Film

AMERICAN BEAUTY mit Thora Birch, Mena Suvari | Film 1999 | Kritik, Review

Zuletzt aktualisiert am 31. Juli 2018 um 20:31

Es gibt ein paar Filmfiguren, deren Bekanntschaft man gemacht haben sollte. Dazu gehören unter anderem ein ambitionierter Läufer namens Forrest Gump, die junge Wal-Reiterin Paikea und ein frustrierter Mittvierziger, der sich allmorgendlich unter der Dusche einen runterholt und das den Höhepunkt seines Tages nennt. Dessen Name ist Lester Burnham. Und in weniger als einem Jahr wird er tot sein. Mit dieser Info aus dem Off begrüßt er seine Zuschauer*innen zu Beginn von American Beauty. In den folgenden 117 Minuten sorgt er dafür, sich für sein Publikum unsterblich zu machen, als rebellischer Held im Kampf gegen die Midlife Crisis.

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Die Schauspielerinnen Mena Suvari und Thora Birch in einem Standbild aus dem Film American Beauty. | Bild: Dreamworks

Das dumme, kleine Leben

Der Grund für Lesters Burnhams Midlife Crisis die allgemeine Unzufriedenheit. Über seinen beschissenen Job, die lieblose Ehe und das kaputte Verhältnis zur eigenen Tochter (großartig abgefuckt: Thora Birch). Der Auslöser ist deren Freundin Angela (Mena Suvari), die er bei einer Schulveranstaltung kennenlernt. Als Cheerleaderin. Ihre packende Performance liefert reichlich Stoff für feuchte Träume und eine grundlegende Selbst-Restauration. Diese hat Regisseur Sam Mendes, der bis dato überwiegend beim Theater arbeitete, derart grandios in Szene gesetzt, dass er und der Drehbuchautor Alan Ball (der die Ideen zu den Serien Six Feet Under und True Blood lieferte – ein kreatives Köpfchen) praktisch von heute auf morgen berühmt wurden. Nicht zuletzt 5 Oscars haben dazu beigetragen.

Vom Alltag zur Parodie und zurück

Wer das amerikanische Vorstadt-Leben als Fassade für tiefgründige psychische Probleme dank der Serie Desperate Housewives für breitgetreten und ausgelutscht hält, sollte einen Blick riskieren. Hier kann man sich davon überzeugen lassen, dass die Kopie zwar nicht schlecht, das Original aber doch um Längen genialer ist. American Beauty lebt neben einem Haufen verschrobener Figuren (die fast nie oberflächlich geraten) von Dialogen, die es in sich haben. Lesters Gespräch mit seinem neuen Boss zum Beispiel, das sich von einer Quasi-Kündigung zu einer Erpressung entwickelt. Oder jeder Streit zwischen den Eheleuten Burnham sprühen nur so vor Schlagfertigkeit und einer aberwitzigen Authentizität. Von den Problemen, die jede*r kennt, zu deren Parodie und wieder zurück.

DVD-Cover zu American Beauty
Lang ist’s her… am 10. April 2006 in einem Saturn-Markt in Essen erstanden: American Beauty als DVD

Dieser Film kann weh tun, wenn sich Zuschauer*innen dabei ertappt, selbst in einer solchen Pseudo-Idylle zu leben und sich damit arrangiert zu haben. Anstatt wie Lester den Schritt zurück zu wagen – denn ein Coming-Of-Age-Film funktioniert in beide Richtungen. Der Held cancelt seinen Job für eine Anstellung als Frikadellen-Wender bei einer Fast-Food-Kette, er verpulvert seine erpresste Abfindung für den Sportwagen, den er sich schon immer wünschte und will zu seiner jugendlichen Fitness zurückfinden, um dem anderen Geschlecht zu gefallen. Dabei hält der Film stets die Balance zwischen Screwball-Komödie und Drama.

Fazit zu American Beauty

Am Ende fühlt sich American Beauty an wie eine Erkenntnis. Wie eine spannende Erfahrung, zu der man nach einem Gefühlsdusel aus schwarzhumorigen Sarkasmen und nostalgischer Rührseligkeit gekommen ist. Sehr sehenswert!

Zu guter Letzt, hier das schönste Footage, das die Filmfigur Ricky Fitts (gespielt von Wes Bentley) je mit dem Camcorder gedreht hat: die berühmte Plastiktüte – begleitet vom American Beauty Score von Thomas Newman:


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