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Angst vor allen Anderen

„There is no terror in the bang, only in the anticipation of it.“

Das hat Hitchcock gesagt. Bei Terror denke ich an Sprengstoffwesten. Maschinengewehre in zivilem Umfeld. Hitchcock sprach von Schrecken. Von extreme fear. Die Angst, die nicht vom Knall selbst herrührt, sondern von der Erwartung desselben .

Die Angst, die man nach den Paris Attacks gespürt hat. Die Angst, die unser master of suspense, De Maiziere, so öffentlichkeitswirksam gestreut hat, dass der schwarzhumorige Hitchcock applaudiert hätte. Eigentlich wollte ich diesen Beitrag (seit Monaten schlummert der Entwurf im Backend) anlässlich der Attentate veröffentlichen. Dann erschien es mir banal und blöd und außerdem hat Böhmermann (ja, ich weiß, ich bringe dieses Namen in einer Frequenz, die sonst 13-jährige Fangirls belegen) mit seinen „100 Fragen nach Paris, keine Antworten“ alles gesagt, was zu sagen war – oder gefragt, was zu fragen war? (die Welt hat geantwortet, aber Zeitjung fand das doof – ich übrigens auch: Buuh, Herr Rosenfelder, buuuuh!)

Nun ist über ein Vierteljahr seit Paris vergangen. Ist die Angst weg? Mitnichten, wenn man sich die Wahlergebnisse vom vergangenen Sonntag anschaut: Angst hat die AfD groß gemacht. Hier überholt sich Hitchcock, denn zwar schürt die Erwartung vor dem BANG! nach wie vor die Furcht, doch der Nachhall eines Bangs! lässt sich auch gut instrumentalisieren, um Angst salonfähig zu machen für das politische Parkett (mal wieder). Jetzt sitzen da Menschen in unseren Landtagen, die nicht wirklich einen Plan oder ein Programm haben, sondern vor allem Eines wollen: „Deutschland den Deutschen“ propagieren – in welche Worthülsen sie es auch immer hüllen mögen. Ich kann sie gut verstehen, die Wutbürgerin, die es zum Kotzen findet, dass dumme Menschen leichtfältig an den Grundpfeilern unserer so wertvollen Demokratie sägen – damit meine ich Wähler und Gewählte. Ja, ich habe dumm gesagt und dumm gemeint. Dumm! Wie in: nicht hinreichende Hirnaktivität! Wie in: geringer Gripsgebrauch!

Was kann man dagegen tun?
Eine Frage nach dem Wahlsonntag. Keine Antwort.

In der Zwischenzeit suche nach einem visuellen Ausdrück des Gefühls Angst. Die Mischung aus vertrautem Umfeld und aus dem Rahmen fallenden Elementen. Vor Jahren habe ich den Kurzfilm „Some Static Started“ von Ben Briand gesehen. Er vermittelt für mich sehr präzise das Gefühl, mit dem ich aus Alpträumen auswache.

In den letzten drei Nächten hatte ich zwei Alpträume. Kann man so auch einen Traum bezeichnen, der einen weniger ob seines Inhalts erschreckt, als ob seiner Bedeutung über mich als Sowas-Träumenden? Kurzum: Es widersprach meinem gesunden Menschenverstand, was ich in diesem Traum erlebt habe. Viel präsenter habe ich den zweiten Traum in Erinnerung, der mich heute Morgen heimgesucht hat:

Ich sitze hinter dem Steuer eines Wagens, fahre schnell auf einer Landstraße. Auf dem Rücksitz ein Freund. Wir passieren einen Betrunkenen, der ein Stoppschild abmontiert. Da ist es noch Nacht, dunkel um uns herum. Mir fallen fast die Augen zu, ich habe Angst vor dem Sekundenschlaf. Zu meiner Linken erstreckt sich eine Wiese, es dämmert, es ist hell, wir fahren ans Wasserbüffeln vorbei – auf einer Straße, die ich jeden Tag befahre, ohne Büffel. Im Traum droht mich die Müdigkeit so sehr zu erschlagen, dass ich rechts ranfahre, um bloß nicht am Steuer einzuschlafen. Wir steigen aus, wollen den Rest laufen, sind in Eile. Über uns kreisen Vögel. „Guck mal“, sage ich, „Kondore“. Mein Freund schaut hoch und erschrickt. Riesige Biester von Vögeln, drei Meter Flügelspannweite, segeln zu uns hinab. Ich finde das ganz normal und laufe schon über die Büffelwiese, während die Kondore hinter mir – am Straßenrand – Hunde reißen. Das Knacken eines Hundegenicks ist das Letzte, was ich höre. Wo ist mein Freund?

Dann bin ich aufgewacht. Manche Träume würde ich gerne weiterträumen.
Hier ist der Film von Ben Briand, falls jemand Lust auf das Alptraum-Feeling hat:

 

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