Musik

Die Message von: Ten Thousand Hours

Macklemore hat ein neues Album raus – Gemini – und sein Hit Glorious läuft im Radio rauf und runter. Das Musikvideo dazu, eine Spritztour mit seiner Oma anlässlich ihres 100. Geburtstags (Glückwunsch!), hat über 70 Millionen Views auf YouTube – in Zeiten von Despacito (4 Milliarden!) schon fast Nische. Doch hier gehts nicht um den Fame, sondern die Message. Und warum Mack damit zu tun hat, welches Buch mich zurzeit begleitet.

Spulen wir mal fünf Jahre zurück, zum Durchbruch von Macklemore, zumindest hierzulande: Can’t Hold Us und Thrift Shop, diese Hits sind durch die Decke gegangen, haben andere Songs des Albums The Heist (2012) aus der öffentlichen Wahrnehmung verdrängt. Etwa den ersten Track, den bescheidenen Auftakt: Ten Thousand Hours, 10.000 Stunden. Was hat es mit dieser magischen Zahl auf sich?

About damn time I got around the country and I hit these stages
I was made to slay them
Ten thousand hours
I’m so damn close I can taste it
On some Malcolm Gladwell
David-Bowie-meets-Kanye shit

Ja, es wurde höchste Zeit, dass Macklemore rumkommt, die Bühnen rockt, kanns schon schmecken, so nah dran ist er am Durchbruch. Und dann verrät er sein Erfolgsgeheimnis. Die Gladwell-Referenz in der ersten Strophe ist der entscheidende Hinweis. Malcolm Gladwell schrieb ein paar Jahre vor diesem Hit das Buch Outliers (zu Deutsch: Überflieger). Es handelt davon, was besonders erfolgreiche Menschen so besonders erfolgreich macht. Die Antwort ist erschreckend klar, deutlich, überzeugend. Mehr dazu in Kürze, im Buchtipp.
Im Fall von Macklemore kann man sagen: Er hat sein Maß erfüllt, seine „Stunden vollgemacht“. Im Alter von 14 Jahren hat Mack das Rappen für sich entdeckt, 2012 (beim Heist-Release) war er bereits 29 – und in den 15 Jahren dazwischen war er fleißig, hat seine 10.000 Stunden investiert, ins Musikmachen.

Put those hours in and look at what you get
Nothing that you can hold, but everything that it is

Steck die Stunden rein und guck, was dabei rumkommt. Nichts, was Du festhalten kannst – aber alles, was da ist. // Was mich an diesem Auftakt ziemlich begeistert, ist die Haltung, die Macklemore etabliert: kein Hype ohne Fleiß, kein Sich-Feiern ohne Bescheidenheit. Zugegeben, dieser Song erreicht nur im Kontext des Gesamtkunstwerks seine Größe. Es ist die kleine Hymne eines Wohlstandskindes, das durch Selbstdisziplin und fremde Hilfe seinen Traum erfüllen konnte. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Das mag der Grund sein, warum der Track live nicht gut funktioniert, nicht überall. Er füllt die riesigen Bühnen nicht aus, wirkt ein bisschen verloren. Beim Sziget-Festival in Budapest, diesen August, da lässt Mack die letzte Strophe weg, zu persönlich, zu sehr auf den Punkt als Intro fürs Album und als Stufe für seinen Werdegang.

And I speak for the people that share that struggle too
Like they got something bruised
My only rehabilitation was the sweat
Tears and blood when up in the booth
– Macklemore


Die Bedeutung
des Songs, Zeile für Zeile, findest Du auf genius.com.

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