faltin keine Picassos oder Genies sein müssen, sondern einfach beharrlich und ausdauernd nach dem suchen müssen, was uns inspiriert und dann solange weitergraben, bis wir fündig werden. Und wo finden wir diesen Jackpot? Im Wesentlichen in unserem freien, neugierigen Geist, welcher im Vorhandenem etwas Neues entdeckt.

Skizzierte Gesichter und das Buchcover zu »Kopf schlägt Kapital«

Ein Buch und mehrere Arschtritte

Was mir an dem Buch gefällt, ist neben dem lockeren Schreibstil vor allem die Leichtigkeit, die Faltin vermittelt. Er macht deutlich, dass es Zeit bedarf, ein hohes Maß an Konzentration und zuweilen kräftezehrende Kopfarbeit, bis es soweit ist, ein in sich kongruentes Unternehmenskonzept zu entwickeln. Ebenso betont er, dass dazu jeder in der Lage ist, der einfach beharrlich genug an seiner Idee arbeitet. Zwischen den Zeilen, die so optimistisch daher klingen, bekommt der Leser aber auch regelmäßig einen Tritt in den Allerwertesten verpasst, damit die Hummeln wach werden.

Die wichtigsten Erkenntnisse, die ich aus dem Buch Kopf schlägt Kapital ziehe, sind:

Erstens: Not zum Querdenken. »Das Prinzip heißt: Von den Funktionen her denken, statt sich von den Konventionen beeindrucken zu lassen.« (S. 29). Dies passt zur Blue Ocean Strategie von W. Chan Kim and Renée Mauborgne, die neue Märkte erschließen will. Zerlege ein Produkt in seine Funktionen. Das kann sein: Qualität, Preis, Diversität, und und und. Und dann schaue, welche Funktionen du eliminieren, runterkurbeln und dafür andere hochkurbeln kannst (etwa die Diversität von Teesorten eliminieren, den Preis für Tee senken und dafür die Qualität der einen Teesorte aufs Maximum heben. So hat es Faltin gelöst und mit seiner Teekampagne zur Marktführerschaft gebracht.)

Zweitens: Der deutliche Mehrwert. »Das ist der entscheidende Punkt: Sie müssen so lange an Ihrem Konzept arbeiten, bis Sie auf eine deutlich bessere Lösung stoßen als die am Markt bereits vorhandene.« (S. 31). Die Betonung liegt auf »deutlich«.

Nützliche Tipps und schöne Zitate

Einen weiteren nützlichen Tipp gibt Faltin, indem er von der Zusammenarbeit mit Komponenten spricht. Die Welt ist voll von Komponenten und Experten. Und die dürfen wir großzügig einbeziehen. Faltin weist in diesem Zusammenhang auf Enzo Ferrari hin, der gesagt haben soll: »Von Motoren habe ich nie etwas verstanden. Dafür habe ich meine Ingenieure.« Die Kunst des Entrepreneurs besteht nicht darin, den Pinsel und die Leinwand zu bauen, sondern Vorhandenes zu nutzen und neu zu kombinieren. Dabei sind die Idealzutaten die Skalierbarkeit, Einfachheit und minimale Risiken.

Hier habe ich ein Problem. Diese Eigenschaften wie minimale Risiken, Einfachheit und ein durchdachtes Konzept sind ohne Frage gut und nötig. Doch was mir an dieser Stelle fehlt, sind konkrete Methoden, wie man zu diesen Eigenschaften gelangt. Gibt es ein Tool, das einem dabei hilft, mögliche Risiken zu identifizieren und zu reduzieren? Oder muss der Entrepreneur das alleine ausklügeln? Und soll der Entrepreneur die ultimative, innovative Idee alleine in seinem Kämmerlein entwickeln?

Ich mache derzeit die Erfahrung: Allein im eigenen Kopf wird’s schnell langweilig und engstirnig. Und bekanntlich fruchtet ein Konzept am besten, when ideas have sex. Ums mit Faltins eigenen Worten zu beleuchten: »Entrepreneurship ist im Kern Lust an Kreativität.« (S.221). Ein Blick auf den Kern, dieser Kreativität also, hat mir gefehlt. Wie kann man diese am besten ins Rollen bringen? Zeugen Kreativitätstechniken in der Praxis von Erfolg? Gibt es eine Systematik, die einem helfen kann? Leider bleiben diese Fragen in Kopf schlägt Kapital offen. Deshalb habe ich mir direkt das – raffinierter Weise im Anhang ausgelobte – Buch Wie man ein Pferd fliegt von Kevin Ashton bestellt, dem Erfinder des Begriffs »Internet der Dinge«.

Fazit zu Faltins Kopf schlägt Kapital

Das Buch von Günter Faltin ist ein Türöffner. Für die, die sich schon immer gewünscht haben, etwas Eigenes auf die Beine zu stellen, ein eigenes Unternehmen zu gründen, aber fehlende wirtschaftliche Kompetenzen als Hindernis betrachtet haben. Aber ich kann das Buch auch allen ans Herz legen, die mit ihrer jetzigen Arbeitssituation unzufrieden sind und das Gefühl haben, dass der Funke bislang noch nicht übergesprungen ist, aber im Hintergrund auf den Absprung warten. Kopf schlägt Kapital ist ein wunderbarerer Begleiter und Motivator, um das Vorhaben Entrepreneurship in die Wege zu leiten. Was David von dem Buch hält, erfahrt ihr in seinem Buchtipp.

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