Film

EXIT THROUGH THE GIFT SHOP | Film 2010 | Kritik, Review

Zuletzt aktualisiert am 20. August 2018 um 19:31

»I used to encourage everyone I knew to make art; I don’t do that so much anymore.« | Banksy. Ich bin ja nicht leicht zu begeistern, aber… gut, das ist gelogen. Big time. Eher kenne ich keine gemäßigte Reaktion zwischen Gleichgültigkeit und Enthusiasmus. Als ich gestern Nacht Exit Through the Gift Shop gesehen habe, saß ich durchgestreckten Rückens auf dem Sofa und hab Tränen gelacht. So etwas Großartiges hatte ich nicht erwartet.

Eine Doku über Banksy, die Geschichte der Straßenkunst, irgendwie sowas… war’s ja auch. Aber die zentrale Figur von Exit Through the Gift Shop war doch – ob sie nun real oder fiktiv ist – der Autobiograf, Kameramann, Komplize, Instant-Kunstking und Vollbut-Verrückte (I do mean that in a good way!) Thierry Guetta. Wie gerne würde ich dessen Rohschnitt von Life remote control, dem Film-im-Film, in voller Länge sehen. Die Viertelstunde, die ich bei YouTube gefunden habe, begeistert mich. Vielleicht existiert gar nicht mehr. Vielleicht ist das alles Teil eines „hilarious prank“ – doch das macht nicht die vielen schönen, kleinen Momente und Wahrheiten weg, die darin zu finden sind. Life remote control ist Brandon Stanton (HONY) mit einer Filmkamera. Auf Speed.

Müllcontainer und Graffiti von Mädchen mit Maschinengewehren, dazu der Text: Exit Through the Gift Shop

What would I change? … I would change people’s hearts.
– some guy

For the love of Schrott

Thierry Guetta ist der Katalysator, der Antrieb, der Exit Through the Gift Shop auf Vollgas bringt; ein Mann ohne innere Ruhe, der mich an das Buch Electroboy (2003) erinnert – immer auf der Suche und unter Künstlern gut aufgehoben. Er dreht und dreht und dreht, durch die Nächte, auf den Dächern, immer unter Strom, begegnet Banksy, filmt ihm, hilft ihm, schneidet ihm einen Film zusammen (Bilderflash „Life remote control“ ist geboren) – und hier nimmt Exit Through the Gift Shop eine Wende.

„It was at that point that I realized that maybe Thierry wasn’t actually a film maker, and he was maybe just someone with mental problems who happened to have a camera.“
– Banksy

Von da an übernimmt Banksy den Film, überlässt Guetta die Kunst und das Ergebnis ist irre. Ist das das treffendste Wort? Joa. Irre komisch. Irre beeindruckend. Und das Beste: Druff jeschissen, ob’s Documentary oder Mockumentary ist, es funktioniert both ways! Denglish off.

Fazit zu Exit Through the Gift Shop

Ist Exit Through the Gift Shop eine Mock, dürfte Banksys Intention gewesen sein, uns mit der inszenierten Karriere von Guetta einmal mehr aufzuzeigen, dass bedeutungsloser Popschrott von geneigten Intellektuellen oder schlicht Fans bunter Bilder als hohe Kunst gefeiert wird/werden kann. Ist das nötig? Wurde schon hunderttausendmal festgestellt; aber die Art und Weise, die rockt. Was mir an Kunst gefällt, ist, dass sie einfach sein kann, was sie ist, was sie will, das sie gar nicht erst versuchen muss, sich oder dem eigenen oder dem großen, ganzen Leben einen Sinn zu geben. Kunst ist Kunst ist Schrott ist Kunst ist dumm ist klug ist mies ist schön. Jeder Mensch ist ein Kunstwerk, sagt man doch. Wir sollten jedes Kunstwerk wie einen Menschen behandeln. Respektieren. Bei Nichtgefallen ignorieren. Ach herrjeee… in welche Blümchenwelt hat sich mein Hirn denn da verrannt?

Bin wieder da. Ich empfehle den Film Exit Through the Gift Shop und beende die Empfehlung.

Weitere Filmkritiken:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.