Diverses

Sinnsuche, ein Dialog

Zuletzt aktualisiert am 2. Dezember 2018 um 19:32

Sinnsuche als Praxis-Experiment: Sammlung von rund 35 untermittelbaren Antworten diverser Personen – Mittzwanziger bis Mittfünfziger aus Deutschland, Groß-Britannien, Russland, Serbien, Syrien – auf die Frage »Person XY, was ist der Sinn des Lebens?«

Ich war so frei, die Grammatik halbwegs geradezubiegen, weil sich um eine ordentliche Sprache ja kein Fucker unserer sozialmedialen Spaßgesellschaft mehr schert. Ansonsten sind die Antworten unverändert aneinandergeknüpft – Übergänge zuweilen holprig. Aus Faulheitsgründen sind die englischen Antworten nicht übersetzt, aus Unfähigkeitsgründen nicht korrigiert worden (for reasons of incompetence the English answers are not correctionated).

Füße von Passanten in der Fußgängerzone, dazu der Text: Sinnsuche, ein Dialog

Was ist der Sinn des Lebens?

»Definitiv nicht das, was ich gerade tue.“

»Hä?“

»42! Und für Dich?“

»43!

»Malochen bis zum Umfallen?!?“

»Was hast Du denn geraucht?“

»Wieso fragst du? Voll am Philosophieren hier.“

»Sitzt Du in einer Quizshow? Meine Antwort: Glücksmomente.“

»Der Sinn des Lebens ist, zu leben, jeden Moment auszunutzen und zu genießen.“

»Bitches and money hat Ice Cube gesagt, aber es ist zweifelhaft, ob er recht hat.“

»Biologische Sicht: Arterhaltung. Meine Sicht: Die Welt besser zu machen. Warum?“

»So eine einfache Frage… wo kommt die denn her? Bist du betrunken?“

»Ein Buch hat mir die Frage gestellt,  ich habe keine Ahnung und reiche sie weiter.

»Das ist eine unglaublich schwierige Frage. Ich muss wirklich nachdenken.“

»Das habe ich mich auch schon öfter gefragt.“

»Willst du die Standard ‚Fühl dich gut, hab Spaß‘-Antwort, oder die ‚Kalte Realität‘-Antwort?“

»Gene, Wissen und Erfahrung weiterzugeben.“

»Puhhh, spontan würde ich sagen: Kölsch und Bingolinchen.“

»Puh, da stellst du mir plötzlich wie aus dem Nichts die wohl wichtigste Frage. Ich befürchte, dass ist’n Denkprozess, der bis zur Unendlichkeit und wieder zurück reicht. Ich habe den Sinn des Lebens jedenfalls noch nicht erschnüffelt, aber Arbeitstier mit consumption-function mit der Tendenz zum Immer-mehr-wollen kanns schon mal nicht sein.“

»YOLO!“

»الحياة“

»To be happy doing the things you love, even if it’s not what’s best for you. I guess.“

»I don’t know anymore.“

»In life itself. In remembrance of who you are.“

»Zu solch elementaren Fragestellungen bin ich noch nicht durchgedrungen. Mich bewegen im Moment ’nur‘ Fragen wie: Wie kann ich einen Film von Dropbox herunterladen, obwohl der Download schon 20 mal nach der Hälfte immer abbricht? Wie bringe ich zwei Drehs doch noch unter einen Hut? Und so weiter. Im Prinzip kann ich mich also nicht beklagen oder anders gesagt: Mir gehts gut!“

»Ich glaube nicht, dass der Sinn des Lebens für jeden gleich zu definieren ist. Und den Sinn seines Lebens erkennt man wohl auch erst am Ende. Wenn überhaupt. Es sei denn man gibt seinem Leben einen besonderen Sinn und strebt danach.“

»Wie ist das bei Dir und Deinem Leben?

»Bisher habe ich meinem Leben auch noch keinen höheren Sinn gegeben. Damit meine ich zum Beispiel Menschen, die ihr Leben ‚opfern‘ um Anderen zu helfen, die Chance auf Leben zu geben, Ärzte, Sanitäter, Entwicklungshelfer, aber ich strebe auch nicht danach eine wichtige Persönlichkeit zu werden, die wichtige Gesetze entscheidet und damit vor Kriegen bewahrt. Für so eine Art von ‚Streben‘ bin ich, denke ich, viel zu egoistisch.

