Tagebuch

Gedanken zum Glück

Zuletzt aktualisiert am 13. März 2018 um 16:18

Dieses Interview mit Herrn Vaillant geht mir einfach nicht aus dem Kopf. Ein Professor, der eine Studie betreut, deren Ziel es ist, eine Art Glücksformel zu finden. Wenn ich das richtig verstanden habe. Über 200 Menschen standen und stehen im Fokus dieser Studie, seit über 70 Jahren – eine lange Zeit in vielen Leben, da kann eine Menge passieren. Wer ist am Ende glücklich, wer ist es nicht? Nachfolgend Gedanken zum Glück.

Ein Hochzeitsfoto mit ausradierten Gesichtern, dazu der Text: Gedanken zum Glück

Wahres Glück und Wanderlust

Manche sind gestorben. Andere abgestürzt. Ist Glück kurzweilig oder langatmig, dasselbe wie Zufriedenheit, oder ein emotionaler Orgasmus, etwas, das man selbst finden kann, besser aber noch mit einem Partner? Ich weiß es nicht.

»Glück ist, nicht immer alles gleich und sofort zu wollen, sondern sogar weniger zu wollen. Das heißt, seine Impulse zu kontrollieren und seinen Trieben nicht gleich nachzugeben. Die wahre Glückseligkeit liegt dann in der echten und tiefen Bindung mit anderen Menschen.« – George Vaillant im Interview, erschienen im SZ-Magazin 13/2013

Schrecklich schnulzig, ja, ist wahr. Aber eben auch wahr. Bin selbst in einer langjährigen Partnerschaft. Mein Gedächtnis funktioniert nicht so blendend, als dass es mir noch verraten könnte, ob ich damals so empfunden habe, wie ich es heute tue. Wir sind Ende der Schulzeit zusammen gekommen, zwei Teens, sprunghaft und launisch und es ist ein Wunder, dass wir – trotz aller Differenzen, Hürden, Zanks – zusammen geblieben sind. Jetzt, im Moment, scheint es mir so leicht. Vielleicht, weil so viel auf dem Spiel steht: All die Jahre wären verschwendet, wenn es am Ende nicht gehalten hat… nicht wahr?

»Past a certain age, a man without a family can be a bad thing.« – Martin Hart (Woody Harrelson) in True Detective (2011)

Wie oft schreit der Freigeist in meinem Kopf, ich müsse mich lösen und rauskommen aus der comfort zone, jenseits welcher das Leben anfängt, ich müsse mich verwirklichen, so viel sehen und machen und erleben. Reisen natürlich. Reisen vor allem. Die Lehr- und Wanderjahre nachholen, die mir im industrie- und handelskammerheimeligen Rahmen so geschmeidig wie möglich gestaltet wurden und mich einen »Beruf« gelehrt haben, den ich seitdem nie praktiziert habe (Wiki-Definition: Beruf ist die *aufgrund besonderer Eignung und Neigung systematisch erlernte und mit Qualifikationsnachweis versehene, spezialisierte* Betätigung eines Menschen. Ich habe den Bullshit-Teil davon mal in Sternchen gesetzt).

Schreihals und Ruhepol

Gelernt habe ich das Aufgabenfeld des Medienkaufmanns. Gearbeitet habe ich schon währenddessen eigentlich eher als Kameramann und Cutter. Und danach als Redakteur. Und nebenher – in Form eines sehr arbeitsreichen aber finanziell reichlich unlukrativen Hobbys – als Filmemacher. Was bin ich jetzt? Schlüge mein Herz wirklich, ehrlich, leidenschaftlich für den Film, wäre ich doch längst Vollblut- und Vollzeitregisseur. Feste Arbeitsstelle? Sicheres Gehalt? Meh, ein Leben für die Kunst! Das schreit der Freigeist, doch dem höre ich selten zu. Ich denke mir, die Welt zu sehen, ein Mehr an Lebenserfahrungen und Eindrücken würden mir endlich eine Antwort darauf geben, wer ich bin und was ich will… doch dazu müsste ich erst einmal raus aus der comfort zone wollen. Wirklich wollen.

Dem Schreihals steht ein Ruhepol gegenüber, stark wie ein Weirwood, der sich nicht beirren lässt: Ich muss bleiben. Mehr noch: Ich will bleiben. Ich sehne mich nach dem Vertrauten in meinem Leben, nach der Nähe und Wärme, selbst wenn sie nur eine Nacht lang weg ist. Dir kommt’s hoch bei so viel Gefühlsduseligkeit? Frag mich mal. Denn ein Teil von mir ist so nicht. Ein Teil von mir ist dunkel und hätte die helle Seite längst aufgefressen, hätte ich mich nicht in ein soziales Gefüge verstrickt, das meiner hellen Seite bedarf, sogar: bedingt. Meistens bin ich froh darum. Die dunkle Seite ist verlockend (sie hat Kekse), aber sie ist auch »a bad thing«.

Bis jetzt hab ich’s im Griff. Und »bis jetzt« ist schon eine ganze Weile. Zum Glück.


Nachtrag: »Verlassen der comfort zone« ist wohl zu viel gesagt, und doch hab ich sowas wie ’n Absprung gewagt – seit 2018 versuch ich mich in der Selbständigkeit. Mit meiner Kamera ausgestattet, und dem was mein Hirn an Kreativität zu bieten hat, stehe ich damit am Anfang neuer »Lehr- und Wanderjahre«. Ich bin gespannt, wo sie mich hinführen.

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