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Deutscher Jugendfilmpreis – wie alles begann

Nachdem gefühlt der ganze Februar im Zeichen des 99Fire-Films Award stand, vom Startschuss bis zur Preisverleihung, lädt der März zu einer anderen Kurzfilm-Sause ein. Nächste Woche werde ich an der Jury-Sitzung eines Wettbewerbs teilnehmen, der beim Verhältnis von Kommerz und Nachwuchsförderung definitiv die saubere Bilanz hat. Oder nicht? Oder doch? Mal sehen: Deutscher Jugendfilmpreis – der Background check.

Der Deutsche Jugendfilmpreis ist schon ein ziemlich alter Hase unter den deutschen Kurzfilmfestivals. Nicht ganz so geschichtsträchtig wie die Internationalen Kurzfilmtage in Oberhausen (seit 1954 – das älteste Kurzfilmfestival der Welt, oh, und übrigens größer als das „größte Kurzfilmfestival der Welt„) aber mit über 30 Jahren auch schon in einem stattlichen Alter. Was die beiden Veranstaltungen gemeinsam haben, sind ein paar Namensänderungen im Laufe ihrer (und der deutschen) Geschichte. So begannen die Internationalen Kurzfilmtage in Oberhausen als 1. Westdeutsche Kurzfilmtage. Und der Deutsche Jugendfilmpreis? Ein kleiner Rückblick.

Schauspieler Jesse Albert und Schauspielerin Stephanie Jost, dazu der Schriftzug: Deutscher Jugendfilmpreis – wie alles begann

Der Deutsche Jugendfilmpreis – ein Rückblick

1985 | Es beginnt als ein Preis für Produktionen für Kinder und Jugendliche. Eingerichtet als Jugend-Video-Preis geht es darum, eine Art Übersicht in die „Flut der auf den Verleih- und Verkaufsmarkt strömenden Produktionen für Kinder und Jugendliche“ zu bringen – so erzählt es die Historie. Bei den heutigen Vorstellungen von „Informationsflut“ kommt man ins Grübeln darüber, wie die Leute damals, ohne Internet, die Flut überhaupt mitgekriegt haben? Zu jener Zeit jedenfalls richtet sich die Auszeichnung an kommerzielle Profi-Produktionen. „Jugend“ versteht sich hier noch als Zielgruppe, deren Eltern Empfehlungen zur Hand bekommen sollen: Was kann ich meinen Kids zeigen? (Und wieder frage ich mich: Wo und wie überhaupt? Gab es die berühmten Mixtapes, diese Beste-Lieder-Kassetten, mit der man seinen Schwarm zu beeindrucken versuchte, auch für Kurzfilm-Produktionen? Videomixtapes mit medienpädagogischem Hintergrund für den heimischen Rekorder? Ich spüre, ich muss der Sache auf den Grund gehen.)

Die Organisation und Durchführung des Preises fällt übrigens in den Verantwortungsbereich des Deutschen Kinder- und Jugendfilmzentrums (KJF) – beauftragt von „ganz oben“. Also fast. Also vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, damals noch unter Regierung Kohl. Nebenbei: Was ist das für eine schräge Kombination, die da in den Verantwortungsbereich des Ministeriums fällt? Knapper und hipper wäre ja die Ausschluss-Variante gewesen: „Bundesministerium für alle – außer Singles, männlich, 18-60“.

1987 | Die Jugend soll eingebunden werden: In diesem Jahr erarbeitet das KJF ein Konzept für einen neuen Wettbewerb, der Jugend und Video zusammenbringt. Wenn man bedenkt, mit welchem Aufwand, welcher Initiative es in den späten 1980ern verbunden gewesen sein muss, junge kreative Köpfe medientechnisch auszustatten, dann ist das ein ziemlich mutiger Ansatz. Jugendliche sollten Hilfestellung bekommen, in Seminaren etwa, und eine Gelegenheit, ihre Produktionen zu zeigen und zu diskutieren. Ein Jahr später geht der Wettbewerb in die Pilotphase.

