Monthly Archive: April 2016

Spazierleser

Unlängst lag ich am Ufer eines Flusses, der so langsam fließt, dass man sich fragt: in welche Richtung eigentlich?, und las ein Buch über „Speedreading“. Tempoclash. Als würde man bei 180 Sachen auf der Autobahn im Fahrzeughandbuch wegen der defekten Bremsen nachschlagen. Nur etwas weniger gefährlich, die Flussvariante. Obwohl ich von Brennnesseln umgeben war – doch noch so zugeknöpft und langärmelig, an einem dieser raren Sonnentage im noch kühlen April, dass mir keine Nessel auf die Pelle rückte.

Ergo: Dann gegen alles

Gestern schlenderte ich spätabends – auf der Suche nach Essen – an einem eingeschalteten Fernseher vorbei. Fasziniert blieb ich stehen, hatte ich doch just den Moment erwischt, da William Cohn in gewohnter Disstrack-Manier das Neo Magazin Royale ankündigte. Es ließ mich meinen Hunger vergessen. Jan Böhmermann im Hauptprogramm (statt im Zweiten Deutschen Internet), das muss man sich doch auch mal geben. Und so sank ich mit einer gewissen musealen Faszination für dieses lineare Programm in den Sessel, um – Premiere für mich – Böhmi im TV zu sehen. Wie sich zeigte, kam ich genau richtig…

Bemerkungen eines Bandbattlebesuchers

Unlängst hat es mich auf eine Toys2Masters-Show verschlagen. Sagt man das so? Oder Toys2Masters-Bandbattle? Toys2Masters-Contest? Ein Abend, an dem sechs junge Rockbands es krachen lassen und am Ende hoffen, vom Publikum die meisten Stimmen zu bekommen. Sowas. Stattgefunden in der Klangstation am Bahnhof von Bad Godesberg. Auf dem Weg dorthin in einem unterirdisch idiotischen Tunnelsystem verfahren, deshalb den Auftakt vom Fighting Buddha-Gig verpasst. Aber hey, das Beste kam noch…

All der Fragen rote Faden

Vor knapp zwei Jahren, im Mai 2014, habe ich Shoah erstmals gesehen. »Ich bin der festen Überzeugung, dass Shoah jeden Zuschauer verändert. Man wird gewissermaßen von Shoah markiert«, sagt Regisseur Claude Lanzmann über diesen seinen eigenen Film und in meinem Fall kann ich ihm zustimmen: Für mich gibt es ein Davor und Danach, ein Immer-wieder-daran-denken, ein Nicht-mehr-loslassen…

Innen und außen

Am ersten und zweiten Tag dieses Jahres habe ich Frank und Room gesehen. Zwei Abrahamson-Filme. Von beiden kannte ich weder Trailer noch Handlung noch sonstwas. Dass Michael Fassbender und Brie Larson dabei sind, das erzählte man mir. Fassbender spielt einen Band-Frontsänger, der niemals seine überdimensionale Pappmaschee-Maske absetzt. Weder beim Auftritt, noch bei den Proben, noch beim monatelangen Album-Recording. Noch beim Duschen (mutig, für diese Rolle Herrn Fassbender anzufragen). Larson spielt eine Mutter, deren Leben mit ihrem fünfjährigen Sohn sich in einem winzigen Raum abspielt – bis zu einer „Todesszene“, die mir noch lange im Gedächtnis bleiben wird…