Gender

Zuletzt aktualisiert am 13. August 2018 um 11:24

G wie Gender

Erklärung des Begriffs

Begriff: Gender | Aussprache: ˈdʒendə(r) | Hörbeispiel: 

In die deutsche Sprache gelangte das Wort »Gender« aus dem englischen Sprachraum. Dort dient es zur Differenzierung zwischen »sex« (als körperliches Geschlecht) und »gender« (als soziales Geschlecht). Auch in der deutschen Sprache ist mit Gender also nicht Geschlecht in Bezug auf die körperlichen Geschlechtsmerkmale gemeint. Stattdessen bezeichnet Gender die von einer Person erlebte soziale Geschlechtsidentität in Relation zu den Geschlechtskategorien der Männlichkeit bzw. Weiblichkeit – das heißt, ob eine Person sich selbst eher als männlich oder weiblich fühlt, oder zwischen oder jenseits von diesen beiden Kategorien.

Die Geschlechtsidentität einer Person ist eine sehr komplexe und individuelle Erfahrung. Für manche Menschen ist es schwieriger als für andere, ihre Geschlechtsidentität der Außenwelt mitzuteilen. Der Grund können sowohl innere Konflikte als auch äußere Drucksituationen sein – meistens eine Mischung aus beiden.

Obwohl »Gender« sich also auf eine sehr persönliche Erfahrung bezieht, führt der Begriff immer wieder zu Diskussionen. Oft werden diese von Menschen angestoßen, die ihre persönliche Erfahrung als Maßstab für andere Menschen nehmen.

Eckdaten des Begriffs Gender

1949 | Simone de Beauvoir stellt in ihrem Buch Das andere Geschlecht die These auf, dass die Unterschiede zwischen Frauen und Männern kein Produkt der Natur seien, sondern ein Produkt der Gesellschaft, also durch unseren gesellschaftlichen Diskurs konstruiert. Auf dieser Idee fußt das Konzept von »Gender«

1980er Jahre | Die sich neu entwickelnde Geschlechterforschung (Gender Studies, siehe unten) benutzt den Begriff Gender, um zu analysieren, wie diese gesellschaftliche Konstruktion von Unterschieden zwischen Frauen und Männer vollzogen wird.

1990 | Judith Butler stellt in ihrem Buch Das Unbehagen der Geschlechter / Gender Trouble die These auf, dass nicht nur das soziale Geschlecht (gender) sondern auch das körperliche Geschlecht (sex)

Ähnliche, verwandte Begriffe

Gender Binarität (gender binary) | Die (weitverbreitete) Vorstellung, dass es nur zwei mögliche Geschlechtsidentitäten – Mann und Frau – gibt. Der naheliegende Grund für diese Idee ist das Vorhandensein des körperlichen Geschlechts, deren Merkmale sich (meist) als männlich oder weiblich

Gender-Kohärenz (gender coherence) | Der (nachvollziehbare oder sinnbildende) Zusammenhang zwischen dem anatomischen, körperlichen Geschlecht und der Geschlechtsidentität, zuweilen auch dem sexuellen Begehren. Beispiel: Viele Menschen setzen im Sinne der Gender-Kohärenz voraus, dass ein männlicher Körper eine männliche Geschlechtsidentität mit heterosexuell männlichem Begehren haben müsse. Tatsächlich ist das Geschlecht als kohärente Einheit von Körper, Identität und Begehren in der Wirklichkeit nicht immer gegeben.

Gender-Mainstreaming | Verwirklichung der Gleichstellung der Geschlechter unter Berücksichtigung geschlechtsspezifischer Interessen und Lebensbedingungen

Gender-Rolle (gender role) |

Gender Studies (Geschlechterforschung) | Eine interdisziplinäre, also fachübergreifende Forschungsrichtung, die das (körperliche und soziale) Geschlecht als Forschungsgegenstand untersucht – im Kontext von Gesellschaft, Kultur und Wissenschaft.

gendern | Anwendung des Gender-Mainstreaming, in der Sprache zum Beispiel durch Gender-neutrale Wortwahl anstelle des generischen Maskulinums. Beispiel: Blogger*innen gendern ihre Beiträge, indem sich das * benutzen.

Anwendung des Begriffs Gender

Man kann eine freie Frau sein und mit den Gendercodes spielen wie im Karneval. Einen Tag trage ich Jeans und Sneakers und am nächsten Tag bin ich wie ein Pin-up angezogen. Der feministische Kampf darf sich nicht gegen die Weiblichkeit richten. | Camille Emmanuelle

Weil viele Jungen die Wohnung kurz und klein bolzen und viele Mädchen gerne Tische mit Puppenservices eindecken, ist das sogenannte Gender-Marketing völlig entfesselt. Man kann heutzutage noch nicht mal mehr ein paar Kinderschuhe kaufen, die nicht gegendert wären, also von ziemlich einseitigen Geschlechtervorstellungen ausgehen. | Vera Görgen

Gender in der Popkultur

Bücher zum Thema

Filme zum Thema

  • Gendernauts: A Journey Through Shifting Identities (1999)
  • The Code Of Gender (2010) von Sut Jhally

 

 

Autor

David Johann Lensing, geboren in Bocholt (1989), gelernt in Köln (Medienkaufmann), gearbeitet als Videoproduktioner, Kameramann und Redakteur. Seit jeher begeisterter Schreiber, Filmer, Fotograf – und als solcher habe ich mich schließlich selbständig gemacht. Außerdem blogge, lese, zeichne ich gern und studiere an der FernUni Hagen: Philosophie, Geschichte, Literaturwissenschaft.

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