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ACT A HOOL mit Benita Sarah Bailey | Kurzfilm 2017 | Kritik, Review

Zuletzt aktualisiert am 26. Mai 2018 um 9:52

Eine schwarze Frau hastet durch den Wald. Verfolgt wird sie von einem Jeep, auf dem vier weiße Hools jodeln. Einer hält seinen Baseballschläger und ein anderer umarmt seine Freundin, auf deren Jacke »White SS« geschrieben steht. Beim ersten Mal sehen hab ich »Witness« gelesen – und auch a bissel amüsant gefunden. Wobei einem das Schmunzeln im Halse stecken bleiben sollte, angesichts der rohen Gewalt, die sich da ihren Weg bahnt. Ach ja, und dann erfährt man noch, dass die Szene im Jahr 2073 spielen soll. Ein kleiner Beitrag zum Kurzfilm Act A Hool (2017).

Ist schwierig, über einen fünfeinhalb-minütigen Film zu schreiben, ohne dabei zu spoilern. Also bitte: Erstmal Act A Hool anschauen, so viel Zeit muss sein.

Germany 2073

Die Zwischentitel von Act A Hool dienen zur unmissverständlichen Exposition:

Germany, 2073 / Rightwing hooligans forced a civil war… / …and let dissidents and migrants become hunted refugees.

Das ist, von einer Gegenwart ausgehend, in der hierzulande fast täglich Asylbewerberheime attackiert werden und in Übersee aufmarschierende Neonazis ihren Präsidenten feiern, nur konsequent weitergedacht. Die technologische Entwicklung und den ganzen Bums mal außen vorgelassen. Nach der kurzen Einführung erwartet man ein kurzes dystopisches Stück darüber, wie scheiße alles geworden ist. Eine Warnung sozusagen. Ne gute Nuance düsterer, als Martin Walker die Zukunft gezeichnet hat, in seinem Buch Germany 2064 (hier gehts zum Buchtipp).

Kieselschrott, dazu der Schriftzug: Kurzfilmtipp, Act A Hool

So ernst nimmt sich der Film dann zum Glück doch nicht. Es gibt einen Bruch und alles löst sich in absurdem Wohlgefallen auf. Ist das realistisch? Am Ende nicht mehr wichtig. Kubricksche Droogs ergreifen vor Vampirjägern die Flucht, so könnte man den zweiten Akt pitchen. Gedreht wurde das Ding von Babelsberger Filmstudenten (das sind, wie Aacher Printen oder Königsberger Klopse, die richtig Guten unter ihresgleichen, Gütesiegel!)

Präsentiert wird der Film Act A Hool auf dem Portal www.dieweltdiewirunswuenschen.de, als einer der »Filme zur großen Vermächtnisstudie«. Was ist die Vermächtnisstudie? Ein Katalog an Fragen über das Leben von morgen. Gestellt von DIE ZEIT, infas und WZB an rund 3000 repräsentativ ausgewählte Menschen in Deutschland (vermutlich: eine Punkerin, ein Jude, eine Muslima… jetzt ergibt alles einen Sinn). Der Befragung fand bereits im Jahr 2015 statt. Wer Laune hat, sich ins Thema zu lesen: Das Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung bietet diverse Informationen zur Vermächtnisstudie auf einen Blick.

Grundgesetz 4.0 in Act A Hool

You should embrace your contradictions. […]
There’s a beauty in contradictions.
– Benita Sarah Bailey

Bei einem (für einen so kurzen Film) so großen Ensemble gibt es viele Helden. Doch als Hauptdarstellerin von Act A Hool sticht zweifellos Benita Sarah Bailey hervor, die mit Insbrunst das Grundgesetz verliest – herrliche Szene. Die Schauspielerin und Weltbürgerin (geboren: Thüringen, daheim: anscheinend überall) ist auch jenseits der Rolle, die sie in diesem Film spielt, von der Flüchtlingsthematik ergriffen. Wer sich ein Bild von der Person hinter der Rolle machen möchte, hier stellt sich Benita selbst vor. Und streichelt Kakteen. Zum feierlichen Abschluss, nochmal zu Mitlesen, Artikel 4 aus dem Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland:

(1) Die Freiheit des Glaubens, des Gewissens und die Freiheit des religiösen und weltanschaulichen Bekenntnisses sind unverletzlich.
(2) Die ungestörte Religionsausübung wird gewährleistet.
(3) Niemand darf gegen sein Gewissen zum Kriegsdienst mit der Waffe gezwungen werden. Das Nähere regelt ein Bundesgesetz.

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