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HAT DAS NILPFERD STREIFEN? | Kinderbuch 2006 | Kritik, Review

Zuletzt aktualisiert am 20. Mai 2018 um 17:43

Was ist das langweiligste Tier im Zoo? Das Nilpferd natürlich! Das weiß doch jeder Erwachsene. Doch Jakob will sich selbst überzeugen. Ein Bilderbuch von Eva Muszynski und Karsten Teich über den kindlichen Eigensinn: Hat das Nilpferd Streifen?

Ein Pferd zum Schnarchen

Zugegeben, etwas peinlich war es schon, mein erster Besuch in der Aachener Stadtbibliothek. Die Bibliothekarin bat mich um den Kinderausweis meines Kindes, die Ausleihe wäre für Kids immerhin kostenlos. So selbstbewusst es ging, erwiderte ich, dass dieser Bilderbuchstapel für mich sei. Als Recherchematerial, nuschelte ich noch schnell hinzu. Leicht irritiert übergab sie mir die Beute. Ein Gefühl, das der ein oder anderen Kinderbuchlektorin im Laufe ihres Lebens wohl begegnet sein dürfte. Doch das verfliegt im Nu, sobald man den Blick auf die Beute richtet.

Sonia mit dem Bilderbuch »Hat das Nilpferd Streifen?«

Zum Inhalt von Hat das Nilpferd Streifen?

Jakob muss mit seinen Eltern in den Zoo. Dabei würde er viel lieber ins Schwimmbad oder auf den Spielplatz. Während sein Vater versucht, ihn von den spannenden Tieren zu begeistern, weckt ein geheimnisvolles Wasserbecken Jakobs Interesse. Hier regt sich nämlich nichts. Oder etwa doch? Und wie mag sein Bewohner, dieses Nilpferd, wohl aussehen?

Der Besuch im Zoo ist ein Thema, mit dem sich Kinder in der Regel identifizieren können. Dass Jakob von dieser Unternehmung alles andere als begeistert ist, überrascht zunächst. Zumindest mein inneres Kind. Der ältere Teil in mir fragt sich hingegen, ob wir es bei Jakob womöglich mit einem aufblühenden Tierschützer zu tun haben.

Das Weiterlesen bringt Klarheit: Jakob hat schlichtweg keinen Bock. Ein Zustand, den Groß und Klein gut nachempfinden können. Dank der flatterhaften Laune ändert sich die Gemütslage von Jakob aber flott, als das leere Nilpferdbecken seine Neugier weckt. Und während seine Faszination an diesem phantomartigen Tier wächst, schrumpft der frohe Sinn seiner Eltern. Immerhin gibt es hier spektakulärere Tiere wie Löwen und Elefanten zu erblicken, die zwar alle etwas träge rumhängen, aber egal! Die Erwachsenen sind sich einig: ein Nilpferd ist total öde.

Doch Jakob ist das Gerede einerlei, er will unbedingt wissen, wie dieses Mysterium tief unten im Becken wohl ausschauen mag.

Die Welt widdewidde wie sie Kids gefällt

Was an der Zoogeschichte besonders viele Sympathiepunkte einheimst, ist das Hervorheben der Differenz zwischen den Erwartungen der Erwachsenen und der kindlichen Wahrnehmung. Das Aufgreifen kindlicher Impulsivität, die sich von Reizen – oder in diesem Fall vermissten Reizen – leiten lässt, verdeutlicht, dass letztlich das Kind selbst darüber entscheidet, was es als interessant oder dröge bewertet. Wir können der Geschichte zwar nicht entnehmen, ob Jakob die anderen Tiere bereits vertraut sind, gleichwohl wird dem Leser bewusst, dass es das Versteckte ist, das seine Entdeckungslust weckt. Ein beliebtes Motiv in der Kinder- und Jugendliteratur.

Ein erfinderisches Köpfchen

Indem Jakob immer deutlicher eingeflossen bekommt, wie grottenlangweilig dieses Nilpferdbecken sei, baut sich in ihm ein rebellischer Trotz auf, dieses Geschöpf mit eigenen Augen zu sehen und toll zu finden. Diese Mission ist der rote Faden der Kindergeschichte. Er verfängt sich zwar immer wieder bei klassischer Zoo-Prominenz wie dem Löwen, wird in Jakobs Vorstellungsvermögen aber weiter und bunter gesponnen, was sich in humoristischen und fantasievollen Illustrationen ausdrückt.

Besonders viel Lesefreude bereitet Jakobs Durchspielen verschiedener Erscheinungsformen, wie z. B. das Nilpferd mit Haarpracht eines Löwen. Dieses Herumjoglieren verschiedener Vorstellungen veranschaulicht das kindliche Einfallsreichtum und verleiht der Geschichte ihren Charme. Dank seiner Sturheit, gelingt es Jakob schließlich doch, im Gewitterchaos das Nilpferd zu erblicken. Das noch viel cooler ist, als er es sich ausgemalt hat.

Visualität/Illustrationen

Die Illustrationen von Karsten Teich sind die Highlights des Werkes. Mit Bleistift- und Buntstift und kräftigen Farben rücken sie den Humor der Geschichte ins beste Licht und ergänzen den Text ideal. Es gibt auf ganzseitigen und Panorama-Bildern viel zu entdecken, so dass das Bilderbuch zu mehrmaligen Lesen und gemeinsamen Durchblättern einlädt. Durch eher minimalistische Figurenzeichnungen mit Punktaugen und Strichmündern gelingt es Karsten Teich, dass die Gesichtsausdrücke gekonnt die Emotionen transportieren.

Fazit zu Hat das Nilpferd Streifen?

Das Buch macht Spaß, weil es humoristisch gemalt und erzählt ist und die Figuren lebensnah dargestellt werden. Zudem gibt die Geschichte einem auf dem Weg, dass Kinder in ihrer Entdeckungslust unterstützt werden sollten, weil in ihren Gedanken so viel Reichtum an Fantasie steckt. Eine Lektüre, die sich hervorragend eignet, wenn man mit den Kleinen einen Zoobesuch plant oder ihnen einen kleinen Schubser für die eigene Vorstellungskraft geben mag.

In diesem Sinne: Ein Hoch auf die kindliche Weltsicht und Wahrnehmung, die manchmal um Weiten aufregender ist, als die öde erwachsene. Ich vergebe 8 von 10 Sternen.


Titel Hat das Nilpferd Streifen?
Erscheinungsjahr 2006
Autor Eva Muzynski
Illustrator Karsten Teich
Verlag Boje
Seiten 40 Seiten
Altersempfehlung 4-6 Jahre
Thema Zoo, Tiere

 

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