»Gerade macht mein Leben für mich am meisten Sinn, wenn ich Spaß habe, meine Mitmenschen mit mir Spaß haben, ich immer wieder neue Sachen lerne und ich Ziele (egal ob Reiseziele, Jobziele, private Ziele wie Familie & Co.) anstreben kann. Was sich eigentlich ziemlich ’normal‘ anhört. Trotzdem hasse ich es, wenn jemand sagt: ‚Ich will mit meinem Leben nichts besonderes machen. Ich mag meine Stadt, ich will immer in meiner Stadt bleiben. Nein, ich will keinen besonderen Beruf machen. Wozu sollte ich Russisch lernen? Was bringt mir dies und das… Nein, ich möchte einfach ein ganz normales Leben führen.‘ – Ich will kein normales Leben führen. Ich setze meine Ziele höher als Andere und träume zu viel. Man muss immer neugierig bleiben, seinen Horizont erweitern und jede Möglichkeit in Erwägung ziehen. Das Leben bietet einem so viele Türen. Wichtig ist nur, dass man nicht davor stehen bleibt, sondern durch eine durch geht. Und nur weil man die eine Tür genommen hat, heißt das nicht, dass dahinter keine mehr kommt. Dahinter befinden sich wieder jede Menge.
Puh. Das war jetzt irgendwie anstrengend und so wirklich kommt man auch auf kein Ergebnis. Für mich gilt gerade: ‚Das Leben ist ein Theaterstück ohne vorherige Proben. Drum lache, singe, tanze und liebe… und lebe jeden einzelnen Augenblick deines Lebens, bevor der letzte Vorhang fällt und das Stück ohne Applaus zu Ende geht.‘ Charlie Chaplin (Ich will Applaus! – und da gilt: Das Wichtigste ist, wenn er von mir selber kommt, sprich ich selbst zufrieden bin und nichts bereue). Vielleicht ist das der Sinn, aber dann bekommt man ihn, wie am Anfang gedacht, eben erst am Ende.“

»Boah ey,  schwere Frage. Es zu leben, mit allem Drum und Dran. Glücklich sein, glücklich machen. Aber auch mal ne schmerzvolle Situation zu durchleben.“

»Deine Frage haut mich gerade ein wenig um… Als ich noch zu Beginn der 20er war, habe ich mir diese Frage ganz oft gestellt… Und da habe ich ganz hochtrabende Gedanken gehabt… Nun (bin ja jetzt 30), denke ich: Der Sinn der Menschen bzw. eines jeden Lebewesens ist die Fortpflanzung. Ganz platt gesagt. Und da mir das nicht ausreicht denke ich: ‚Gut‘ sein! Das höchste Streben nach dem höchsten Maß an ‚gut Sein‘. Für die Menschheit, für die Erde… füge deinen besten Teil dazu, damit die Welt besser wird (in den 20ern wollte ich sie verändern…) Das ist mein Sinn und danach strebe ich…und das mit und in Bezug auf Fortpflanzung: Pflanze in deine Kinder, die ja bleiben werden das ‚Gut-Sein‘, so dass auch was bleiben mag… Obwohl das ‚Gute‘ in mancher Linie vielleicht einer Definition bedarf…“

»Ich finde, solche tiefgründigen Fragen kann man nur nachts beantworten, deswegen kommt jetzt zu später Stunde meine Antwort. Ich finde, dass man die Frage nicht pauschal und allgemeingültig beantworten kann, sondern dass die Frage von jeder Person sehr individuell beantwortet wird… Ich kann Dich aber gerne an meiner persönlichen Antwort und meinem „Sinn“ teilhaben lassen: Für mich besteht der Sinn des Lebens ganz einfach darin, das Leben mit allen Sinnen zu genießen. Es heiß so schön ‚Gib jedem Moment die Chance, der schönste deines Lebens zu werden‘ Das ist manchmal leichter gesagt als getan, aber das ist für mich der Sinn des Lebens… So profan das klingen mag… Umso länger habe ich gebraucht um das für mich zu definieren, ich habe über diese Frage nämlich lustigerweise in der Vergangenheit sehr lange nachgedacht. Der Sinn des Lebens besteht meiner Meinung nach nicht in der Perfektion von sich selbst oder der Welt, und auch nicht im Streben dahin… Vielmehr besteht der Sinn des Lebens für mich darin, den kurzen Moment, den man auf der Erde hat zu genießen… Die Sonne, die Menschen, die man kennenlernen darf, das Essen, die Bücher, die Filme, das Meer, Urlaub, Kreativität, Musik, Freundschaften, Liebe, Erfahrungen, Tanz, Feiern, Kuscheln, Küssen, Lachen, Weinen, Fühlen, Tiere, Natur, Regenbogen, Schwimmbad, Eis, Schnee, Weihnachten, Familie… Und noch viel mehr trägt dazu bei, dass das Leben auf der Erde wunderschön ist und begründet meiner Meinung nach, dass (vielleicht auch irgendwas über uns, ob man es Gott nennt oder anders ist egal) der Sinn des Lebens das Leben selbst ist. In all seiner Pracht, all seinen Möglichkeiten, all seinen kleinen Momenten…

