FROHZUSEIN mit Jesse Albert, Nina Kierdorf | Kurzfilm 2012

Der Kurzfilm Frohzusein ist im Rahmen einer Bewerbung für die Deutsche Film- und Fernsehakademie Berlin (DFFB) entstanden, für die Studienrichtung Regie zum Herbst 2013. Die Bewerbungsaufgabe lautete, einen Kurzfilm zum Thema »Gier« zu drehen. Entstanden ist dabei eine fünfminütige Geschichte über zwielichtige Gestalten und Vorgänge.

Eine Frau in Fesseln, Standbild aus dem Kurzfilm "Frohzusein"

Schauspielerin Nina Kierdorf im Kurzfilm "Frohzusein"

Eine junge Frau beim Fotoshooting, Standbild aus dem Kurzfilm "Frohzusein"

Frohzusein – zum Inhalt

Kurz und knackig: Ein Mann mit einer Kamera (Tim Hermes) streunt umher, fotografiert erst eine Frau in Fesseln, stellt dann einer anderen Dame (Nina Kierdorf) nach. Was führt der stille Mann im Schilde?

Synopsis: Eine Frau windet sich in ihren Fesseln, im Fokus eines schweigsamen Fotografen, der nebenher einen Apfel schneidet. Eine andere Frau schneidet eine Zwiebel, als sich ihr Ehemann verabschiedet, lieblos wie eh und je. Kaum ist er weg, macht sie sich hübsch und geht aus, verhüllt. Schon bald ist ihr jener Fotograf auf den Fersen. Er verfolgt die Frau in eine urige Kneipe, beobachtet sie dort aus einer dunklen Ecke. Sie sitzt allein am Tresen, trinkt Wein und wartet. Doch auf wen – oder worauf? Eine dritte Frau geht derweil daheim Fotos durch, Fotos von sich. Sie ist ungeschminkt, sieht ganz anders aus, als die Dame auf den Bildern…

Den Kurzfilm Frohzusein gibt es auf meinem YouTube-Kanal zu sehen – und hier:

Kurzfilm als Bewerbungsaufgabe

Die Aufgabe aus dem DFFB-Bewerbungsbogen 2013/14 liest sich wie folgt:

Drehen Sie einen Kurzfilm zum Thema »Gier« (maximal 5 Minuten). In welcher Form Sie dieses Thema filmisch bearbeiten, ist Ihnen überlassen, d.h. Spiel-, Dokumentar-, Essay- und Experimentalfilme sind möglich. Das Drehbuch muss von Ihnen geschrieben worden sein, die Bildgestaltung können Sie einem Kameramann/-frau übertragen. Das Herstellungsmaterial wird von uns nicht vorgegeben. Machen Sie genaue  Angaben zum Team und zur Herstellungsweise.

Daraufhin machte ich damals also folgende Angaben zum Team und zur Herstellungsweise:

Eine Woche lang arbeitete ich Idee und Drehbuch für Frohzusein aus, ohne Gedanken ans Wo, Wie und Wer für die Umsetzung. Dabei durchlief der erste Entwurf von drei gierigen Protagonisten – habgieriger Banker setzt neugierigen Schnüffler auf liebesbegierige Ehefrau an – einige Stationen bis zum fertigen, bewusst dialogfreien Drehbuch. Dieses beschäftigt sich nicht mit der Frage, was Gier sein kann, sondern damit, wo dieser stille Trieb in einem Jeden von uns herrührt. Nach dem Schreiben begann ich mit Drehplan und Storyboard – um für jedes nicht gesprochene Wort ein treffendes Bild zu finden – und streckte die Fühler aus:

Schauspieler für Frohzusein

Für die Rollen »Ehemann« und »Kneipengast« inserierte ich bei Puck’s Bar, während ich für die »Ehefrau« die Theaterschauspielerin Nina Kierdorf (Die gefesselte Braut, Inder Verzweiflung) im Sinn hatte, die sich für das Projekt begeistern ließ. Als »Fotograf« konnte ich einen Freund gewinnen. Aus den Bewerbungen von Puck’s Bar entschied ich mich für Dieter Rupp als »Ehemann«, als »Kneipengast« wählte ich den Schauspieler Jesse Albert, auf den ich über meine Maskenbildnerin Carina Grallert aufmerksam wurde. Diese bildete mit mir auch schon die ganze Crew hinter der Kamera.

Schauspieler Jesse Albert im Porträt

Schauspielerin Nina Kierdorf im Porträt

Mir schwebte für Frohzusein eine rohe Soundkulisse mit minimalem filmmusikalischen Einsatz vor. Das Licht sollte (fast) ausschließlich aus natürlichen Lichtquellen stammen. Durch das Abklappern einiger Kneipen fand ich die »Alte Schmiede« als Hauptdrehort und über Freunde stand uns für einen Abend ein Apartment in Köln zur Verfügung. Finanzielle Mittel flossen nur ins Catering. Die Kameratechnik – eine Canon EOS 7D im Schulterrig – bekamen wir unentgeltlich geliehen. Ich führte die Kamera aus der Hand, um den Bildern eine kontinuierliche Körperlichkeit zu verleihen.

Die Dreharbeiten wurden innerhalb von 4 Tagen in Köln abgewickelt und am 6. November beendet. Das ließ mir genug Zeit für Schnitt, Farbkorrektur und Sounddesign. Die Musik, die in der Kneipe aus den Boxen schallt, bekam ich von der befreundeten Band The Roads Of Excess. Ansonsten verwendete ich Filmmusik ausschließlich in Form der Salon-Harfe, die als wiederkehrendes, akustisches Leitmotiv die Momente begleitet, in denen die Figuren mit ihren Verlangen konfrontiert werden.

Apropos froh…

Rückblickend bin ich sehr froh, mich damals an der DFFB beworben zu haben. Auch wenn man sich eine Weile in Selbstmitleid darüber suhlen mochte, so viel Zeit in eine Bewerbung investiert zu haben, auf die eine Absage folgte – insbesondere die Kurzfilm-Aufgabe hat mir viel gebracht. Über das Projekt Frohzusein habe ich die Schauspieler Jesse Albert und Dieter Rupp kennengelernt. Mit diesen konnte ich in den nachfolgenden Jahren viele gemeinsame Filme realisieren. Unter anderem den Spielfilm Jenes innere Wesen (2015).