Dreharbeiten Film Schauspiel

Impressionen aus Preußen

Zuletzt aktualisiert am 28. März 2018 um 20:25

Zurück aus dem Jahr 1871 und der vernebelten Kneipe mit dem Apfelsaft-Bier. Ob sich Gustav, der preußische Soldat, und Clara, die westfälische Wirtin, am Ende gekriegt haben? Diese etwas soapige Frage wird die hoffentlich gar nicht soapige Webserie Preußen & Westfalen beantworten, die Regisseur Mark Lorei dort inszeniert hat. Als fleißiger Setfotograf habe ich von meiner Zeitreise ein paar Impressionen mitgebracht. Nachfolgend ein Blick auf das ungleiche Paar Gustav & Clara.

Schauspieler Wolf Danny Homann und Schauspielerin Stephanie Jost, dazu der Text: Impressionen aus Preußen

Bunt zusammengewürfelt war’s, das Filmteam. Und doch hat es auf der Fachwerkhofanlage Pöpping – unserem bemerkenswerten Drehort, von dem ich bereits berichtete – eine effiziente Eigendynamik entwickelt. Es galt das Kunststück zu meistern, den fiktiv-narrativen Teil einer halbdokumentarischen Webserie abzudrehen, innerhalb von vier Tagen. Dazu mussten die Schauspieler – in den Hauptrollen Wolf Danny Homann und Stephanie Jost – in wenigen Takes und einem Korsett aus wohlgesetzter Licht- und Kameratechnik möglichst auf den Punkt genau spielen. Wie an so vielen historischen Filmsets war es ein herrlicher Kontrast: Auf der einen Seite gleitet der Kameradolly mit der stattlichen ARRI Alexa über die Schienen, flankiert von Lichtsoftboxen und dem Tonmann – auf der anderen Seite wird Pumpernickel serviert und die Errungenschaften Friedrichs des Großen gestritten. Gestatten, die Streithähne aus Preußen & Westfalen:

Gustav und Clara

Webserie »Preußen & Westfalen«

Rechts sehen wir, mit Kreuz, Dutt und Schürze, die Wirtin Clara. Links, mit Bart und Schnapsglas, den Soldaten Gustav – kurz vor Abschluss seines Studiums in Berlin eingezogen, um gegen Frankreich ins Feld zu ziehen. Dass er, gerade aus dem Krieg zurück, so mustergültig angezogen ist, hat seine historische Richtigkeit. Denn natürlich wurden die Soldaten nicht in von Kämpfen zerfetzten Lumpen nach Preußen heimgeschickt. Bevor sie auf die Bevölkerung trafen, statteten die preußischen Autoritäten ihr Fußvolk mit neuen Uniformen aus. Die Sieger sollten schließlich wie Sieger in Erscheinung treten.

Fotografie im Jahr 1871

Tatsächlich gibt es aus 1871 schon Fotografien. Wenige Jahre zuvor war gar ein Durchbruch in der Farbfotografie erzielt worden, von dem Fotopionier Louis Ducos du Hauron. Während sich diese Technik jedoch erst einmal ihren Weg bahnen und etablieren musste, war Schwarzweiß-Fotografie bereits weiter verbreitet. Hier einmal das Bild eines Preußen-Soldaten aus dem Jahr 1871 – und unser Preußen-Soldat aus dem Jahr 2018.

Der Schauspieler Wolf Danny Homann, geboren 1990, ist mit seinen 1,85 Metern Körpergröße und athletischer Statur in der Uniform so preußisch, wie’s eben geht. Er hatte sichtlich seinen Spaß daran, den stolzer Berliner Jung zu verkörpern, der sich in der Tradition jener Soldaten fühlt, die einst den großen Napoleon I. zu Fall brachten. Frisch aus dem neuerlichen Deutsch-Französischen Krieg zurückgekehrt, verteidigt er noch immer das Vaterland – gegen die respektlosen Sprüche einer Wirtin und Witwe.

Die Schauspielerin Stephanie Jost aus Köln hat sich für ihre Rolle mit dem westfälischen Dialekt jener Zeit auseinandergesetzt (der übrigens nicht anders klingt, als das Plattdeutsch meiner Großeltern, die aus der Ecke stammen). Nachdem ich bereits das Vergnügen hat, in diversen Kurzfilmprojekten mit Stephanie Jost zusammenzuarbeiten, habe ich bei diesem Dreh völlig neue Facetten von ihr gesehen. Mal ganz abgesehen vom offensichtlich, etwas aus der Zeit gefallenen Gewand. Zuletzt hat die Schauspielerin in dem Kurzfilm JAW CHILLI für mich vor der Kamera gestanden, im Brautkleid zwar, aber durchaus zeitgenössisch. Für Preußen & Westfalen trat Stephanie in schlichter Alltagsgarderobe aus dem 19. Jahrhundert in Erscheinung.

Webserie »Preußen & Westfalen«

Impressionen aus Preußen

Weitere Impressionen vom Filmset Preußen & Westfalen habe ich im Flickr-Album zusammengestellt. Zu guter Letzt, ein Blick aufs gesamte Team vor und hinter der Kamera unserer historischen Webserie. Über deren weiteren Werdegang werde ich hier gewissenhaft berichten. So ein bisschen Geschichte zwischendurch, das tut ja bekanntlich nicht schaden. Tschö!

Webserie »Preußen & Westfalen«

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