Nicht mehr und nicht weniger. Alles und nichts ist der Sinn des Lebens! Das ist zumindest eine Antwort, mit der ich glücklich sein kann.“

»Ich bin mittlerweile auf dem Stand, dass man sowieso nie herausfinden wird, was der Sinn des Lebens ist. Wenn es einen höheren Zweck gibt, erfährt man ihn vielleicht, wenn man tot ist. Vielleicht aber auch nicht. Also wozu vorher den Kopf zermartern? Auf niedriger Ebene könnte man Fortpflanzung als Sinn des Lebens betrachten. Das Fortbestehen der eigenen Rasse sichern. Die Frage ist nur, ob das überhaupt Sinn macht, dass die Menschheit weiter existiert?
Wenn man es unbedingt definieren will, würde ich sagen, dass der Sinn des Lebens individuell ist und jeder ihn für sich selbst definieren sollte…“

»Wie definierst Du ihn für Dich?

»Gute Frage. Strenggenommen ist meine Sicht ja auch nur ne Methode, der Frage zu entgehen… und man muss natürlich bedenken, dass es da auch Grenzen gibt… wenn jemand sagt „der Sinn des lebens ist jawohl ganz klar, Menschen zu töten, das macht mir richtig Spaß!“, kann’s das ja auch wohl irgendwie nicht sein…
Für mich selbst… keine Ahnung. Glaub mal, dass ich darüber schon soviel nachgedacht habe. Du glaubst es mir. Aber ich weiß es nicht. Vermutlich kann man es auch nicht auf einen aspekt runterbrechen. Wäre das nicht engstirnig? Selbst wenn man sagt ‚der Sinn des Lebens ist es, zu lieben‘ oder so, so wie Jürgen Domians Motto ‚liebe – und dann tu was du willst!’… so im sinne von ‚Positivität ist der Sinn’… ist das auch unlogisch, weil jeder hat gute und schlechte Seiten.
Das is auch sowas, woran ich glaube. Yin und Yang. Gut und schlecht. Liebe und Hass. Leben und Tod. Das Leben ist voll von Gegensätzen, die ohne den anderen nicht existieren könnten.“

»Hm…wait. To leave some mark on this planet, to change something to better in civilisation, to leave some good adn human child (if possible), to enjoy in every second of life, and to breathe with nature. To love. Why do you ask me that? Hope you are not in some crisis?“

Ein Freund ruft mich an, um sicherzugehen, ob alles in Ordnung sei – etwas erbost darüber, dass ich so ne Depri-Scheiße schicke und dann nicht sofort reagiere, nachdem er mir seine Antwort auf die Frage nach dem Sinn des Lebens geschickt hat, die da wäre:

»Minute 07.30. Das ist mein Lieblingsgedanke dazu.“

»Für mich ist der Sinn des Lebens Selbstzufriedenheit. Nur das zu tun, was sich gut und richtig anfühlt. Aber das ist total relativ. Für andere ist es das Streben nach Glück, immer und dauerhaft glücklich zu sein.“

»Ich würde sagen für das Gute einstehen, was schlecht ist verbessern, sich für die Schwächeren einsetzen, den Großen den Spiegel vorhalten und paar Kinder in die Welt setzen, die diese Sache weiterführen! Friede, Leben und Liebe! Peace.“

