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Kategorie: Tagebuch

Rehe im Schilf

Die Autofahrt vom Süden her zum Schwedtsee hin führt durch idyllische Alleen, eine Auf- und Abwärtsfahrt durch bewaldetes Land. Vom Nordufer des Sees dann sieht man zur Linken den Ort Ravensbrück, ein Kirchturm sticht hervor, und am rechten Ufer eine hohe Mauer. Wer näher herangeht, sieht den Stacheldraht. Noch ein bisschen näher ran und man liest Ländernamen, die in metallenen Buchstaben an der Wand prangen: Albanien, Belgien, Deutschland, Frankreich, Polen und mehr. Am Rande der Mauer, wo selbige zwischen Bäumen verschwindet, hängen Gedenktafeln für einzelne Personen und ganze Personengruppen. Es ist kein Friedhof, denn friedlich ruhen sie hier nicht, die…

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All der Fragen rote Faden

Vor knapp zwei Jahren, im Mai 2014, habe ich „Shoah“ erstmals gesehen. „Ich bin der festen Überzeugung, dass >Shoah< jeden Zuschauer verändert. Man wird gewissermaßen von >Shoah< markiert“, sagt Regisseur Claude Lanzmann über diesen seinen Film und in meinem Fall kann ich ihm zustimmen: Für mich gibt es ein Davor und Danach, ein Immer-wieder-daran-denken, ein Nicht-mehr-loslassen. Damals schrieb ich: Wie kann ich – 25 Jahre alt und in Deutschland aufgewachsen – nicht längst von diesem Film gehört haben? Wie kann es sein, dass ich ihn bis vor wenigen Tagen noch nicht gesehen habe? Und wie kann es sein, dass “Shoah” weder in…

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Angst vor allen Anderen

„There is no terror in the bang, only in the anticipation of it.“ Das hat Hitchcock gesagt. Bei Terror denke ich an Sprengstoffwesten. Maschinengewehre in zivilem Umfeld. Hitchcock sprach von Schrecken. Von extreme fear. Die Angst, die nicht vom Knall selbst herrührt, sondern von der Erwartung desselben . Die Angst, die man nach den Paris Attacks gespürt hat. Die Angst, die unser master of suspense, De Maiziere, so öffentlichkeitswirksam gestreut hat, dass der schwarzhumorige Hitchcock applaudiert hätte. Eigentlich wollte ich diesen Beitrag (seit Monaten schlummert der Entwurf im Backend) anlässlich der Attentate veröffentlichen. Dann erschien es mir banal und blöd…

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Der Sinn, der Sinn, das windige Ding

Was ist der Sinn des Lebens? – ein Buch „Ratgeber“, das ist so ein Literaturgenre, mit dem ich mich nur schwer anfreunden kann. Sachbücher, Fachbücher, gerne, jemand breitet sein Wissen vor mir aus und ich kann es aufsaugen, hinnehmen, überprüfen, anzweifeln, wiedergeben, als meines verkaufen… Ratgeber geben letztlich auch nur Wissen wieder – beziehungsweise „Wissen“ (denn mal ehrlich, was gesund oder ungesund ist, wird alle paar Jahre neu definiert, was glücklich oder erfolgreich macht, ist irgendwie subjektiv…). Es ist der imperative Tonfall, der mich an den meisten Ratgebern nervt (wohlgemerkt nicht genug, als dass ich keine mehr lesen würde). Immer so: Mach…

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KaTicTacToelisch

Der einzige Nominierte für die Kategorie „Bester Film“, den ich nicht vor der Verleihung Ende Februar gesehen habe. Natürlich bekam er den Oscar. Sonntag erst hat es mich ins Kino verschlagen: Licht aus, „Spotlight“ an. Nicht nur der Goldjunge machte mich neugierig, auch und insbesondere der ProPublica-Artikel „Spotlight“ gets investigative journalism right. So so. Ja ja. Mal sehen. Jetzt habe ich den Film gesehen, aber woher soll ich wissen, was in Sachen investigativer Journalismus right ist? Da geht es mir wie DiCaprio, der nach der Oscar-Verleihung gefragt wird, ob er seine Trophäe jedes Jahr gravieren lässt: „I wouldn’t know.“ „Spotlight“ erzählt die Geschichte des gleichnamigen…

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Gedanken zum Glück

“Past a certain age, a man without a family can be a bad thing.“ – Martin Hart (Woody Harrelson) in “True Detective” (2011) Dieses Interview mit Herrn Vaillant geht mir nicht aus dem Kopf. Ein Professor, der eine Studie betreut, deren Ziel es ist, eine Art Glücksformel zu finden. Oder so. Über 200 Menschen standen und stehen im Fokus dieser Studie, seit über 70 Jahren – eine lange Zeit in vielen Leben, da kann eine Menge passieren. Wer ist am Ende glücklich, wer ist es nicht? Manche sind gestorben. Andere abgestürzt. Ist Glück kurzweilig oder langatmig, dasselbe wie Zufriedenheit, oder…

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Death in an eggshell

Videotipps: Peter Gabriel – Fade Out (A Dove Requiem) & Radiohead – Street Spirit (Fade Out) Ein fünfminütiges Video über eine sterbende Taube, dazu der Radiohead-Song „Street Spirit (Fade Out)“ in einer Cover-Version von Peter Gabriel. „Cracked eggs, dead birds | Scream as they fight for life„, singt er, und man sieht das übergroße Taubenauge unter einem zuckenden Lid; wildes Geflatter so nah, dass man sich fragt, ob der Vogel an der Kamera befestigt war; später Ameisen, die den Kadaver belagern, zerbeissen und abtragen, bis Gras über die Sache wächst. Ein Wesen stirbt, andere fressen, es grünt, die Welt dreht sich weiter. Was schert…

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Wach bleiben

“If it’s in a word, or it’s in a look, you can’t get rid of the Babadook.” – The Babadook (2014) Die Nacht birgt zwei Schrecken: Die Monster, die unter dem Bett hervorkriechen (oder einfach zur Tür hereinkommen), um sich über deinen reglosen Körper herzumachen. Und die Monster, die schon da sind, in deinem Kopf, dort das Kommando übernehmen, wenn die Gedanken dem Geträumten weichen. Da hilft nur: wach bleiben. Film- und Lesetipps: Der Kurzfilm „Monster“ von Jennifer Kent ist ein kleines Warm-Up zu dem innovativen Horrorstreifen „The Babadook“ aus 2014, den ich bisher erst einmal in einer muckeligen Dezember-Nacht gesehen habe…

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