WIR DREHEN UNS | Spielfilm 2013

Die Coming-Of-Age-Komödie Wir drehen uns ist ein 90-minütiger Spielfilm aus dem Jahr 2013. Es handelt sich um eine Amateurfilm-Produktion mit Cast und Crew zum größten Teil ohne professionellen Hintergrund. Das Projekt wurde an 60 Drehtagen von Januar 2012 bis Juli 2013 umgesetzt und im September 2013 im Kinodrom Bocholt uraufgeführt. Der Film handelt von einem liebeskranken Hobbyautor, einer störrischen Leistungsschülerin und einem suspendierten Lehrer, die zusammen einen Film drehen.

Beteiligt waren neben 12 größeren Sprechrollen knapp 100 Cast- und Crewmitglieder, Helfer und Komparsen, vor und hinter der Kamera. Hauptdrehort war Bocholt. Unter anderem im St. Agnes-Hospital, im St. Josef-Gymnasium, im Industriemuseum, im Bocholter Kinodrom, im Bürgerpark Mosse, dort Unterwasser, im Hemdener Saal, im Studio B und in der Freizeitanlage am Aasee drehten wir Szenen für dieses Projekt. Die Modellbaugruppe Bocholt unterstützte uns bei einer Flugaufnahme. Erstmals haben wir mit Wir drehen uns einen Streifen in Full HD und »richtiger« Spielfilmlänge auf die Beine gestellt. Darauf war ich als Regisseur und Produzent damals mächtig stolz.

Filmposter zum Kurzfilm »Wir drehen uns«

Im Jahr 2013 durften wir unser Projekt Wir drehen uns im Zoom – Das Magazin der Filmemacher (seit 2014 feierlich eingestellt) vorstellen. Das las sich in der Ausgabe 03|13 damals so:

Was zuvor geschah
Im September 2011 schlossen wir die Dreharbeiten zu unserem letzten größeren Projekt ab, dem 54-minütigen Mukoviszidose-Drama Jakobs Weg. Nach monatelanger Beschäftigung mit der schweren Krankheit – unterstützt von der Deutschen Förderungsgesellschaft für Mukoviszidose-Forschung und umliegenden Krankenhäusern – ging der Film in die Schnittphase.

Im Kopf war wieder Platz für Neues – erst einmal für etwas leichtere Angelegenheiten. Von September bis November 2011 entstanden die Drehbücher zu Wir drehen uns und dem Film im Film Zwischen jetzt und was da komme. Parallel wurde das Projekt bereits geplant, damit pünktlich zum Jahresanfang mit neuen Dreharbeiten begonnen werden konnte. Im Dezember standen Cast, Crew und eine Reihe der über vierzig Drehorte fest. Vor der Kamera versammelten wir eine bunte Mischung aus altbekannten Stammschauspielern unserer Filmgruppe, einigen neuen Gesichtern – ambitionierte Laien – und wie schon bei vorausgegangenen Projekten ein paar professionellen Schauspielern. Mit dabei ist etwa die Kölner Schauspielerin Nina Kierdorf.

Schauspielerin Nina Kierdorf im Porträt

Auch hinter der Kamera sind die Profis rar. Abgesehen von einer ausgebildeten Maskenbildnerin treiben sich bei uns am Set nur Laien herum. Für die meisten von uns ist das Filmemachen »nur« ein Hobby, das uns nicht zu wenig auf Trab hält. Das Austüfteln der Drehpläne zeigte schnell: Erstmals werden wir weit über ein Jahr lang für ein Projekt drehen. Vom Schnitt mal ganz abgesehen. Da kann eine Menge schief gehen und es ist ein Maximum an Durchhaltevermögen und Motivation gefragt. Aber wie sagt man in Köln so schön? Et hätt noch emmer joot jejange.

Januar 2012
Frohes neues Filmprojekt! Mit zwei chilligen 8-Stunden-Drehtagen eröffneten wir die Dreharbeiten zu Wir drehen uns. Und siehe da: Es wird alles noch viel schwieriger als erwartet. Bis dato hatten wir auf MiniDV gedreht, mit der Canon XL2 als Hauptkamera, und DSLR-Kameras nur in ein paar Kurzfilmen ausprobiert. Doch das neue Mammutprojekt wollten wir unbedingt komplett in HD und möglichst Kino-Ästhetik drehen – mit einer geliehenen Canon EOS 7D.