»Die Gemeinschaft zu bereichern. Sei es nur, dass man der Kassiererin ein schönes Wochenende wünscht.“ Der gleiche Typ hat die Frage vor rund zehn Jahren noch beantwortet mit: »Der Sinn des Lebens ist, danach zu suchen.“

»Ich glaube jedenfalls, wenn man in seinem Leben viel gelacht hat, hat man zumindest nichts falsch gemacht.“ (siehe: Kim Jong-un…)

»Ich denke, dass bei den Meisten die Antwort ‚work in progress‘ ist. Mein Ziel ist momentan, Menschen zu begeistern und zu überraschen. Aber das kann auf jeden Fall nicht mein Sinn sein. Wahrscheinlich werde ich erst in vielen Jahren zurückblicken und merken, ’shit, das Leben macht überhaupt keinen Sinn‘. Aber solange man immer das Beste für sich rausholt, langfristig und nicht kurzfristig, geht man den richtigen Weg.“

»Kann ich leider nicht ganz beantworten. Der Sinn des Lebens ist vermutlich die Fortpflanzung der Tiere oder auch des Menschen aber der Sinn ist wohl vielseitig, aber ich kann diese Frage nicht so richtig beantworten. Mein Sinn des Lebens ist wohl unbekannt. Mehr gibt es wohl nicht dazu zu sagen, weil jeder wohl anders darüber denken möge.“

»Wenn ich das wüsste wäre ich sehr reich. Reich in allen Belangen.“

»Ich bin zu jung das zu beantworten, glaube ich,  aber wenn ich ältere Menschen frage, sagen die mit Sicherheit ‚leben‘. Man kann alles erleben, ableben, verleben, beileben. Und darin liegt vielleicht der Sinn.“

»A very difficult and powerful question. Will give my answer tomorrow, when I should have more energy as now.“

Same person, next day:

»Life is the name given for acting of living. Physiologically, when, as a very simplified example, a creature is alive (breathing) then they have their own life and it is going to end as soon as their breath stops. But, and when it comes to a creature with feelings, like a human being, a breathing person is not in necessity alive. The human must feel the surroundings they are ‚living‘ in. And these feelings will bring someone to life. The more these feelings are positive the more theperson is in the life. However, these feelings don’t come automatically and naturally. A human being must first understand the given surroundings and then should have an access to it to be then, finally, able to feel it.
A person living in a supposed crowded and wonderful city, thinks at first in satisfying their physiological needs; hunger, thirst, sex…etc. And simply, all of those are satisfied easily by having a job that retains money. But, those needs are just physiological, and if someone is just trying to satisfy them then he is still far from being alive. The feelings that person has now are just the same of an animal.

the circle

Given the business of this person running before his needs and happy satisfying them, he is just running in a perfect circle, from the beginning point to the end one, over and over, till the breath stops. That person, however, is certainly learning the surroundings given the fact that they are getting to know new people and change their work and the city they live in, may even the country. But not changing the start and end points. These constant points (start and end) but the changeable variables (place and kind of job, residence city…) make this person still running in perfect circle but the line of of it is getting wider with every new thing the running person learns. The line is just the experience of the person, the more experience they have the more wider the line gets, the more rate of their surroundings understand, the more feelings they have, the more life they live.
That is the life plan of a person who just want to satisfy the physiological needs. A person with other way of thinking (always feel unsatisfied, although their physiological needs are simply and cheaply satisfied. Their physiological needs have nothing to do with their psychological needs) will always follow a very different way. This person just need to satisfy themselves in a very complex way, they will just satisfy the physiological needs in a fast and short way just to have more time and energy to satisfy the other needs they feel they need (Newton, as an example, never had a wife not even a love partner). How is decided if a given person when grows up will follow one way instead of the other is another matter, but it is by no means related to genetics. This person will always run in a spiral circle that is very not probable to end. In every turn they explore more and more and understand the surroundings more, and taste the life as the others never experienced.“

Diese Antwort kommt von einem Syrer, der zurzeit in einer Flüchtlingsunterkunft in Nordrhein-Westfalen darauf wartet, dass sein Asylantrag angenommen wird.

Und zu guter Letzt hat mir ein Kumpel noch ein Foto von sich geschickt…

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…der Sinn des Lebens? „Immer wieder aufzustehen.“

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