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MOND – EINE REISE DURCH DIE NACHT | Kinderbuch 2018 | Kritik

Nachts ist die Welt anders. Schatten werden zu Tieren, Träume vernebeln die Sinne und draußen, ja, was geschieht dort eigentlich in den Wäldern und Wüsten im Mondschein? In ihrem neuen Bilderbuch Mond – Eine Reise durch die Nacht nimmt Britta Teckentrup Groß und Klein mit auf (der Titel verrät es) eine Reise durch die Nacht.

Die Welt unterm Mond

Länger wach bleiben, bis die Welt in Dunkelheit getaucht ist. Wo das Leben plötzlich geheimnisvoll wird. Das ist für jedes Kind aufregend. Werden die Spielzeuge wie in Toy Story lebendig? Kommt uns Peter Pan abholen? Oder das Monster? Was nachts passiert, gehört für Kinder genauso zur Faszination wie die Unterwasserwelt. Kein Wunder, dass der Kinderbuchmarkt unzählige Titel rund um die zwielichtige Tageszeit bereithält. Britta Teckentrup reiht sich mit ein und erzählt, wo der Mond die Erde in sein Licht tunkt und welche Wesen keine Schäfchen zählen möchten.

Bloggerin Sonia Kansy mit dem Kinderbuch Mond – Eine Reise durch die Nacht von Britta Teckentrup

Zum Inhalt: »Hast du je darüber nachgedacht, warum der Mond scheint in der Nacht?«, fragt die Erzähler*innenstimme und zeigt in poetischer Sprache und zauberhaften Bildern, wo und welchen Tieren der Mond seinen Schimmer schenkt. Die Reise durch die Nacht beginnt im Wald, dem Trendmotiv von 2017 und der Kindheitserinnerung der Autorin, die sich heute als Stadtkind bezeichnet.

Ich bin schon inspiriert von der Natur, aber mich zieht es nicht aufs Land. Vielleicht ist es so eine Sehnsucht von früher, da habe ich gegenüber von einem Wald gelebt. Es hat viel mit meiner Kindheit zu tun. | Britta Teckentrup im Gespräch mit Ute Wegmann (Deutschlandfunk)

Im Wald schillern uns Rentiere, Eulen und neugierige Füchse entgegen, die unter dem Mond zwischen Bäumen umherstreifen. Wir begleiten den Mond weiter auf seiner Reise um den Planeten und begegnen Skorpionen in der Wüste, Papageientauchern auf Eisschollen und etlichen Erdbewohnern, die zur späten Stunde an einem fernen Ort zum Leben erwachen. Müde vom ganzen Schauen und Staunen wird das Kind mit Mond – Eine Reise durch die Nacht zum Schluss in den Schlaf geleitet.

Zur Wirkung des Buchs

Wie bereits in ihrem letzten Bilderbuch Zusammen unter einem Himmel (2017) betreibt Teckentrup auch in Mond – Eine Reise durch die Nacht kein klassisches Storytelling. Anstelle einer Hauptfigur gibt es ein Hauptsymbol, das gleichzeitig den roten Faden spinnt. Dieses Mal ist es nicht der Himmel, sondern der Mond, ein häufiger Gast in Teckentrups Bilderbüchern. Jedoch ist der Mond als hübsche Perforation eher passiv, da er das Geschehen unter ihm lediglich beobachtet und beleuchtet. Seine Reise vollzieht sich zwar auf chronologische Weise. Beginnend mit der Mondsichel, die immer mehr an Volumen gewinnt, zum Vollmond aufblüht, im Neumond abkühlt und schließlich seine Bahnen als abnehmender Mond dreht.

Wo soll es eigentlich hingehen?

Was man in der Geschichte vermisst, ist eine konkrete Handlung, ein dramaturgischer Anker für die Kinder, der ihnen zeigt, wo das Ziel dieser Reise und der Geschichte liegt. Die Anfangsfrage an das Kind, warum der Mond in der Nacht scheint, bietet eine interaktive und vielversprechende Einleitung. Hier geht es um den Mond, warum und wie er scheint, oder? Nö. Zumindest erhalten die Leser keine Antwort auf das Warum, aber dafür auf das Wer. So schließt die Erzählung ab mit: »Jetzt weißt du, wer die ganze Welt nachts mit seinem Licht erhellt.«

Ohne eine fassbare Hauptfigur, mit der sich Kinder identifizieren können, und ohne den Bezug zum Lebensraum, könnte die emotionale Anteilnahme des Kindes an der Story zudem geringer ausfallen, als bei typischen Kinderbüchern. Was das Kind aber bei der Lesemotivation hält, ist das Spielerische, allen voran der perforierte, sich allmählich ändernde Mond.

Man nehme die Geheimzutat

Die wichtigste Zutat von Mond – Eine Reise durch die Nacht ist allerdings das Geheimnisvolle, ein bewährtes Motiv der Kinderliteratur. Dieses greift die Illustratorin auf und formt daraus einen Stoff, der zum Mitreimen und Träumen einlädt und die Kinder sanft auf die Nacht einstimmt. Mit starken Panoramabildern, entstanden durch die für Teckentrup typische Mischtechnik aus Collage und strukturiertem Papier, erschafft sie einen wahren Augenschmaus. Als Leser*in ist man aufgefordert, etwas aufmerksamer zu sein, da sich das Geschehen nicht in knalligen Farben wie bei Mies van Houts Überraschung!, sondern in dezenten, deckenden und nächtlichen Farben präsentiert. Das spiegelt sich auch im Text von Mond – Reise durch die Nacht nieder. Als Gutenachtgeschichte eine einwandfreie Empfehlung für kleine und zarte Kinder.

Fazit zu Mond – Eine Reise durch die Nacht

Mit Mond – Eine Reise durch die Nacht ist der renommierten Illustratorin Britta Teckentrup wieder einmal ein künstlerisches Bilderbuch gelungen, das sowohl für Kinder als auch für Erwachsene ein visuelles Highlight auf dem deutschen Kinderbuchmarkt ist. Ihre Illustrationen verleihen dem gereimten Text eine magische Lebendigkeit und regen die kindliche Fantasie an. Was geschieht denn nachts in Höhlen oder in den Bergen? Ein Bilderbuch, das Raum für eigene Ideen lässt und sich zum gemeinsamen Lesen mit Eltern und Pädagogen eignet. Ich vergebe 8,5 Sterne.


 

Titel Mond  eine Reise durch die Nacht
Originaltitel Moon  Night Time around the World
Erscheinungsjahr 2018
Autor/Illustrator Britta Teckentrup (Autorin, Illustratorin)
Verlag arsEdition GmbH
Seiten 32 Seiten
Altersempfehlung Ab 4 Jahre
Thema Nacht

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