Autofokus, adieu! Tiefenunschärfe, hallo! Filmlicht, ganz neue Möglichkeiten! Ton, erstmal extern! Wir lernten schnell, dass wir uns für die einzelnen Aufnahmen viel mehr Zeit nehmen müssen. Dafür war das Ergebnis umso beeindruckender. Doch auch bei diesem Projekt kommen wieder Dolly, Bodycam und andere Konstruktionen Marke Eigenbau zum Einsatz. Je weniger Budget – und weniger als nix geht nicht – desto mehr Kreativität ist gefragt. Vermeintliche technische »Grenzen« fordern mehr heraus, als dass sie einschränken.

Drehtag Nr. 8 fand im März statt, am Tag der Kinopremiere von Jakobs Weg. Blitzgescheit wie wir sind, nutzten wir das 300-köpfige Publikum für atmosphärische Aufnahmen, mit denen später die Film-im-Film-Premiere gespickt wird. Bevor unser Drama dann gezeigt wurde, stellten wir den Zuschauern unser neues Projekt vor und kündigten an, damit im nächsten Jahr einen umso aufwändigeren Film zu zeigen. Immer schön auf dicke Hose machen, damit die Bringschuld einen Rückzieher ausschließt. Aber das hatte sich ohnehin bald erledigt. Ende April, nach einem weiteren 30-stündigen Drehmarathon, war klar: Es gibt kein Zurück mehr. Der Punkt ist mal wieder erreicht, an dem so viel Zeit und Nerven investiert wurden, dass wir das Ding jetzt einfach durchziehen müssen.

Storyboard zum Film »Wir drehen uns«

Einen Einblick ins Storyboard gibt es hier als PDF-Download.

Donnerstag, 01.10.2012, 11:30 Uhr Ortszeit
Ein Monat und drei weitere Wir drehen uns-Drehtage sind rum. Zuletzt waren wir in einem Supermarkt aktiv. Außerhalb der Geschäftszeiten durften wir den Laden belagern und missbrauchten einen Kaya-Yanar-Pappaufsteller spontanerweise für unsere Zwecke, um der zu drehenden Szene einen beachtlichen Mehrwert zu verleihen. Das lerne ich bei diesem Projekt mehr denn je: Von Drehtag zu Drehtag gewinnen Improvisationen im Schauspiel und die unmittelbaren Ideen vor Ort an Bedeutung. Vermeintliche Patzer und Pannen erweisen sich im Schnitt zuweilen als i-Tüpfelchen der Szenen.

Indes geht die Zusammenarbeit mit unserem neuen VFX-Spezi in die zweite Runde. Er ist ein junger Oldenburger, den ich in einem Forum kennengelernt habe. Kurzer Exkurs: Bis 2012 kam After Effects bei unseren Projekten höchstens für Stabilizing-Trackings zum Einsatz, während wir Effekte (Blut, Feuer und dergleichen) noch »in echt« umsetzten. Nicht, weil wir uns so gerne die Finger verbrennen oder abhacken, sondern weil wir der Kunst des Compositings einfach nicht gewachsen sind. Mangelnde Kompetenz in einem Team, in dem niemand die Zeit und Muße hat, sich Animationsskills anzueignen.

Weil wir im neuen Projekt unbedingt Einstellungen haben wollen, für die animierte Effekte wichtig sind, lag’s nahe, das Team zu vergrößern. Jetzt macht ein pfiffiger Mediengestalter-Azubi mit, der für uns zum Einstieg einen beeindruckenden Kameraflug über die nächtliche Stadt animiert hat und seitdem immer aushilft, wenn eine Szene »doch cooler aussehen würde, wenn…« – so kommt’s dass unsere Kamera nun gerne mal durch ein Guckloch, eine Wand, eine Scheibe fliegt, oder es beim inszenierten Autounfall umso mehr scheppert. Nachdem wir unlängst den Feinschliff an dem Kurzfilm Autorenkummer fertiggestellt und ihn mittlerweile unter anderem zu Festivals in Detmold und Oberhausen eingereicht haben, steht nun der nächste große Schritt an, nämlich der übrige Teil von Wir drehen uns, in dem es noch einige VFX-Baustellen zu beackern gibt.

