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EINER NACH DEM ANDEREN | Film 2014 | Kritik, Review

2017 kamen die News zum Remake ins Rollen: In der amerikanischen Neuverfilmung des norwegischen Kritikerlieblings Einer nach dem anderen (2014) solle niemand geringerer als Haudegen Liam Neeson die Hauptrolle übernehmen, schrieb Deadline Hollywood. Dieses Remake – mit dem Titel Hard Powder und Emmy Rossum in der weiblichen Hauptrolle – wird nicht mehr lange auf sich warten lassen. Bis dahin nehmen wir nochmal das Original in den Blick.

Gastbeitrag von Markus Hurnik

Hinweis: Liebe Leser*innen, dieser Beitrag enthält keine Spoiler. Aktuelle legale Streamingangebote findet ihr bei JustWatch.

Nordisches Feuerwerk der Gewalt

Das nordische Kino ist für mich ein wahrer Fundus an wunderbaren Thematiken und tiefgründigen, aber häufig auch depressiven Perspektiven, die einen selten vollkommen loslassen. Erste Berührungspunkte hatte ich während meiner Sneak-Besuche im Titania Palast Berlin – immer montags um 23 Uhr. Hier liefen mir zuerst mit So finster die Nacht (2008) und Helden des Polarkreises (2010) zwei nordische Filme aus vollkommen unterschiedlichen Genres über den Weg, aber beide spannend und begeisternd.

Ein Mann in der Badewanne, Standbild aus dem norwegischen Film Einer nach dem anderen

 

Rachefeldzug auf der Berlinale

2014 schließlich kam der Film Kraftidioten, beziehungsweise (neuer Verleihtitel:) Einer nach dem anderen als Wettbewerbsfilm der Berlinale zu uns. Dieses Werk dreht sich um die Frage: Wie geht ein Vater, der seinen Sohn an das organisierte Verbrechen verloren hat, gegen die nordischen Mafia-Clans vor?

Der Regisseur Hans Petter Moland hat diesen Stoff in seinem schwarzhumorigen und wenig zimperlichen Film verarbeitet. Einer nach dem anderen zeigt das Feuerwerk eines Rachefeldzuges, tiefschwarzen Humor und nordisch angehauchte Depressivität. Ein schönes Wintersetting gibt ihm einen wunderbaren Look.

Zum Inhalt

Die Mafia hat Nil Dickmanns Sohn aufgrund seiner kleinen Geschäfte liquidiert. Die Polizei entschließt sich dazu, nicht weiter zu ermitteln, da sie den Sohn als drogenabhängigen Kleinkriminellen betrachtet. Da entscheidet sich der Vater zu seinem Rachefeldzug gegen die norwegische Mafia.

Filmtipp: Apropos Vater, der auf Rache setzt – um eine Mutter, die Gerechtigkeit auf anderem Wege sucht, geht’s in dem Film Three Billboards Outside Ebbing, Missouri.

Kill Bill trifft Mafiakomödie

In Einer nach dem anderen hat sich Moland zu einem wunderbar abstrusen Setting hinreißen lassen, das eine Mischung aus Kill Bill im Norden und Mafiakömodie darstellt. Jede Station des Rachefeldzugs hat dabei ihre eigene Romantik und jeder Tote wird auch ganz besonders bedacht. Dazu kommt das Verwirrspiel zwischen den Parteien, da selbstverständlich ein rachesuchender Vater nicht das Idealbild eines Kontrahenten der Mafia darstellt. Ein bisschen Sozialkritik wird zwischen all den Morden in Einer nach dem Anderen auch platziert. Dabei wird die offene Gesellschaftsstruktur der nordischen Länder an manchen Stellen durchaus recht zynisch betrachtet.

Insgesamt zeigt er Film Einer nach dem anderen ein nordisches Feuerwerk der Gewalt, und nimmt es mit politischer Korrektheit nicht allzu genau. Leider zeigt er auch zeitweise gewisse Längen, insbesondere wenn der Regisseur in einzelnen Abschnitten das Tempo zu sehr herausnimmt. Nichtsdestotrotz ein sehr unterhaltsamer Film mit schön gezeichneten Charakteren, der 2014 zu Recht einer der guten Wettbewerbsfilme der Berlinale war.

Fazit zu Einer nach dem anderen

Ein ruhiger Abend, ein schwarzes Bier für die dunkle Seele und auf geht’s in den schwarzhumorigen Norden mit ein bisschen Depression, Tod, harten, kantigen Charakteren und Kritik an der nordischen politischen Korrektheit.


Zum Autor

Markus Hurnik (28), langjähriger Berliner und Vorortbewohner, den es beruflich inzwischen zunehmend in sächsische Gefilde verschlägt. Er hat in seinen frühen Jahren für die Verlagsgruppe Randomhouse Jugendbücher rezensiert und kam Anfang der 2000 vermehrt in das Kino und wurde filmabhängig. Studiert hat er etwas vollkommen Kunstfernes, vis-à-vis der Filmstudios Babelsberg.

Stammkino: Cineplex Titania Palast, Berlin
Lieblingskinos: Programmkino Ost, Dresden Thalia, Potsdam
Lieblingsfilme (eine Auswahl): La Grande Bellezza, Metropolis, Three Billboards Outside Ebbing, Missouri, Wall- E, Train to Busan

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