Die Pilotphase

1988 | Drei Altersgruppen, freie Themenwahl, ein Sonderthema: „Moderne Zeiten“, heißt es. Da schmunzeln die Millennials, Generation Y, die sich so up to date und am Zahn der Zeit fühlt, mich eingeschlossen. Tja, Pustekuchen. Als ich noch eine Idee war, hat Kurzfilmdeutschland schonmal angefangen: Die Zahl der Einreichungen des Wettbewerbs Jugend und Video in diesem Auftaktjahr 1988 belief sich auf 350 Videos! Holy shit! Um das mal kurz in Relation zu setzen: Besagter 99Fire-Films Award mit dem stolzen Preisgeld von 9.999 Euro hat es im ersten Jahr, 2009, auf etwas über 200 Einreichungen gebracht. Immer wieder gerne erzählen die Initiatoren, PR-Mann Stefan Kiwit und Constantin Filmverleih Geschäftsführer Torsten Koch, bei der Preisverleihung ihre Anekdote von „säckeweise Filmen“ die damals überraschend eingegangen sind, damals vor 10 Jahren, als man sich schon entspannt hätte einen YouTube-Link schicken lassen können.

350 Videos im Jahr 1988 heißt noch: Videos. Video-Kassetten. Vermutlich via Postkutsche überbracht, von zwei völlig erschöpften Pferden. Und das nur aus dem halben Deutschland. Apropos: Der erste Austragungsort des Bundesfestivals, bei dem die besten Einreichungen gezeigt werden, war übrigens die Bundeshauptstadt Bonn.

1997 | Die Pilotphase konnte man also als erfolgreich bezeichnen. Der Wettbewerb Jugend und Video ging in die Dauerförderung – und feiert 1997 sein 10-jähriges Bestehen. Zu diesem Anlass gibt es die Retrospektive Video on Tour, supported by Stiftung Deutsche Jugendmarke. Dabei werden in einigen deutschen Städten Festivalperlen aus den vergangenen 10 Jahren gezeigt und Workshops angeboten. In diesem Jahr wird beschlossen, die Wettbewerbsdatenbank, bis dato auf Diskette respektive CD gespeichert, durch eine Onlineversion zu ersetzen. Wie die wohl ausgesehen hat, knapp 10 Jahre vor YouTube? (Vermutlich einfach nur ein sehr langer Ladebalken zur Soundkulisse eines ISDN-Modems?)

Nachwuchs im Fokus

2001 | Die Wettbewerb Jugend und Video und der Deutsche Jugend-Video-Preis (mit dem ja alles begann) werden zusammengefasst. Heißt jetzt: Deutscher Jugendvideopreis. Unter diesem Namen habe ich ihn später auch als Teilnehmer kennengelernt. Die aus dem Deutschen Jugend-Video-Preis hervorgegangene Sektion Professional Media (Produktionen für Jugendliche) wird schon ein Jahr später eingestellt. Der Fokus soll ganz dem kreativen Nachwuchs gelten.

2016 | Meine letzte Teilnahme ist schon zwei Jahre her, da beschließt das KJF einmal mehr, den Wettbewerb umzubenennen. Der Begriff „Video“ spiegelt nicht mehr so recht die filmische Qualität der Einreichungen wieder. Inzwischen kann eine 15-Jährige mit Smartphone und Freeware Kurzfilme machen, die vom Look & Feel den TV- und Kino-Produktionen zuweilen in nichts nachstehen. Als Huldigung an diese Entwicklung ist die erneute Umbenennung also zu verstehen. Fortan heißt der Wettbewerb: Deutscher Jugendfilmpreis.

Hier ein kleiner Exkurs zum Unterschied zwischen Film und Video.

2017 | Ein Jubeljahr: Zum nunmehr 30. Mal wird das Bundes.Festival.Film gefeiert, so heißt inzwischen die Veranstaltung, auf der die besten Wettbewerbs-Einreichungen präsentiert werden. Einen Eindruck von der irren Vielfalt dieser Beiträge vermittelt der Festivaltrailer 2017:

2018 | Nächste Woche findet, von Montag bis Freitag, die nächste Jury-Sitzung statt. Wir werden all die Einreichungen sichten, die Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene bis 25 Jahren produziert haben. Einsendeschluss war am 15. Januar, das Sonderthema in diesem Jahr: „Wir müssen reden“. Ich bin echt gespannt – und werde berichten!

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