Diverses

Valentinstag: Liebe und andere Missverständnisse

Zuletzt aktualisiert am 1. Dezember 2018 um 18:03

Der Valentinstag – dieser Festtag der Liebe – geht auf einen oder mehrere heilige Valentine zurück. So ganz genau kann man das nach rund 2000 Jahren nicht mehr sagen. Einer von ihnen mag Valentin von Terni sein, der Kranke heilte und zum Christentum bekehrte, was ihm im Jahr 268 in Rom die Enthauptung einbrachte. Danach muss man ihn noch weiter zerteilt haben, denn heute behaupten 13 Kirchen in Europa, seine Gebeine zu beherbergen. Ein gewisser Valentin von Rom, von dem man nicht mehr mit Sicherheit sagen kann, ob er und der von Terni womöglich ein und dieselbe Person sind, wurde der Legende nach am 14. Februar geköpft.

Wozu Valentinstag-Bashing?

Und darum, liebe Kinder, schenken Mami und Papi sich heut Blumen. Oder andere Verliebte einander Grußkarten, oder Japaner einander Schokolade. Doch Schluss mit dem zynischen Unterton. Nichts leichter als Valentinstag-Bashing. Sich darüber mokieren, dass Menschen etwas feiern, dessen Ursprünge sie nicht mehr genau kennen und dessen Bedeutung und Bräuche sie auf links gekrempelt und an die Gegenwart angepasst haben? Oh bitte. Bei welcher Feierlichkeit ist das nicht der Fall? Weihnachten, Halloween, St. Patricks Day, deinem Geburtstag?

Nur weil du mit einem Finger auf den Kalendertag zeigen kannst, an dem dein Körper aus einem anderen Körper gepresst wurde, behauptest du, deine Ursprünge zu kennen? Seit wann hast du ein Bewusstsein? Seit wann bist du ein Mensch? Und feiert der Mensch seinen Geburtstag im Laufe einer Lebensspanne nicht auf viele unterschiedliche Art und Weisen, weil’s zum je gegebenen Lebensalter irgendwie sinnvoll erscheint, mal mit Luftballons und Torte, mit Alkohol und DJ, mit Kaffee und Kuchen zu feiern? Also lass den Valentinstag in Ruhe.

Ein Valentinstag-Engel mit Pfeil und Bogen

Wenn man über die Menschheitsgeschichte so nachdenkt, Evolution und Revolutionen, dann erscheint es einem wie die Geburt eines einzelnen Menschen. Das Kollektiv aus Körpern und Geistern, das diesen Planeten seit Jahrtausenden umspannt, ist wie ein gewaltiger, wachsender und in sich zerrissener, widersprüchlicher, vielgesichtiger Körper. Das große Menschenbaby, das inzwischen sprechen und lesen und schreiben gelernt hat, aber noch immer wirr und gewaltsam um sich schlägt, weil es die Welt nicht versteht. Das nur am Rande.

Der „weiße Tag“

Zurück zum Valentinstag, heute. Nein, zu den Japanern, viel interessanter! 2016 hatte ich das Glück, an einem Austauschprogramm des JDZB für junge Berufstätige teilnehmen und Tokio und Nagasaki besuchen zu dürfen (hier geht’s zum Erlebnisbericht). Dort durfte ich eine Menge über die japanische Kultur lernen, die sich ja in so mancherlei Hinsicht von der deutschen unterscheidet – bloß da es im November war, blieb der 14. Februar thematisch völlig außen vor. Das habe ich heute nachgeholt und nachgehakt: Wie zelebrieren Japaner wohl den Valentinstag?

Eine Freundin namens Sakura hat, fit in der deutschen Sprache, folgendes geantwortet:

Also Valentinstag ist der Tag in Japan, an dem Frauen/Mädchen ihren Lieben Schokolade schenken, um Liebe oder Dankbarkeit auszudrücken. Aber heutzutage geben viele Frauen den Männern die Süßigkeiten auch aus reiner Dankbarkeit oder vielleicht nur Spaß. Zum Beispiel: Ich schenke jedes Jahr meinem Lieben selbstgemachte Süßigkeiten. Und bei meinem Arbeitsplatz kaufen die Kolleginnen Schokolade für alle Männer zusammen und verschenken sie. Ich schenke auch meinen besten Freunden/Freundinnen selbstgemachte Süßigkeiten!

Im März geht’s weiter

Das klingt nach einer sehr schönen Tradition! Aber der Feminist in mir muss doch empört einschreiten – nur die Herren bekommen Süßes!? Halt STOP! Es geht noch weiter:

Am 14. März ist andersrum. Männer verschenken Süßigkeiten an die Frauen. Also die Frauen erwarten schon am Valentinstag ein schönes Gegengeschenk! 🙂 14. März heißt in Japan „white day“. Ich weiß nicht, ob es den Tag in Deutschland auch gibt.

Nein, Sakura, einen solchen Brauch gibt’s in Deutschland leider nicht. (Zum Glück, am 14. März werde ich eh verhindert sein, auf Zeitreise). In einer weiterführenden Recherche habe ich gar gelesen, dass diese Tradition in Japan auf einen Fehler, vielmehr: ein Missverständnis zurückgehen soll. Der Blog Transfluent schrieb dazu, frei übersetzt: „Valentinstag wurde 1936 in Japan eingeführt – vom Schokoladenfabrikanten Morozoff, nachdem ein Führungsmitglied vom Valentinstag erfahren hatte. Allerdings verstand er die Geschenke-Praxis eher in Richtung Frau > Mann, als andersherum.“ So kann’s gehen: Einer hört nicht richtig zu, aber schreibt Geschichte. Warum auch nicht. Alles Gute zum Valentinstag, ihr Liebenden und Lästernden! Lasset euch knutschen.

Kurzfilme & Musikvideos über die Liebe

Ein bisschen Stöbern in alten Vimeo-Favoriten hat einige Schätzchen hervorgebracht. Zum Valentinstag, hier eine kleine, geeignete Auswahl (englischsprachig):

Liebe ist Leidenschaft

Liebe ist gespalten

Liebe ist ein Gedicht

Liebe ist eine Knetfiguren-Romanze zur Musik von Sigur Ros

Liebe ist schmerzhaft

 

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