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Polizeigewalt in Amerika: In Gedenken an Philando Castile

In Amerika ging es massiv durch die Nachrichten, mit drastischem Bildmaterial. Diese Bilder wurden schon während des Vorfalls am 6. Juli 2016 live via Facebook verbreitet. Ein Jahr später hat die Polizei nun weiteres Videomaterial veröffentlicht. Es geht um den Tod des Familienvaters Philando Castile durch erschütternd stumpfsinnige Polizeigewalt. Was ist passiert?

Ein abstrakter Hintergrund, dazu der Text: Gedenken wir Philando Castile.

Die Angst vorm schwarzen Mann

Verkehrskontrolle. Ein schwarzer Mann sitzt am Steuer seines Autos. Neben ihm sitzt seine Frau, auf der Rückbank ihre gemeinsame 4-jährige Tochter. Bei einer Kontrolle tritt ein Polizist an den Wagen heran und fragt:

Die letzten Worte von Philando Castile

Polizist: Haben Sie Ihren Führerschein und die Versicherungspapiere?
Philando Castile: Sir, ich muss Ihnen sagen, ich habe eine-
Polizist: Okay.
Philando: -Handfeuerwaffe dabei.
Polizist: Okay. Dann greifen Sie nicht danach.
Philando: Ich-, ich-
Polizist: Holen Sie sie nicht raus.
Philando: Ich hole sie nicht raus.
Philandos Frau: Er holt sie nicht raus.
Polizist: Holen Sie sie nicht raus!

Der Polizist schießt mehrmals auf Philando Castile. Seine Tochter auf der Rückbank öffnet die Seitentür. Während der Schütze die Mutter anschreit, entfernt sein Kollege das Kind vom Tatort. Hier sind die Gedanken von Trevor Noah zum Tod von Philando Castile:

Ein Akt der Selbstverteidigung?

Unter dem YouTube-Video findet sich der folgender Kommentar eines Users mit dem etwas anrüchigen Namen @sucksqueezebangblow. Er schreibt (übersetzt aus dem Englischen):
Ich bin ein Anwalt in Südafrika und möchte hier einen scheinbar kleinen, aber wichtigen Unterschied zwischen den Gesetzen in Südafrika und den USA erläutern. In den Staaten ist die Rechtfertigung von Selbstverteidigung subjektiv (etwa basierend darauf, ob sich jemand bedroht fühlt). In Südafrika hingegen muss die Rechtfertigung von objektiven Kriterien gestützt werden (basierend auf tatsächlichen Gegebenheiten).
Würde die Rechtfertigung von Selbstverteidigung in den USA von objektiven Kriterien abhängen, müsste der Polizist verurteilt werden, wegen Mordes. Denn bei Betrachtung der Tatsachen war er in keiner direkten Gefahr. Nach einer Waffe greifen oder sie (von einer anderen Person abgewendet) halten, ist kein ausreichendes Kriterium, um Selbstverteidigung zu rechtfertigen. Ihr Leben muss unmittelbar in Gefahr sein.
Das ist ein großes Problem im amerikanischen Gesetz. Denn es erlaubt eine derart weite Interpretation, dass dieses Szenario im Rahmen geltender Gesetze gerechtfertigt ist. Der subjektive Maßstab, der heute in Amerika angewendet wird, öffnet Manipulationen Tür und Tor. Ein Beschuldigter kann einfach darlegen, wie sehr er sich bedroht gefühlt hat. Fakten lügen nicht, aber Gefühle sind willfährig. Dieses Gesetz hinsichtlich Selbstverteidigung in Amerika hat mich immer verblüfft, weil es so offensichtlich fehlerhaft ist.

Nachtrag: Im Mai 2018 hat der Rapper Childish Gambino das bemerkenswertes Musikvideo This Is America zum Thema Waffengewalt veröffentlicht. Mehr dazu im Blogbeitrag: Tanze, wenn es nicht zum Lachen reicht

 

 

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