Nicht zuletzt gibt es organisatorisch im Hintergrund zurzeit reichlich viel zu tun. So machen wir gerade einen Skaterpark und eine Eissporthalle als Drehorte klar, sind in konkreten Gesprächen über einen Krankenwagen samt Sanitäter-Team für einen spektakulären Action-Einsatz, suchen fleißig nach einer Möglichkeit, möglichst kostengünstig oder gar für lau einen Drohnen-Einsatz für einen Draußen-am-See-Dreh zu realisieren und planen den nächsten Drehtag, denn nach dem Spiel ist bekanntlich vor dem Spiel. Man darf nicht darüber nachdenken, wie viel Energie man in solch ein haarsträubend aufwändiges Projekt steckt – einfach machen, immer einfach machen.

Voraussichtlicher Drehschluss: Juli 2013
Inzwischen haben wir neben den stetig laufenden Dreharbeiten auch schon einiges ins Rollen gebracht. Das Schnittpult wurde aufgerüstet, um der Datenmenge Herr zu werden, der Rohschnitt läuft parallel zum Dreh. Sogar die Filmmusik steht uns schon zur Verfügung. In den letzten Jahren haben wir die Mucke überwiegend selbst gemacht – dank einiger Multitalente in unserer Gruppe. Doch beim aktuellen Projekt unterstützt uns die Band The Roads Of Excess mit einem breiten Repertoire an Songs, die sich im Rohschnitt schon als großartig passend zu der in Wir drehen uns erzählten Geschichte erwiesen haben. Wenn man so will, ist der Film ein bisschen autobiographisch. Die Clique, die sich rund um die störrische Leistungsschülerin versammelt, ähnelt ein bisschen der Clique, die sich vor sechs Jahren versammelte.

Wie es vorerst weitergeht: Ein Hauptdarsteller ist nach Amsterdam gezogen und kann nur noch einmal im Monat rüberkommen. Andere haben ihr Abitur jetzt im Sack und verteilen sich fröhlich über Nordrhein-Westfalen. Die Planung wird zunehmend schwieriger, zumal ich selbst im »Stress« der Filmhochschul-Bewerbungen noch weitere Kurzfilm-Projekte unter der Woche umsetzen will (siehe: Frohzusein, Fremdweh, Wo wir weinen). Trotz alledem finden wir uns an den Wochenende immer wieder unbeirrt in unserer Heimatstadt zusammen – dem beschaulichen, münsterländischen Bocholt, das uns als Kulisse dient. Dort drehen wir das Ding, komme was wolle, bis zur letzten Klappe, die dann hoffentlich im Juni 2013 fällt. Es wird ein Film mit Herz und Seele, mit Lokalkolorit und dem Ziel, eine schöne Erinnerung an die vielleicht beste Zeit unseres Lebens zu haben. Von 2007 bis heute. Zwischen jetzt und was da komme.

Hach ja… der Hang zur dramatischen Schreibe ist mir seither kaum abgegangen. Hin und wieder trägt man einfach gerne dick auf. Genug um den heißen Brei und das »Hinter den Kulissen« geschrieben. Jetzt geht’s ans Eingemachte:

Wir drehen uns – zum Inhalt

Synopsis: In der Schule herrscht Endzeitstimmung. Das Abitur steht vor der Tür und Joseph läuft die Zeit davon: Bald geht seine große Liebe Melanie ins Ausland. Wenn er es nicht schafft, sie vorher von sich zu überzeugen, bricht seine Welt zusammen. Als Mitschülerin Maya einen Film drehen will und einige Jungs und Mädels aus der Stufe zum Projekt überredet, sieht Jo darin seine letzte Chance. Indes wird der Physiklehrer Herr Thorwald beschuldigt, Kameras auf den Schülertoiletten installiert zu haben.

Den gesamten Film gibt es bei nrwision.tv, dem TV-Lernsender für Nordrhein-Westfalen, zu sehen – und gleich hier: