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DER ALCHIMIST von Paulo Coelho | Buch 1988 | Kritik, Review

Zuletzt aktualisiert am 7. Juni 2018 um 20:09

»I recommend that you read The Alchemist«, eine Zeile aus dem Song Growing Up (2016) und die erste Buchempfehlung Ben Haggertys an seine damals neugeborene Tochter. Aber nein, ich bin nicht erst durch dessen Album auf dieses Buch aufmerksam geworden, das in scheinbar jedem zweiten Haushalt im Regal steht – sondern als ich merke, dass der Haushalt, in dem ich aufgewachsen bin, einer davon ist. Da lag es also, so mirnichts dirnichts, in meiner Hand…

In die Ferne schweift der Alchimist

Es ist ein dünnes Büchlein von Diogenes, dass einen durch ein entspanntes Wochenende begleiten mag. Man schlägt es auf, eines Freitags, und lernt Santiago kennen, einen Hirtenjungen. Zwischen seinen Schafen träumt er von einem Schatz in der Ferne – und bricht auf, ihn zu finden.

Jetzt beginne ich erst mit dem, was ich schon vor zehn Jahren hätte machen können. Aber ich bin froh, nicht zwanzig Jahre damit gewartet zu haben. – S. 116

Gedanken wie diese, von Wegbegleitern des Hirtenjungen, den es auf seiner Heldenreise von Andalusien in die Wüste Richtung Ägypten verschlägt, solche Gedanken sind es, in denen sich wohl jeder Leser wiederfindet. Mir erging es so und es würde mich nicht wundern, wenn darin die Magie dieses Büchleins liegt, das millionenfach gelesen wurde, ich Dutzenden von Sprachen.

Fun Fact: Die erste Auflage war ein Flop. 1988 wurden gerade mal 900 Exemplare gedruckt und verkauft und vergessen, so scheint es, denn danach war erst einmal Ruhe im Karton.

Es bedurfte erst eines zweiten brasilianischen Verlegers und schließlich eines amerikanischen Touristen, um diesem Buch zum Durchbruch zu verhelfen. Mehr Fun Facts findet ihr in dem schönen Artikel: 15 Things You Might Not Know About The Alchemist (englisch) von Alvin Ward.

[…] ich kenne die Weltenseele, denn wir unterhalten uns viel auf dieser endlosen Reise durch das Universum. Sie hat mir erzählt, ihr größtes Problem sei, daß bisher nur die Mineralien und die Pflanzen begriffen haben, daß alles ein einziges Ganzes ist. – S. 166

Was bleibt zu lernen, aus Der Alchimist? Außer, dass der Weg das Ziel ist? Mehr vielleicht gar nicht, wozu auch? Dieses Wochenende, an dem man es liest, ist Teil des Weges, den man im Leben geht, ein geruhsamer Teil, so wie Santiago viele Stunden auf einem Kamelrücken verbringt, grübelnd durch die Einöde getragen, allein mit seinen Gedanken… und wieder, ja, die Gedanken. Am Ende sind sie es, neben den amüsanten Begegnungen und Beobachtungen auf dieser kleinen Reise, die mir bleiben: Gedanken, die sich an mir festhalten (oder ich mich an ihnen?), wenn ich das Buch zur Seite legen und meinen Weg weitergehe, morgen ist Montag, neue Woche, neue Möglichkeiten… zu guter Letzt, ein arabisches Sprichwort, das besagt:

Alles, was dir einmal passiert, passiert möglicherweise nie wieder. Aber alles, was zweimal passiert, wird sicher auch ein drittes Mal passieren. – S. 172

Nichts als ein Vogelschiss

Der erste Gedanke, den mein hoffnungslos unromantisches Hirn dazu produziert: Was mir bis dato Prägnantes passiert ist, zweimal, das ist ein Vogelschiss auf meiner Schulter. Dann werde ich mal schön den Kopf in den Nacken legen, morgen, und den Mistviechern ausweichen.

Eine opulente Verfilmung, übrigens, lässt noch auf sich warten. Zuletzt war eine Adaption unter der Regie des Schauspielers Laurence Fishbourne im Gespräch. Coelho dazu: „Ich bin sehr glücklich, dass mein Buch auf eine Weise verfilmt wird, wie ich es mir vorgestellt hatte – ich hoffe, dass der Geist und die Einfachheit meines Werks erhalten bleibt.“ Problem könnte der Produzent sein, den der Autor für dieses Projekt im Sinn hatte, er wird weiter zitiert: „Ich freue mich, dass mein Freund Laurence Fishburne und Harvey Weinstein zusammenarbeiten werden.“ Das war 2008 (PR Newswire). Seitdem ist der Film nicht umgesetzt worden – und aktuell wird Harvey andere Probleme haben.

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